Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stammhirn legt Frequenzzuständigkeit unserer Hörsinneszellen vor Hörfunktionsbeginn fest

17.05.2011
Aktuell publiziert in Nature Neuroscience

Unser Gehör ist in der Lage, einen außerordentlich großen Lautstärkebereich - vom Fallen einer Stecknadel bis hin zum Aufheulen einer Flugzeugturbine - wahrzunehmen. Das liegt daran, dass unsere Haarzellen im Ohr auf eine große Frequenzbreite reagieren können. Jetzt konnten Wissenschaftler zeigen, wie diese Haarzellen während der Gehirnreifung vor Hörfunktionsbeginn auf diese Aufgabe vorbereitet werden. Eine wichtige Rolle bei der ortsabhängigen Feinabstimmung der Erregungsmuster spielt dabei der Botenstoff Acetylcholin.

Eine internationale Forschergruppe von der Universität Sheffield hat diese Studie jetzt aktuell in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Neuroscience veröffentlicht. Am Universitätsklinikum Tübingen konnte die Tübinger Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Marlies Knipper und Doktorand Christoph Franz mittels hochauflösender dekonvulierender Fluoreszenz-Mikroskopie bei der Detektion wichtiger molekularer Bausteine zur Aufklärung des Mechanismus beitragen.

Für das Verständnis von Störungen, die zu Schwerhörigkeit oder Taubheit führen, ist es wichtig zu wissen, wie Schall im Innenohr verarbeitet wird. Auch dafür, wie man Hörprothesen wie beispielsweise Hörgeräte oder Hörimplantate so verbessern kann, dass sich ein natürlicherer Höreindruck ergibt, ist die Kenntnis dieser Vorgänge bedeutsam.

Das Frequenzspektrum der inneren Haarzellen ist entlang der Gehörschnecke auf 3000 Frequenzbänder verteilt. Diese inneren Haarzellen feuern dann in Abhängigkeit von ihrer Position mit unterschiedlichen Entladungsraten. Die aktuelle Studie von Johnson et al. zeigt, dass über eine neuronale Rückkopplung des Stammhirns über den Botenstoff Acetylcholin die Entladungsrate der inneren Haarzellen schon vor Hörfunktionsbeginn beeinflusst wird. Dadurch wird die Frequenzkarte unseres Hörens für die Dauer unseres Lebens festgelegt.

Ansprechpartner für nähere Informationen

Universitätsklinikum Tübingen
Tübinger Hörforschungszentrum
Labor für Molekulare Hörphysiologie
Professorin Marlies Knipper
Tel. 07071/29-8 82 44
marlies.knipper@uni-tuebingen.de
Titel der Originalpublikation in Nature Neuroscience
Position-dependent patterning of spontaneous action potentials in immature cochlear inner hair cells
Stuart L Johnson1, Tobias Eckrich1, Stephanie Kuhn1, Valeria Zampini1,2, Christoph Franz3, Kishani M Rana-tunga4, Terri P Roberts4, Sergio Masetto2, Marlies Knipper3, Corné J Kros4 & Walter Marcotti1
1 Department of Biomedical Science, University of Sheffield, Sheffield, UK.
2 Department of Physiology, University of Pavia, Pavia, Italy.
3 Department of Otolaryngology, Tübingen Hearing Research Center, Laboratory of Molecular Physiology of Hearing, University of Tübingen, Tübingen, Germany.
4 School of Life Sciences, University of Sussex, Falmer, Brighton, UK.
Correspondence should be addressed to W.M. (w.marcotti@sheffield.ac.uk) or C.J.K. (c.j.kros@sussex.ac.uk).

Received 4 February; accepted 11 March; published online 15 May 2011;

doi:10.1038/nn.2803

http://www.nature.com/neuro/journal/vaop/ncurrent/pdf/nn.2803.pdf

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-tuebingen.de
http://www.nature.com/neuro/journal/vaop/ncurrent/pdf/nn.2803.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Die bestmögliche Behandlung bei Hirntumor-Erkrankungen
28.03.2017 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit