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Zu spät erkannt und nicht intensiv genug betreut: Schwere Folgen von Schwangerschaftsdiabetes vermeiden

26.08.2010
Frauen mit Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes (GDM) werden in Deutschland unzureichend betreut. Kürzlich veröffentlichte Daten des Projektes „GestDiab“ zeigen, dass diese Diabetesform häufig zu spät diagnostiziert wird und die notwendige intensive Betreuung der Frauen während und nach der Schwangerschaft nicht überall funktioniert. Die Gesundheit von Mutter und Kind ist damit gefährdet. Bleibende Schäden können die Folge sein. diabetesDE und Experten der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) fordern deshalb seit langem, die Früherkennung durch Blutzuckertests in die Mutterschaftsrichtlinien aufzunehmen.

Die aktuellen Zahlen des Projektes „GestDiab“ des Bundes der diabetologischen Schwerpunktpraxen Nordrhein (BdSN) bestätigen eine Tendenz, die bisher zu wenig untersucht wird: Bei immer mehr Frauen wird während der Schwangerschaft ein Diabetes diagnostiziert. Dies liegt vor allem daran, dass immer mehr werdende Mütter übergewichtig oder sogar adipös sind – die Hauptrisikofaktoren für einen GDM. Insgesamt 4,4 Prozent aller Frauen, die 2008 ein Kind zur Welt brachten, hatten einen Diabetes mellitus. Bei den meisten, 3,4 Prozent, wurde die Diagnose während der Schwangerschaft gestellt. Die tatsächliche Anzahl ist jedoch höher. „Experten schätzen, dass in Deutschland immer noch mehr als 50 Prozent der Fälle übersehen werden“, betont PD Dr. med. Rainer Lundershausen, Pressesprecher der DDG.

Unerkannt und unbehandelt sind die Folgen des Gestationsdiabetes hoch: Ein größeres Risiko für Fehlgeburten, zu hohes Geburtsgewicht, häufige Geburtskomplikationen mit Verletzungen des Neugeborenen und bleibende Stoffwechselstörungen bei den Müttern gehören dazu. Aber auch mit der Diagnose GDM haben die Betroffenen eine deutlich ungünstigere Prognose als gesunde Mütter: „GestDiab“ wertete die freiwilligen Angaben von bisher 16 diabetologischen Schwerpunktpraxen aus, die im Zeitraum 2008/2009 mehr als 1000 Schwangerschaften mit der Diagnose GDM betreuten. Obwohl die Diagnose Diabetes während der Schwangerschaft vorlag, wurde nur bei einem Drittel der Mütter nach der Schwangerschaft ein Screening auf einen weiter bestehenden Diabetes vorgenommen. Dies war bei sechs Prozent der Fall und rund die Hälfte hatte eine gestörte Glukosetoleranz – eine Vorstufe des Diabetes. „Das bedeutet, dass jede zweite Gestationsdiabetikerin in den zehn Jahren nach der Geburt an einem Diabetes erkrankt“, erläutert Lundershausen.

Daten zur Häufigkeit und Versorgung bei Gestationsdiabetes liegen in Deutschland bisher nur wenige vor. Das Projekt „GestDiab“ wird weitergeführt, um konkrete Zahlen zu erhalten und um Therapiemaßnahmen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Die bisher vorliegenden und ausgewerteten Daten zeigen, so die Autoren der Veröffentlichung, dass die GDM-Diagnostik vielfach zu spät erfolge und die Aufklärung und Schulung insbesondere bei werdenden Müttern mit Migrationshintergrund unzureichend sei. diabetesDE und DDG fordern deshalb, die Diabetes-Untersuchung in die Vorsorgeuntersuchungen werdender Mütter aufzunehmen, die die gesetzlichen Krankenkassen finanzieren.

Quelle:
H. Adamczewski, D. Weber, L. Heinemann, M. Kaltheuner;
Betreuung von schwangeren Frauen in diabetologischen Schwerpunktpraxen
Diabetes, Stoffwechsel und Herz 19:99-109, 2010
Weitere Information im Internet:
Bund der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN):
www.bdsn.de
diabetesDE: www.diabetesde.org
Arbeitsgesmeinschaft Diabetes und Schwangerschaft der DDG:
http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/redaktion/organisation/ags/ag_diab_schwangerschaft.php
Pressekontakte:
Pressestelle diabetesDE/DDG
Beate Schweizer
Pf 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931 295, Fax: 0711 8931 167
Schweizer@medizinkommunikation.org

Beate Schweizer | idw
Weitere Informationen:
http://www.diabetesde.org
http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de

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