Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sprachmelodie verrät beste Therapie für Depression

08.12.2009
Verortung der Emotionswahrnehmung im Gehirn entschlüsselt

Alle unterschwelligen Emotionen, die ein Sprecher seinen Zuhörern über Tonhöhe oder Lautstärke mitteilt, werden in einem stimmsensitiven Teil des Schläfenlappens im Gehirn verarbeitet.

Zu diesem Schluss kommt die Medizinerin Sarah Wiethoff von der Uniklinik Tübingen in ihrer Dissertation, die auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) den Promotionspreis für Psychiatrie und Psychotherapie erhielt. Die Erkenntnisse könnten dabei helfen, im Vorfeld die jeweils beste Therapie bei Depressionen zu ermitteln.

Obwohl man ihr wenig Aufmerksamkeit schenkt, steigt die Bedeutung der Sprachmelodie ständig. "Wir kommunizieren immer mehr über Telefon und Handy, wobei visuelle Aspekte wie Mimik und Gestik wegfallen. Um nicht ausgesprochene Vorhaben eines Sprechers abzulesen, entscheidet somit die Intonation der Sprache", erklärt Wiethoff im pressetext-Interview. Je emotionaler Menschen reden, desto stärker bedienen sie sich dieses nicht-semantischen Kanals der Sprache, der besonders über Lautstärke, Tonhöhe und Dauer des Gesprochenen gesteuert wird.

Psychisch Kranke erkennen Tonfall nicht

Doch nicht jeder versteht, was der Tonfall sagen will. "Bei vielen psychischen Erkrankungen wie etwa Depressionen sind Menschen nicht in der Lage, die Sprachmelodie richtig zu erkennen wie auch selbst einzusetzen. Sie realisieren nicht, dass das Gegenüber beispielsweise verärgert ist, wodurch sich ernste Missverständnisse ergeben können. Das verschlechtert die Kommunikation, kann Isolation zuspitzen und somit die Krankheit verschlimmern", so Wiethoff. Andererseits sei die Fähigkeit, Sprachmelodie zu verstehen und selbst zu modulieren, ein gutes Anzeichen für psychische Gesundheit.

Warum es psychisch Kranken weniger gut gelingt, richtig mit der Sprachmelodie umzugehen, ist bisher noch nicht vollständig geklärt. "Man geht davon aus, dass ihre Modulationsfähigkeit der Stimmung gestört ist, wodurch sie über die Intonation mitgeteilte Botschaften schlechter empfangen und viel eher in starren Kommunikationsmustern verharren", berichtet die Tübinger Medizinerin. Zurückgehen könne dies auf eine fehlende Regulation des Gehirns von Neurotransmittern, die bei der Depression auch zur trüben Stimmung beitragen.

Vorteil für die Therapieplanung

Um die Verarbeitung der Sprachmelodie im Gehirn zu testen, spielte Wiethoff psychisch gesunden Versuchspersonen semantisch neutrale Sprachbeispiele in emotional gesprochenem Ton vor - mit ängstlicher, ärgerlicher, freudiger und erotischer Sprachmelodie. Die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) zeigte, dass es neben dem stimmsensitiven Teil des autidorischen Kortex ein weiteres gemeinsames Detektorareal für alle überprüften Emotionen gibt. Beheimatet ist es in der Amygdala, einem auch als "Mandelkern" bezeichneten Teil des Temporallappens des Gehirns.

Nützlich könnten diese Ergebnisse bei der Entscheidung der Behandlungsmethode bei Depressionen sein. "Es gibt erste Hinweise dafür, dass das mittels fMRT analysierte Aktivitätsmuster während der Verarbeitung emotionaler Sprachmelodie den Erfolg verschiedener Therapieansätze voraussagen kann. Eine fortdauernde Amygdalaaktivität, die nicht bei allen Patienten auffindbar ist, kann beispielsweise darauf hinweisen, dass dieser Patient besonders gut auf kognitive Verhaltenstherapie ansprechen wird", so Wiethoff.

Der Einsatz von fMRT als Hilfsmittel in der Therapieplanung - welcher momentan noch absolute Zukunftsmusik sei - könne somit viele Patienten schneller der für sie richtigen Therapie zuführen. Überprüfen müsse man noch, ob ähnliche Prognosen in Zukunft auch bei Schizophrenie oder anderen psychischen Krankheiten möglich seien.

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-tuebingen.de
http://www.dgppn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Revolutionär: Ein Algensaft deckt täglichen Vitamin-B12-Bedarf
23.04.2018 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics