Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Speiseröhrenkrebs – Operation durch Strahlen- und Chemotherapie ergänzen oder ersetzen

14.09.2011
Krebsoperationen an der Speiseröhre sind technisch schwierig. Auch gelingt es nicht immer, alle Tumorzellen zu beseitigen.

Eine sogenannte Radiochemotherapie, die Strahlen- und Chemotherapie kombiniert, kann den Tumor vor der Operation verkleinern. Damit erhöht sie die Chance, dass sich der Krebsherd anschießend vollständig chirurgisch entfernen lässt. Bei Patienten, bei denen eine Operation zu riskant wäre, liefert auch eine alleinige Radiochemotherapie gute Ergebnisse.

Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) anlässlich einer neuen Meta-Analyse hin.

Acht von zehn Krebserkrankungen der Speiseröhre entfallen auf Plattenepithelkarzinome. Häufig sind sie Folge eines langjährigen Tabak- und Alkoholkonsums. „Beim Plattenepithelkarzinom ist eine Operation technisch sehr schwierig, vor allem wenn sich der Tumor im oberen Bereich der Speiseröhre befindet“, berichtet Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Präsident der DEGRO und Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität Lübeck. „Die Chirurgen müssen dann den Brustkorb öffnen, um den vom Tumor befallenen Abschnitt der Speiseröhre zu entfernen.“

Die Operation ist für die durch den Krebs geschwächten Patienten riskant. Außerdem gelingt es dem Chirurgen nicht immer, den Tumor vollständig zu entfernen. „Die feinen Ausläufer des Krebsherdes sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen“, erläutert Dunst. „Die feingewebliche Untersuchung zeigt dann häufig, dass sich noch Tumorzellen an den Schnitträndern befinden.“

An vielen Zentren erhalten die Patienten deshalb vor der Operation eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie. Diese Radiochemotherapie verkleinert den Tumor und erhöht die Chance, dass sich der Krebs bei der Operation komplett entfernen lässt. Dies zeigt eine Meta-Analyse, die Chirurgen und Strahlentherapeuten der Technischen Universität München kürzlich im British Journal of Surgery veröffentlicht haben. Allerdings sind Strahlen- und Chemotherapie für Patienten, denen eine schwere Operation bevorsteht, eine zusätzliche Belastung.

Ist dieses Vorgehen zu riskant, bietet sich ein Verzicht auf die Operation an. Die alleinige „definitive“ Radiochemotherapie zielt darauf ab, die Tumorzellen vollständig durch Bestrahlung und Chemotherapie auszuschalten. Wissenschaftler haben das neue Therapiekonzept in mehreren Studien untersucht. Die zusammenfassende Bewertung in der Meta-Analyse zeigt, dass es für die Patienten eine schonende Alternative ist.

Zur Strahlentherapie:
Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.
Literatur:
Kranzfelder M, Schuster T, Geinitz H, Friess H, Büchler P. Meta-analysis of neoadjuvant treatment modalities and definitive non-surgical therapy for oesophageal squamous cell cancer. British Journal of Surgery 2011 Jun;98(6):768–83
Kontakt für Journalisten:
Silke Stark
Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V.
Pressestelle
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-572
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: stark@medizinkommunikation.org

Silke Stark | idw
Weitere Informationen:
http://www.degro.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der “Stein von Rosetta” für aktive Galaxienkerne entschlüsselt

21.06.2018 | Physik Astronomie

Schneller und sicherer Fliegen

21.06.2018 | Informationstechnologie

Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

21.06.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics