Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stammzelltransplantation: Neue Therapie soll Nebenwirkungen verringern

16.12.2010
Die Transplantation von blutbildenden Stammzellen ist für Patienten mit bösartigen Erkrankungen des Blutsystems, den sogenannten Leukämien, oft die einzige lebensrettende Therapieform.

Fatalerweise ruft diese Therapie sehr häufig eine lebensbedrohliche Reaktion des Immunsystems hervor. Theoretisch verfügt das Immunsystem selbst über einen Hebel mit dem sich diese gefährliche Nebenwirkung gezielt unterdrücken lässt: die regulatorischen T-Zellen. Die Arbeitsgruppe um Dr. Michael Albert in München will sich diese Tatsache zu Nutze machen, um eine zelluläre Immuntherapie zu entwickeln, mit der die Nebenwirkungen einer Transplantation in Schach gehalten werden.

Die Transplantation von blutbildenden Stammzellen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als eine immer häufiger eingesetzte Therapieform für eine Vielzahl von Erkrankungen des Blutes und speziell von Blutkrebs etabliert. Sie bietet Patienten, die trotz intensiver Chemotherapie nicht von ihrer Leukämie geheilt werden konnten, eine zusätzliche Chance, die Krebserkrankung zu besiegen.

Abhängig von der Art der Transplantation kommt es bei ca. 20-80 Prozent der Patienten jedoch zu einer als GVHD bezeichneten schweren Immunreaktion, die auf einer Gewebeintoleranz zwischen Stammzellspender und Patient beruht. Je nach Schweregrad kann diese Immunreaktion lebensbedrohliche Formen annehmen. Behandelt wird die GVHD durch Medikamente, die die Aktivität des Immunsystems unterdrücken. Damit muss jedoch umgekehrt das Auftreten von schweren Infektionen und Rückfällen der Leukämie in Kauf genommen werden. Deshalb sind die GVHD und die Folgen ihrer Behandlung immer noch der häufigste Grund für das Versterben eines Patienten nach einer Stammzelltransplantation. Neue Therapieansätze zur Behandlung der GVHD sind also dringend erforderlich.

In einem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt verfolgen die Forscher an der Ludwig-Maximilians-Universität München den vielversprechenden Therapieansatz, mit regulatorischen T-Zellen die GVHD zu unterdrücken. Regulatorische T-Zellen halten überschießende Immunreaktionen gegen Fremdstoffe in Schach und vermitteln eine Selbsttoleranz, die vor Zerstörung von körpereigenem Gewebe schützt.

Die Eigenschaften dieser speziellen T-Zellen lassen sich auch für die Stammzelltransplantation nutzen, um eine Toleranz zwischen den Blutzellen des Stammzellspenders und dem Patienten herzustellen. Die Anzahl an natürlich vorkommenden regulatorischen T-Zellen im Blut ist jedoch sehr gering. Für einen therapeutischen Einsatz entwickeln die Münchener Forscher deshalb ein Verfahren, mit dem es möglich ist, regulatorische T-Zellen mittels genetischer Manipulation labortechnisch in einer großen Anzahl zu vermehren. Für die zelluläre Immuntherapie würden regulatorische T-Zellen des Spenders verwendet, die zusammen mit dem Knochenmarktransplantat auf den Patienten übertragen werden, um dort gezielt die GVHD zu unterdrücken.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 140.000 Euro. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontakt:
PD Dr. Michael Albert, Oberarzt, Leiter der pädiatrischen Stammzelltransplantation und der Arbeitsgruppe Transplantationsimmunologie
Abteilung Pädiatrische Hämatologie und Onkologie
am Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München
Tel: 089/5160-2785
E-Mail: michael.albert@med.uni-muenchen.de

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte