Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spannungskopfschmerz: Vorsicht mit Schmerztabletten

16.03.2012
Nichts spricht bei gelegentlichen Kopfschmerzen gegen eine Schmerztablette.

Treten die Beschwerden jedoch an mehr als zehn Tagen im Monat auf oder halten sie länger als drei Tage an, müssen sie auf jeden Fall ärztlich diagnostiziert werden. Denn Spannungskopfschmerzen können verschiedene Ursachen haben.

»Werden muskuläre Ursachen nicht ausreichend berücksichtigt, kann eine Behandlung von Spannungskopfschmerz mit Akutschmerzmitteln sogar kontraproduktiv sein«, warnt Professor Dr. Hartmut Göbel, Ärztlicher Direktor der Neurologisch-Verhaltensmedizinischen Schmerzklinik Kiel auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt.

Obwohl der Spannungskopfschmerz die häufigste Kopfschmerzerkrankung ist, können Wissenschaftler noch keine eindeutigen Aussagen machen, welche Faktoren bei seiner Entstehung zusammenwirken. Fest steht nur, dass es sich um ein »multifaktorielles Geschehen« handelt. Eine zentrale Rolle spielen dabei bestimmte Nervenbotenstoffe, beispielsweise Serotonin, welche die körpereigenen Schmerzfilter öffnen und schließen. Unter besonderen körperlichen oder seelischen Belastungen können Defizite dieser Botenstoffe entstehen.

Doch weitere innere und äußere Faktoren können beim Entstehen von Spannungskopfschmerz beteiligt sein. Dazu gehören unter anderem die individuellen Erbanlagen, Hormone, Ernährung, Stress, Angst, Wettereinflüsse, Fehlhaltungen wie etwa eintöniges Sitzen am Schreibtisch, muskuläre Verspannungen, sowie unregelmäßiger Schlaf.

Glücklicherweise sind chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp relativ selten, d.h., die Betroffenen haben mehr als 15 Kopfschmerztage pro Monat. In Deutschland sind etwa drei Prozent der Bevölkerung davon betroffen. Für die meisten Menschen gelten vorübergehende Kopfschmerzepisoden hingegen als Bagatelle. Sie gehen daher auch nicht zum Arzt. »64 von hundert Menschen mit Kopfschmerzen vom Spannungstyp waren noch nie wegen ihrer Kopfschmerzen bei einem Arzt«, bestätigt Prof. Dr. Hartmut Göbel.

Dieser relativ geringe Leidensdruck kann jedoch zu einem unkontrollierten Einsatz nicht verschreibungspflichtiger Arzneimittel führen. Eine leichtsinnige Selbstmedikation kann aber kontraproduktiv sein. Wer an mehr als zehn Tagen pro Monat Akutschmerzmittel einnimmt, läuft sogar Gefahr, den Kopfschmerz geradezu zu füttern. Experten sprechen hier von »medikamenteninduziertem Kopfschmerz«.

SCHMERZURSACHE MUSKEL: NICHT REFLEXHAFT ZUM SCHMERZMITTEL GREIFEN.

Bei muskulär bedingtem spannungsinduziertem Kopfschmerz warnen Experten vor dem reflexartigen Griff zur Schmerztablette. In diesem Fall ist der Kopfschmerz – anders als beim »Kopfschmerz vom Spannungstyp« – nicht die primäre Erkrankung, sondern die Folge von chronischen Muskelverspannungen. Häufig leiden Betroffene auch unter drückenden bis ziehenden Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich. Der Arzt kann in der Regel bei der klinischen Untersuchung Verhärtungen an der betroffenen Muskulatur oder schmerzhafte Stellen ertasten.

Die Muskulatur entspannen. Als erfolgreiche Alternative zu den Nichtsteroidalen Antirheumatika hat sich schon vor Jahren der Wirkstoff Flupirtin erwiesen. In einer doppelblinden, Placebo-kontrollierten Multicenterstudie verringerte Flupirtin deutlich die Schmerzintensität bei Menschen mit chronischem Spannungskopfschmerz. Eine aktuelle Studie zeigte, dass die Substanz auch bei verspannungsbedingten Schmerzen des Schulter-Nacken und Kopfbereichs erfolgreich eingesetzt werden kann. 643 Patienten wurden mit retardiertem Flupirtin zwölf Wochen lang behandelt. Sowohl die Schmerzintensität als auch schmerzbedingte Einschränkungen der Lebensqualität nahmen kontinuierlich ab.

SICH SELBST ETWAS GUTES TUN.

Über die Medikation hinaus können und sollten Patienten mit Spannungskopfschmerzen sich selbst Gutes tun. Dazu gehören Übungen, welche die Muskeln entspannen (z.B. progressive Muskelentspannung nach Jacobson) ebenso wie regelmäßiger Ausdauersport (Spaziergänge, Walken, Yoga, Tai-Chi, Wassergymnastik, Schwimmen oder Fahrradfahren), aber auch Anti-Stress-Strategien. Die wichtigste Regel gegen den Spannungskopfschmerz heißt »Regelmäßigkeit«. Wer zu festen Zeiten isst, einen regelmäßigen Tag- Nachtrhythmus einhält und alles zu Schnelle und zu Plötzliche meidet, beugt damit Kopfschmerzen vor. »Sich selbst Zeit nehmen und anderen Zeit geben: das sind einfachste Strategien gegen den Kopfschmerz«, empfiehlt der Kieler Schmerzexperte.

Pressestelle: Barbara Ritzert · ProScience Communications GmbH · Andechser Weg 17 · 82343 PöckingTel: 08157 9397-0 · Fax: 08157 9397-97 · ritzert@proscience-com.de

Während der Tagung: Raum „Klausur“ · Ebene C1 · Congress Center Messe ·Ludwig-Erhard-Anlage 1 60327 Frankfurt/ Main Tel: 069 7575-73130 · ritzert@proscience-com.de

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.schmerz-und-palliativtag.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie