Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Speiseröhrenkrebs: Signalmolekül „EpCAM“ als Ansatzpunkt für neue Therapie?

28.04.2011
Forscher am Universitätsklinikum Düsseldorf und an der Ludwigs-Maximilians-Universität München sind einem Signalmolekül auf der Spur, das äußerst geeignet scheint, um daran eine zielgerichtete molekulare Therapie gegen Speiseröhrenkrebs zu entwickeln.

Das Molekül „EpCAM“ steht im Verdacht, die Zellen des Speiseröhrenkrebses aggressiver zu machen und damit auch die Metastasierung zu fördern. In einem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Forschungsprojekt wollen die Wissenschaftler die genaue Funktion von EpCAM in der Zelle aufdecken und damit die Grundlage zur Entwicklung einer zielgerichteten molekularen Therapie schaffen.

Speiseröhrenkrebs gehört zu den schnell metastasierenden Krebsarten mit schlechten Heilungschancen. „Die bislang verfügbaren Therapien gegen Metastasen sind insgesamt leider wenig effektiv. Daher ruhen viele Hoffnungen auf neuen molekularen Therapien“, erläutert Prof. Dr. Nikolas Stoecklein, Leiter des Forschungsprojektes am Universitätsklinikum Düsseldorf.

Zusammen mit Prof. Dr. Stephan Baldus in Düsseldorf und der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Olivier Gires aus München will er das Eiweiß EpCAM unter die Lupe nehmen. „Im Zentrum unserer Untersuchungen steht die Frage, ob EpCAM zur Therapie von Speiseröhrenkrebs sinnvoll genutzt werden könnte und welche Patienten von einer solchen Therapie profitieren würden“, verdeutlicht Stoecklein.

Die Speiseröhre wird im gesunden Zustand von mehreren, übereinander liegenden Zellschichten ausgekleidet, dem so genannten Plattenepithel. Diese Zellen produzieren normalerweise kein EpCAM. Im Gegensatz hierzu ist bei Zellen der beiden wichtigsten Krebsformen der Speiseröhre, dem Plattenepithelkarzinom und dem Karzinom des Drüsengewebes, häufig EpCAM nachweisbar.

Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Olivier Gires konnte als erste zeigen, dass EpCAM ein Signalmolekül ist. Es leitet zum Beispiel Wachstumssignale im Zellkern weiter. Die Kenntnis über diese zentrale Funktion des Eiweißes bei der Steuerung des Tumorwachstums motivierte die Forscher für die nun geplanten weiteren Experimente.

Zunächst wollen die Kooperationspartner die Bedeutung von EpCAM-Signalen im Zellkern mit Hilfe verschiedener Modelle systematisch überprüfen. Anschließend sollen die zellulären Bindungspartner von EpCAM, die an der Signalkaskade beteiligt sind, identifiziert werden. Im Vordergrund der Experimenten steht die Frage, ob eine Unterbrechung des EpCAM Signals in Krebszellen deren Fähigkeit zur Metastasierung und zum generellen Tumorwachstum vermindert. Sollte dies so sein, hätten die Forscher mit EpCAM einen idealen Anknüpfungspunkt zur Entwicklung einer Therapie gegen Speiseröhrenkrebs gefunden.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Nikolas H. Stoecklein
Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie
Universitätsklinikum der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf
Tel: +49(0)2118104109,
E-Mail: nikolas.stoecklein@uni-duesseldorf.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 160.000 Euro. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Sylvia Kloberdanz | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften