Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Start gemeinsamer radiologischer Qualitätsoffensive in interventioneller Therapie des Schlaganfalls

01.10.2012
Zertifizierungsprogramm stellt Behandlungsstandards und Patientensicherheit in einer schnell wachsenden medizinischen Disziplin sicher

Die Behandlungsmethoden der minimal-invasiven, interventionellen Radiologie und Neuroradiologie haben in den vergangenen Jahren einen enormen Aufschwung erfahren. Unter Bildkontrolle können „Interventionalisten“ verschlossene Gefäße wiedereröffnen und damit erfolgreich Schlaganfallpatienten oder Patienten mit peripher-arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) behandeln oder – ebenfalls unter Einsatz von bildgebenden Verfahren – präzise lokalisiert Tumoren zerstören und Gefäßfehlbildungen verschließen.


Interventionelle Therapie eines Schlaganfalls bei einem 70jährigen Patienten mit einer Halbseitenlähmung rechts und Sprachstörungen seit einem Tag: Die linke Halsschlagader war fast vollständig verschlossen.

DRG/Kummer


Mit Hilfe eines Stents gelang es den normalen Gefäßdurchmesser wieder herzustellen mit entsprechender Normalisierung des Blutflusses im Kopf und Erholung des Patienten.

DRG/Kummer

Um die Qualität dieser komplexen Eingriffe zu fördern sowie die Ausbildung kontinuierlich zu verbessern, hat die Deutsche Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimal-invasive Therapie (DeGIR) bereits vor zwei Jahren ein Qualifizierungs- und Zertifizierungsprogramm aufgelegt. Ab Oktober 2012 wird das Programm um den neuroradiologischen Interventionsbereich erweitert werden. Damit sind sämtliche Interventionsbereiche und alle gängigen Techniken durch das Zertifizierungsprogramm der beiden Fachgesellschaften, DeGIR und Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR), abgedeckt.

„Interventionelle Radiologie markiert einen Megatrend in der Medizin: In zahlreichen Anwendungsgebieten sind die Erfolgsraten minimal-invasiver Verfahren denen offen-chirurgischer Verfahren ebenbürtig oder überlegen, während die Komplikationsraten zum Teil deutlich niedriger sind. Auch aufgrund der demografischen Entwicklung, die eine Zunahme von Krebserkrankungen und Erkrankungen des Gefäßsystems mit sich bringt, wird der Bedarf an gut ausgebildeten Interventionellen Radiologen zunehmen. Das gemeinsame Zertifizierungssystem trägt diesen enormen Anforderungen durch ein strukturiertes Ausbildungsprogramm und die Festlegung von Standards Rechnung“, sagt Professor Dr. Dierk Vorwerk, Präsident der DeGIR.

„Die Interventionelle Neuroradiologie hat die Schlaganfallbehandlung in den vergangenen zehn Jahren revolutioniert. Die lokale Gefäßeröffnung beim ischämischen Schlaganfall ist eine äußerst wirksame Behandlung. Umso wichtiger ist es, dass sie von Spezialisten vorgenommen wird, die über einen hohen Ausbildungsstandard verfügen. Ich freue mich daher, dass die Neuroradiologischen Interventionen Bestandteil der Zertifizierung werden“, betont Professor Dr. Olav Jansen, Präsident der DGNR.

Prof. Dr. Michael Forsting, Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft ergänzt: „Die interventionellen Behandlungsmethoden sind ganz wesentlich in unserem Fach entwickelt worden. Es ist daher auch genuine Aufgabe unserer Fachgesellschaften, die Standards der Methoden zu setzen und für eine fundierte Ausbildung zu sorgen. Das Zertifizierungsprogramm von DGNR und DeGIR sorgt für mehr Qualität und damit für mehr Patientensicherheit.“

Das Programm von DeGIR und DGNR umfasst drei Stufen. Für das Basiszertifikat in Stufe 1 werden grundlegende Fähigkeiten in interventionellen Techniken vorausgesetzt. Das Spezialisierungszertifikat in Stufe 2 kann in sechs Modulen erworben werden, die die unterschiedlichen Bereiche abbilden (vor allem Gefäß eröffnende und Gefäß verschließende Verfahren, Bild gestützte Gewebeprobenentnahmen, minimal-invasive Tumortherapien, Eingriffe in den Kopfgefäßen bei der Behandlung von Aneurysmen oder Schlaganfällen). Stufe 3 ist das Ausbilderzertifikat, es wird an Ausbildungsstätten und deren Ausbilder mit Stufe 2-zertifizierten Ausbildern vergeben, die die Erfahrungen an andere Radiologen und Neuroradiologen weitergeben.
Weitere Bestandteile des Programms sind Basis- und Spezialisierungskurse, die der theoretischen und praktischen Vermittlung der Interventionstechniken dienen. Alle Zertifikate sind an den Facharzt für Radiologie bzw. an die Schwerpunktbezeichnung Neuroradiologie gebunden.

In den vergangenen zwei Jahren hat die Deutsche Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimal-invasive Therapie (DeGIR) rund 800 Radiologen und radiologische Zentren zertifiziert.
Pressekontakt:
Florian Schneider
Presseverantwortlicher
Deutsche Röntgengesellschaft e.V.
Tel.: 030 – 916 070 19
Fax: 030 – 916 070 22
E-Mail: schneider@drg.de

Florian Schneider | idw
Weitere Informationen:
http://www.drg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie