Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spezielles Training hilft Patienten mit Lungenhochdruck

16.10.2012
Heidelberger Bewegungsprogramm: Aktuelle Studien belegen Wirksamkeit / Internationaler Kongress zu Diagnostik und Therapie des Lungenhochdruck vom 18. bis 20. Oktober 2012 in der Thoraxklinik Heidelberg

Bei Lungenhochdruck ist der Blutdruck in der Lunge stark erhöht: Das Herz leistet Schwerstarbeit, jede Anstrengung ist gefährlich. Nun haben mehrere aktuell veröffentlichte Studien unter Federführung des Lungenhochdruckzentrums an der Thoraxklinik Heidelberg in Zusammenarbeit mit der Rehabilitationsklinik Königstuhl Heidelberg gezeigt, dass ein speziell abgestimmtes Training die Kondition von Patienten mit Lungenhochdruck verbessern, die Therapie sinnvoll unterstützen und so das Überleben verlängern kann.

Die erfolgreiche und inzwischen europaweit bekannte Bewegungstherapie wurde von den Teams der beiden Kliniken gemeinsam entwickelt. Weitere aktuelle Ergebnisse zu Forschung, Behandlung und Frühdiagnose des Lungenhochdrucks stellen renommierte Experten vom 18. bis 20. Oktober 2012 bei einem internationalen Kongress in der Thoraxklinik vor. Anmeldungen sind noch möglich. Journalisten sind herzlich eingeladen.

Die Tagung ist eine Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft für Lungenhochdruck der deutschen Fachgesellschaften für Kardiologie, Pneumologie und Kinderkardiologie in Zusammenarbeit mit Experten aus Österreich und der Schweiz. „Unser Ziel ist es nicht nur, Frühdiagnose und Therapien weiterzuentwickeln, sondern auch, Ärzte auf dieses zu Beginn oft unauffällige aber gefährliche Leiden aufmerksam zu machen“, so Hauptorganisator Professor Grünig, Leiter des Lungenhochdruckzentrums der Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg, eines der weltweit führenden Einrichtungen dieser Art. So präsentiert die Arbeitsgemeinschaft eine spezielle Echokardiographie-Schulungs-CD, mit deren Hilfe interessierte Ärzte die Ultraschall-Untersuchung des Herzens zur Diagnose des Lungenhochdrucks erlernen können.

Der Erschöpfung entgegenwirken

Lungenhochdruck ist eine chronische Gefäßerkrankung, die häufig als Folge der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, Lungenembolien, rheumatischer Erkrankungen, angeborener Herzfehler oder Herzschwäche auftritt. Die kleinen Blutgefäße der Lunge verengen sich und wuchern zum Teil krebsartig zu. Die rechte Herzhälfte muss daher viel Kraft aufwenden, um sauerstoffarmes Blut in die Lunge zu pumpen. Der Muskel ermüdet, die Pumpleistung lässt nach. Die Betroffenen geraten bei geringster Anstrengung in schwere Atemnot und würden ohne Behandlung innerhalb eines halben Jahres an Versagen des rechten Herzens sterben.
Die Erkrankung ist heute zwar nicht heilbar, ihr Fortschreiten kann aber verlangsamt werden. „Da Lungenhochdruck häufig ohne charakteristische Symptome verläuft, ist zum Zeitpunkt der Diagnose die Lebensqualität der Patienten leider häufig schon stark beeinträchtigt, jede Bewegung erschöpft. Um dem entgegenzuwirken, haben wir das Bewegungsprogramm erarbeitet“, erklärt Professor Dr. Ekkehard Grünig. Das Programm umfasst Fahrradfahren auf einem Hometrainer, Gehen und Hanteltraining sowie Atem- und mentales Training, zusätzlich zu einer optimal eingestellten medikamentösen Therapie. Aus Sicherheitsgründen wird das Training nur niedrig dosiert und sollte in einer auf Lungenhochdruck spezialisierten Klinik unter Anleitung von Ärzten und Physiotherapeuten beginnen.

Trainierte Patienten fühlen sich insgesamt wohler und Überlebensrate steigt

In die aktuellen Studien wurden Patienten eingeschlossen, die aufgrund einer rheumatischen Erkrankung, eines angeborenen Herzfehlers oder in Folge chronischer Lungenembolien an Lungenhochdruck litten. 15 Wochen nach Beginn der Physiotherapie war die Leistungsfähigkeit der Patienten im sechsminütigen Gehtest deutlich gestiegen: Die Teilnehmer des Sportprogramms schafften durchschnittlich zwischen 60 und 70 Meter mehr als zu Beginn des Trainings. Die Sauerstoffaufnahme ins Blut verbesserte sich und die Patienten fühlten sich insgesamt wohler.

Der größte Effekt zeigte sich in der Nachbeobachtungszeit: Bei Patienten mit rheumatisch bedingtem Lungenhochdruck betrug die Überlebensrate bis zum zweiten Jahr 100 Prozent, nach drei Jahren 73 Prozent. Bei Vergleichsgruppen ohne Training betrugen die 1,- 2,- und 3-Jahres-Überlebensraten trotz optimaler Medikation rund 86, 73 und 60 Prozent. Studienteilnehmer mit angeborenem Herzfehler überlebten mit Training ebenfalls alle die ersten zwei Jahre. Ohne Training und bei optimal eingestellter Medikation liegt für sie die durchschnittliche 2-Jahres-Überlebenschance bisher bei 89 Prozent. Von den Patienten mit Lungenembolie leben noch 86 Prozent nach drei Jahren, ohne Bewegungstherapie sind es 77 Prozent. „Die Studien zeigen, dass dieses spezielle Reha-Programm bei Patienten mit verschiedenen Formen des Lungenhochdruckes die medikamentöse Therapie sinnvoll ergänzt und verbessert“, sagt Grünig. Das neue Therapiekonzept wurde inzwischen mehrfach ausgezeichnet und Patienten aus ganz Europa kommen zum Training nach Heidelberg.
Programm der Tagung im Internet:
http://www.thoraxklinik-heidelberg.de/index.php?id=186

Weitere Informationen zum Zentrum für Lungenhochdruck der Thoraxklinik im Internet:
http://www.thoraxklinik-heidelberg.de/index.php?id=201

Kontakt:
Prof. Dr. med. Ekkehard Grünig
Leiter des Zentrums für Pulmonale Hypertonie
Thoraxklinik Heidelberg
Tel: 06221 / 396 8053
E-Mail: ekkehard.gruenig@thoraxklinik-heidelberg.de

Literatur:
Grünig et al. Safety and Efficacy of Exercise Training in various forms of Pulmonary Hypertension. Eur Respir J. 2012;40:84-92.

Grünig et al. Exercise training in pulmonary arterial hypertension associated with connective tissue diseases. Arthritis Res Ther 2012;14(3):R148
Prange et al. Exercise Training Improve Exercise Capacity and Quality of Life in Patients with Inoperable or Residual Chronic Thromboembolic Pulmonary Hypertension. PLOS One 2012;7:e41603

Becker-Grünig et al. Efficacy of Exercise Training in Pulmonary Arterial Hypertension associated with Congenital Heart Disease. Int J Cardiol. 2012 Oct 4. pii: S0167-5273(12)01142-4. doi: 10.1016/j.ijcard.2012.09.036. [Epub ahead of print]

Grünig et al. Effect of exercise and respiratory training on clinical progression and survival in patients with severe chronic pulmonary hypertension. Respiration. 2011;81(5):394-401.

Mereles et al. Exercise and respiratory training improve exercise capacity and quality of life in patients with severe chronic pulmonary hypertension. Circulation. 2006;114:1482-9.

Bei Rückfragen von Journalisten:
Kirsten Gerlach M.A.
Pressestelle
Thoraxklinik-Heidelberg gGmbH, Amalienstr. 5, 69126 Heidelberg
Tel: 06221/396-2101, Fax: 06221/396-2102
Kirsten.Gerlach@thoraxklinik-Heidelberg.de

Thoraxklinik-Heidelberg gGmbH
Die Thoraxklinik Heidelberg ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung mit einer über hundertjährigen Geschichte und seit 2009 zertifiziertes Lungenkrebszentrum. Sie ist eine Klinik am Universitätsklinikum Heidelberg und arbeitet eng mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum zusammen. Die Klinik ist einer der Partner des Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg (NCT). Als eine der größten Lungenfachkliniken in Deutschland werden mit 310 Planbetten sowie 3 OP-Sälen medizinische Leistungen und ca. 2.300 Operationen bei Thoraxerkrankungen durchgeführt. Ein besonderer Schwerpunkt (über 60% der ca. 18.000 Fälle pro Jahr) liegt in der Behandlung von bösartigen Lungenerkrankungen, der Pleura, des Mediastinums, der Brustwand und angrenzender Regionen.´

http://www.thoraxklinik-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs
Leiterin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-4536
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: annette.tuffs@med.uni-heidelberg.de

Julia Bird
Referentin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-7071
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: julia.bird@med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Besuchen Sie das Universitätsklinikum Heidelberg auch bei:
Facebook: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/facebook
Twitter: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/twitter
Youtube: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/youtube

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie