Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sport hilft bei schwerer Herzkrankheit - nur wo und vor allem wie?

06.10.2010
Patienten mit schwerer Herzmuskelschwäche erhalten am Institut für Sportmedizin "CoroVital" am Helios Klinikum Wuppertal einen individuellen Trainingsplan / Präsentation am 8. Oktober 2010 zum Tag der Forschung in der Uni Witten/Herdecke

Das Leben von Patienten mit Herzmuskelschwäche ist durch eine massiv eingeschränkte körperliche Belastbarkeit geprägt. Die Ursachen für die Einschränkung der körperlichen Belastbarkeit sind jedoch nicht bei allen Patienten gleich. Es gibt eine Gruppe von Patienten, deren Herzen unter Belastung nicht mehr ausreichend Blut transportieren kann. Bei einer anderen Gruppe ist zwar die Herzleistung ebenfalls eingeschränkt, die eigentliche Ursache der schlechten Belastbarkeit ist aber in einer unzureichend trainierten Muskulatur des Gesamtkörpers zu sehen.

Mit einer neuen Diagnosemethode kann man nun jeden Patienten individuell der einen oder anderen Gruppe zuordnen. Mit dieser Methode, die auf der so genannten Inertgas - Rückatmung beruht, kann erstmals über eine spezielle Atemmaske direkt die Transportleistung des Herzens in Ruhe und unter körperlicher Belastung gemessen werden. Diese Untersuchung erfolgt ohne Katheter oder andere Eingriffe. "Hiermit lassen sich individualisierte, auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Trainingskonzepte erarbeiten und wissenschaftlich aufarbeiten", erklärt Dr. Wilfried Dinh, der das Projekt für die Universität Witten/Herdecke wissenschaftlich betreut, die für den Patienten praktische Seite.

Zum Hintergrund: In Europa wird die Zahl von Betroffenen mit Herzmuskelschwäche auf mehr als 15 Mio. geschätzt, und in der Todesursachenstatistik Deutschlands des statistischen Bundesamtes von 2008 liegt die Herzinsuffizienz auf Platz drei noch vor den Krebserkrankungen. Ein Fünftel der Patienten mit neu diagnostizierter Herzinsuffizienz verstirbt innerhalb eines Jahres, die Hälfte innerhalb von 5 Jahren nach Diagnosestellung.

"Die Lebensqualität der Betroffenen ist oft dramatisch eingeschränkt, weil ihr Herz immer am Limit arbeitet. Jede körperliche Alltagstätigkeit wird zum Problem", beschreibt Dinh die Lage der Patienten. Es entwickelt sich ein Teufelskreis, indem Betroffene sich aufgrund nachlassender Leistungsfähigkeit körperlich schonen. Dieses führt aber, ähnlich wie bei Astronauten im Weltall, zu einem Schwund der Muskulatur. Durch diesen Muskelschwund werden Botenstoffe im Blut freigesetzt, die die Herzleistung weiter verschlechtern, und der Teufelskreis schließt sich. "Noch bis in die 90er Jahre galt bei Patienten mit schwerer Herzmuskelschwäche die Devise: Schonen, Schonen, Schonen." Heute weiß man, dass genau das Gegenteil richtig ist. Zwar wird eine regelmäßige körperliche Betätigung in Leitlinien der kardiologischen Fachgesellschaften ausdrücklich empfohlen, eine konkrete Empfehlung zur Art und Umfang des Trainings fehlt jedoch. Und dieses hat einen guten Grund: "Die Frage nach dem 'wie' und 'wo' der schwer Herzkranke Patienten trainieren sollte, ist bisher nicht hinreichend untersucht. Insbesondere für diese Patienten wollen wir einen individuellen Trainingsplan aufstellen und die beste Trainingsmethode identifizieren. Dazu fehlt aber bisher eine entsprechende Infrastruktur und Beratungsstelle", erläutert Dinh die Arbeit der Wissenschaftler.

Bei der aktuellen Studie, die im kommenden Jahr abgeschlossen wird, wurden Patienten mit schwerer Herzmuskelschwäche in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe trainiert nach einer Einweisung selbstständig, die andere unter ärztlicher Beobachtung. Alle Teilnehmer sind Patienten des Herzzentrums Wuppertal (Kasse oder privat). In regelmäßigen Abständen wird ihr Blut untersucht, ein Herz-Ultraschall und eine Leistungsdiagnostik mit Einsatz neuester Techniken durchgeführt. "Bei den ersten Patienten zeichnen sich bereits Verbesserungen ab", sagt Dr. Michael Coll Barroso von CoroVital. In dem Projekt Sport als Medizin: personalisierte Medizin in der Kardiologie arbeiten die Universität Witten/Herdecke, das Helios-Klinikum Wuppertal, das Institut für Sportmedizin "CoroVital", die Sporthochschule Köln sowie das ambulante Rehabilitationszentrum "Cardiowell" zusammen. Es wird durch den Herzförderverein sowie insbesondere die Heinz-Dieter-Oberdick-Stiftung gefördert.

Mit diesem und anderen Vorträgen auf dem Tag der Forschung am 8. und 9. Oktober 2010 präsentiert die Fakultät für Gesundheit der Universität Witten/Herdecke ihre Zielrichtung der integrativen und personalisierten Gesundheitsversorgung. Der Vortrag von Dr. Wilfried Dinh beginnt am 8.10.2010 um 11.45 Uhr in der Alfred-Herrhausenstr. 50. Das Programm finden Sie hier

http://www.uni-wh.de/fileadmin/media/u/veranstaltungen/10-2010/Tag_der_Forschung_Programm_20_09_10.pdf

Weitere Informationen
bei Dr. Wilfried Dinh, 0202 896 5777
wilfried.dinh@helios-kliniken.de

Kay Gropp | Uni Witten/Herdecke
Weitere Informationen:
http://www.cardiowell-wuppertal.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Maximale Sonnenenergie aus der Hausfassade

23.11.2017 | Architektur Bauwesen

Licht ermöglicht „unmögliches“ n-Dotieren von organischen Halbleitern

23.11.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Urbakterien Entzündungsreaktionen auslösen können

23.11.2017 | Biowissenschaften Chemie