Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das ständige Grübeln überwinden

26.02.2009
RUB-Zentrum für Psychotherapie bietet neue Therapieform an

Hoffnung in der Depressionsbehandlung

Mindestens vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an Depressionen. Die Behandlungsmöglichkeiten sind inzwischen sehr gut - allerdings ist die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls hoch.

Besonders Menschen mit einer Neigung zum Grübeln sind gefährdet. Speziell für sie hat das Zentrum für Psychotherapie der Ruhr-Universität jetzt eine neue Form der Gruppentherapie entwickelt.

Menschen, die depressive Phasen erlebt haben oder wegen Depressionen behandelt wurden, aktuell jedoch nicht depressiv sind oder nur noch unter einer Restsymptomatik leiden, können sich ab dem 2. März 2009 unter Tel. 0234/32-22323 informieren und einen Termin für ein erstes Gespräch vereinbaren. Die Gruppentherapie findet wöchentlich insgesamt elf Mal statt.

Intensive Unterstützung gegen das Grübeln

Das neue Behandlungsprogramm zielt darauf ab, anhaltende depressive Symptome zu vermindern und Rückfälle zu verhindern. "Wir haben auf der Grundlage aktueller Forschungsergebnisse und praktischer Erfahrungen ein Gruppenprogramm entwickelt, bei dem wir intensiver als in anderen Behandlungen Patienten darin unterstützen, eine grüblerische Auseinandersetzung mit sich selbst zu überwinden", erklärt Psychotherapeut Dipl.-Psych. Tobias Teismann, der die Behandlungsstudie gemeinsam mit Prof. Dr. Ulrike Willutzki leitet.

Dabei geht es darum, den Betroffenen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie ihre Aufmerksamkeit selbst lenken können, selbst entscheiden können, worauf sie sich konzentrieren wollen, anstatt sich vom Grübeln gefangen nehmen zu lassen. Außerdem werden positive Annahmen über das Grübeln bewusst gemacht und hinterfragt, etwa die Annahme, das Grübeln würde helfen, Probleme zu lösen. "Wir setzen uns im Gegensatz zu anderen Therapien mehr mit dem Prozess des Grübelns selbst auseinander als mit den Inhalten der Grübelei", erklärt Tobias Teismann.

Grübeln erhöht das Rückfallrisiko

Menschen, die zu einer grüblerische Auseinandersetzung mit Schwierigkeiten, Empfindungen und Emotionen neigen, beschäftigen sich mit Fragen wie: "Warum fühle ich mich bloß so? Warum gerade ich? Warum kann es mir nicht besser gehen? Wieso bin ich nie richtig zufrieden mit dem, was ich tue? Warum gelingt es mir nicht, mein Leben in den Griff zu kriegen? Was hat das zu bedeuten, dass mein Chef mich gestern so komisch angeguckt hat?" Vielfach fällt es schwer, sich von diesen Gedanken über sich selbst loszureißen und die gleichen Gedanken drängen sich immer wieder auf.

Im Verlauf führt Grübeln zu einer immer negativeren Sicht auf die eigene Person, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Es beeinträchtigt die Fähigkeit, angemessene Lösungen für Probleme zu finden, und es untergräbt das Selbstvertrauen und die Motivation bei der Umsetzung möglicher Lösungen. Entsprechend führt langanhaltendes Grübeln dazu, dass negative Stimmung zunimmt und länger anhält.

Depression: Wenn die Traurigkeit das ganze Leben überschattet

Jeder Mensch ist manchmal traurig, und das ist auch gut so. Wenn die Traurigkeit jedoch überhand nimmt und das ganze Leben überschattet, spricht man von Depression. Jede fünfte Frau und jeder zehnte Mann erkrankt einmal im Leben daran, 15 Prozent der Patienten nehmen sich das Leben. Betroffene sind über längere Zeit fast ständig niedergeschlagen, können kaum noch Freude oder Genuss erleben und ziehen sich oft von Familie und Freunden zurück.

Grübeln, Selbstzweifel und Schuldgefühle gehören genauso zur Depression wie Appetitmangel, Schlafstörungen, Antriebsmangel und ein ständiges Gefühl von Erschöpfung und Müdigkeit. Die Behandlungsmöglichkeiten sind inzwischen sehr gut. Psychotherapie, gegebenenfalls kombiniert mit Medikamenten, führt meistens zu einer deutlichen Verbesserung und häufig sogar zur vollständigen Befreiung von den Symptomen. Manchmal klingt die Depression auch ohne Behandlung wieder ab.

Bei vielen bleiben jedoch einzelne Symptome bestehen. Außerdem weisen aktuelle Studien auf ein hohes Rückfallrisiko hin: Auch nach einer erfolgreichen Behandlung beträgt das Risiko, innerhalb der nächsten eineinhalb Jahre erneut zu erkranken, 30 bis 70 Prozent. "Für die meisten Betroffenen ist eine depressive Phase somit kein einzelnes Ereignis, sondern eine wiederkehrende Belastung", verdeutlicht Tobias Teismann.

Weitere Informationen

Dipl.-Psych. Tobias Teismann
Zentrum für Psychotherapie der Ruhr-Universität, 44780 Bochum
Tel. 0234/32-24915
E-Mail: Tobias.Teismann@kli.psy.ruhr-uni-bochum.de
Redaktion: Meike Drießen

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise