Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sorge vor Krim-Kongo-Virus

20.03.2012
Rostocker Tropenmediziner warnt vor noch schwereren Epidemien als EHEC 2011

Eine Mikrobe namens EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli) versetzte Ärzte, Forscher und Gesundheitsbehörden Anfang Mai 2011 in Alarmbereitschaft: „Der Erreger löste blutigen Durchfall mit lebensbedrohlichen Darmentzündungen und Nierenversagen aus“, erinnert Professor Emil Reisinger, Direktor der Universitäts-Tropenmedizin in Rostock, an die gut zwei Monate andauernde Epidemie.

Jetzt warnt Professor Reisinger vor weiteren Erkrankungen, die von Südeuropa nach Deutschland vordringen werden. „Neue Grippe-Subtypen können Epidemien und Pandemien auslösen“, so der Experte. „Die neuen Viren, die weltweite Pandemien auslösen können, besitzen ein neu kombiniertes Erbmaterial und damit auch neue krankmachende Eigenschaften.“ Prof. Reisinger erwartet in den nächsten fünf Jahren, dass das sogenannte Denguefieber und das Chikungunya Fieber, die von Mücken übertragen werden, auch bei uns ausbrechen werden.

Sorge macht Prof. Reisinger auch das Krim-Kongo-Virus, das von Zecken übertragen wird und derzeit in der Türkei und in Griechenland auftritt. „Das ist ein gefährliches hämorrhagisches Virus, vergleichbar mit Ebola, mit hoher Sterblichkeitsrate“, sagt der Rostocker Mediziner. Aus der türkischen Schwarzmeerregion wurden aufgrund von Krim-Kongo-Fieber in den letzten Jahren mehrere Todesfälle gemeldet. Im Juni 2008 wurden erstmals in der Gegend um die Urlauberstadt Antalya am Mittelmeer Patienten mit Verdacht auf Krim-Kongo-Fieber behandelt. Reisinger mahnt an, dass die Tierbestände gut überwacht werden müssen. „Hier lauert eine große Gefahr, dass Krankheiten vom Tier auf Menschen übertragen werden".

Rückblick: am 14. Mai 2011 wurde die erste EHEC-Patientin in die Universitätsmedizin Rostock eingeliefert. „Patienten litten unter Ausfallserscheinungen, sie sahen Doppelbilder, zeigten Lähmungen und psychiatrische Störungen“, schildert Dr. Hilte Geerdes-Fenge, Fachärztin für Innere Medizin an der Universitätsmedizin Rostock. Von Mai bis Juli 2011 litt vor allem Norddeutschland unter einem großen Ausbruch von EHEC. „Bei den Erkrankten kam es teilweise zu schweren Komplikationen mit blutigem Durchfall, einer Blutarmut, akutem Nierenversagen und Gerinnungsstörungen, dem sogenannten Hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS)“, erklärt Prof. Reisinger. „Wir haben eine ganze Station frei geräumt, wir wussten ja nicht, was da noch passiert und wie viele Menschen betroffen sein werden.“

„Die Erkrankten wurden mit Dialyse behandelt und mit einem Plasma-Austauschverfahren, das ist eine spezielle Form der Blutwäsche“, sagt Prof. Steffen Mitzner, Leiter der Nephrologie. „Auch neue immunologisch wirksame Substanzen, wie monoklonale Antikörper kamen zum Einsatz.“ Am Ende waren es in Rostock 24 Patienten, die behandelt werden mussten, darunter sechs Kinder. Der letzte Patient kam am 26. Juni. „Dann war der Spuk vorbei“, sagt der Mediziner.

Es war aber der größte Krankheitsausbruch durch EHEC-Infektionen in Deutschland. Es sind über 4.000 Menschen an EHEC erkrankt. Seit 2001 hat das Robert-Koch-Institut die Meldepflicht bei EHEC eingeführt. Seitdem werden jährlich zwischen 800 und 1200 EHEC-Kranke mit leichterem Verlauf als 2011 registriert.

Die Experten waren 2011 der Ursache relativ schnell auf die Sprünge gekommen. Sprossen und ägyptische Bockshornkleesamen gelten als Auslöser für die EHEC-Epidemie, an der bundesweit bislang 48 Menschen gestorben sind. „Wir hatten in Rostock glücklicherweise keinen Todesfall zu beklagen“, sagt Prof. Reisinger. „Alle Rostocker EHEC-Patienten konnten erfolgreich behandelt werden“.

„Die ersten Krankheitstage waren die schlimmsten - mit ständigen Bauchkrämpfen und Blut im Stuhl“, schildert eine Betroffene. An Schlaf hat sie nicht denken können. „Ich habe mich hilflos gefühlt, konnte vor Schmerzen kaum gehen“. Auch an die schubweise auftretenden Krämpfe erinnert sie sich nur noch ungern.

Kontakt:
Universität Rostock
Universitätsmedizin
Prof. Dr. Emil C. Reisinger
Fon: +49 (0) 494 5001
eMail: emil.reisinger@uni-rostock.de
Presse+Kommunikation
Dr. Ulrich Vetter
Fon: +49 (0)381 498 1013
eMail: ulrich.vetter@uni-rostock.de

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Europäisches Forschungsteam trickst Ebolavirus aus
16.01.2018 | Philipps-Universität Marburg

nachricht Neuer Therapieansatz gegen weit verbreitete Lungenkrankheit
12.01.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Im Focus: Extrem helle und schnelle Lichtemission

Eine in den vergangenen Jahren intensiv untersuchte Art von Quantenpunkten kann Licht in allen Farben wiedergeben und ist sehr hell. Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung von Wissenschaftlern der ETH Zürich hat nun herausgefunden, warum dem so ist. Die Quantenpunkte könnten dereinst in Leuchtdioden zum Einsatz kommen.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern der ETH Zürich, von IBM Research Zurich, der Empa und von vier amerikanischen Forschungseinrichtungen hat die...

Im Focus: Paradigmenwechsel in Paris: Den Blick für den gesamten Laserprozess öffnen

Die neusten Trends und Innovationen bei der Laserbearbeitung von Composites hat das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT im März 2018 auf der JEC World Composite Show im Fokus: In Paris demonstrieren die Forscher auf dem Gemeinschaftsstand des Aachener Zentrums für integrativen Leichtbau AZL unter anderem, wie sich Verbundwerkstoffe mit dem Laser fügen, strukturieren, schneiden und bohren lassen.

Keine andere Branche hat in der Öffentlichkeit für so viel Aufmerksamkeit für Verbundwerkstoffe gesorgt wie die Automobilindustrie, die neben der Luft- und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung „Elektronikkühlung - Wärmemanagement“ vom 06. - 07.03.2018 in Essen

11.01.2018 | Veranstaltungen

Registrierung offen für Open Science Conference 2018 in Berlin

11.01.2018 | Veranstaltungen

Wie sieht die Bioökonomie der Zukunft aus?

10.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit mikroskopischen Luftblasen dämmen

15.01.2018 | Architektur Bauwesen

Feldarbeiten der größten Bodeninventur Deutschlands sind abgeschlossen

15.01.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Perowskit-Solarzellen: Es muss gar nicht perfekt sein

15.01.2018 | Materialwissenschaften