Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stammzellen füllen Knochenlücken - RUBIN: Monatelange Heilungszeiten verkürzen

12.11.2012
Wenn nach schweren Verletzungen oder bei Tumoroperationen mehrere Zentimeter Knochen aus dem Unterschenkel entfernt werden müssen, bedeutet das für den Patienten den Anfang eines langen Leidenswegs.

Die Heilung zu beschleunigen und zu verbessern versprechen körpereigene Stammzellen. Chirurgen des RUB-Klinikums Bergmannsheil haben damit ermutigende Erfahrungen gemacht: Dauerte es ohne die Stammzellbehandlung durchschnittlich 49 Tage bis sich ein Zentimeter neuer Knochen gebildet hatte, so lag der Durchschnittswert nach der Behandlung bei etwa 37 Tagen.

RUBIN im Internet
Den vollständigen Beitrag mit Bildern zum Herunterladen finden Sie im Internet unter http://www.rub.de/rubin

Knochenhaut in die Länge ziehen

Große Knochendefekte bedeuteten früher unweigerlich die Amputation. Heute stabilisiert man Arm oder Bein durch eine außen liegende Stütze und zieht ein Transportseil durch das Knochenmark des verbleibenden Teils des Knochens. Nach Heilung der umgebenden Weichteile trennen die Ärzte in einer weiteren Operation den Knochen im gesunden Bereich. Das Transportseil wird mit den Winden eines Ringfixateurs verbunden, der das gesamte Bein umgibt. Über ein Seilzugsystem wird das abgetrennte Knochenstück dann langsam – etwa einen Millimeter pro Tag – entlang der Lücke im Knochen nach unten oder oben gezogen, bis es an deren anderem Ende angekommen ist, wo es anheilt. Während des Zugprozesses hat sich die Knochenhaut des auseinandergezogenen Knochens stetig verlängert. In der Lücke hinter dem verschobenen Knochenstück bildet sich auf diese Weise eine Art Knochenhautschlauch. Nur in seinem Inneren kann sich neuer Knochen bilden. Das allerdings dauert sehr lange und ist in jedem fünften Fall erfolglos.

Körpereigene Stammzellen im OP aufbereiten

Chirurgen des RUB-Klinikums Bergmannsheil versuchen die Heilung mit körpereigenen Stammzellen zu verbessern. Sie können sich je nach Erfordernis zu verschiedenen Gewebezellen zu entwickeln – also auch zu knochen-bildenden Osteoblasten. Die verwendeten adulten Stammzellen kommen bei Erwachsenen auch im Knochenmark vor. „Wir entnehmen sie in einem kleinen Eingriff mit einer Hohlnadel aus dem Kamm des Beckenknochens“, erklärt PD Dr. Dominik Seybold, Geschäftsführender Oberarzt der Klinik. Die Stammzellen werden gleich vor Ort für den Einsatz aufbereitet. Unter Röntgenkontrolle spritzen die Chirurgen etwa sechs bis acht Milliliter der konzentrierten Flüssigkeit in die Mitte des Knochenhautschlauchs. Regelmäßige Röntgenkontrollen müssen dann zeigen, wie die Heilung voranschreitet.

Bislang haben die RUB-Mediziner 20 Patienten auf diese Weise behandelt. „Das ist natürlich zu wenig, um statistisch aussagekräftig zu sein“, schränkt Seybold ein. Dennoch freuen sich die Forscher über ermutigende Ergebnisse: Dauerte es ohne die Stammzellbehandlung durchschnittlich 49 Tage bis sich ein Zentimeter neuer Knochen gebildet hatte, so lag der Durchschnittswert nach der Behandlung bei etwa 37 Tagen. Die Knochendefekte, die die RUB-Forscher bislang mit der Methode behandelt haben, waren im Durchschnitt acht Zentimeter groß – die Patienten konnten also im Mittel drei Monate schneller geheilt werden.

Themen in RUBIN

In RUBIN finden Sie darüber hinaus folgende Themen: Fumarsäureester gegen MS; Mit Speck fängt man Mäuse, mit Honeypots Angreifer im Internet; Religionskontakt um die Ecke; Jahrhunderte alte Gespräche belauschen; Stammzellen füllen Knochenlücken; Auf dass sich die Balken biegen: große Betonteile im Labor testen; An der kurzen Leine: Werthaltungen in der Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen; E-Autos im Alltagstest; Moderne Spurenleser: Was wogen Dinosaurier?; Schwimmende Überlebenskünstler: Wie sich der Wasserfloh verteidigt; Im Gewand des Feindes: Autonome Nationalisten. RUBIN ist erhältlich in der Stabsstelle Strategische PR und Markenbildung der RUB, Tel. 0234/32-26952, und online unter http://www.rub.de/rubin.

Weitere Informationen

PD Dr. Dominik Seybold, Chirurgie Bergmannsheil, Bürkle-de-la-Camp-Platz 1, 44789 Bochum, Tel. 0234/302-0, dominik.seybold@rub.de

Redaktion: Meike Drießen

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rub.de/rubin
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rubin-herbst-2012/beitraege/beitrag5.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie