Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sicherere Lebensmittel durch Fischtest

02.11.2011
Jeder zweite Speisefisch, der auf unserem Teller landet, kommt mittlerweile aus einem Zuchtbetrieb. Das Problem: An die Tiere werden immer häufiger pflanzliche Rohstoffe verfüttert, wodurch sich Rückstände von Pflanzenschutzmitteln im Fisch ablagern können. Ein neuer Test ermittelt, wie hoch das Risiko einer Kontamination ist.

Menschen essen immer mehr Fisch. Um die steigende Nachfrage zu befriedigen, werden die Tiere daher zunehmend in Fischfarmen gezüchtet. Die Aquakultur stellt weltweit den am stärksten wachsenden Zweig der Ernährungswirtschaft dar, die jährlichen Steigerungsraten liegen bei neun Prozent.


Forscher überprüfen die zwei Kubikmeter großen, mit einem starken Filtersystem ausgestatteten Wassertanks. © Fraunhofer IME

Ein rasanter Anstieg, der auch den Bedarf an Fischfutter in die Höhe treibt. Dies stellt die Futtermittelhersteller vor eine große Herausforderung. Denn Fischmehl und -öl – wichtige Bestandteile des Futters – werden immer knapper. Pflanzliche Rohstoffe wie Soja, Mais und Raps sollen künftig Fischmehl und -öl ersetzen.

Das Problem: Mit den pflanzlichen Rohstoffen könnten auch Pflanzenschutzmittel (PSM) in die Futterpellets gelangen. Um eine Gefahr für den Verbraucher auszuschließen, müssen in Zukunft mögliche Rückstandsgehalte von PSM in Fisch aus Aquakultur bestimmt werden. Doch ein Verfahren für entsprechende Tests fehlt bislang. Für Wiederkäuer, Geflügel und Schweine gibt es bereits Methoden, das Anreicherungs- und Abbauverhalten von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen zu bestimmen.

Die Experten nennen sie Metabolismusstudien – diese sind jedoch bisher nicht auf Fische anwendbar. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sieht hier dringenden Handlungsbedarf. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME in Schmallenberg haben ein Testsystem entwickelt, mit dem sich feststellen lässt, ob sich bei der Aufnahme von belastetem Futter chemische Substanzen im Fisch anreichern.

»Wir prüfen in einem ersten Schritt, ob sich durch die Nahrungsaufnahme Rückstände von PSM im Fischfilet bilden und welche Abbauprodukte beziehungsweise Metabolite durch den Stoffwechselprozess entstehen. Prinzipiell gilt: Je fettlöslicher eine Substanz ist, desto eher reichert sie sich im Fisch an«, erläutert Dr. Christian Schlechtriem, Wissenschaftler am IME. »Unsere Tests sind die Basis für spätere Fütterungsstudien. Die Ergebnisse entscheiden über die Notwendigkeit solcher Studien, die dann die Rückstandshöchstgehalte von PSM bestimmen.«

Für ihre Metabolismusstudien nutzen die Experten zwei Kubikmeter große Wassertanks, in die sie 300 bis 500 Gramm schwere Karpfen und Regenbogenforellen setzen – Süßwasserfische, die häufig in Aquakultur gezüchtet werden. Um Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und deren Abbauprodukte identifizieren zu können, versehen Schlechtriem und sein Team die Futterpellets mit einer radioaktiven Testsubstanz. Eine Herausforderung für die Forscher, da radioaktiv markiertes Material im Wasser schwierig anzuwenden ist. Ein starkes Filtersystem verhindert, dass sich gelöste Testsubstanz im Wasser anreichert. Filets der gefütterten Fische können anschließend auf PSM-Rückstände untersucht werden. Dafür nutzen die Forscher eine hoch empfindliche Analytik, die es erlaubt, auch kleinste Substanzmengen sicher zu identifizieren. Dr. Dieter Hennecke, Abteilungsleiter Ökologische Chemie am IME, betont: »Mit unserem neuen Testsystem decken wir von der Aufzucht der Tiere bis zur Gewebeanalyse im Labor alle erforderlichen Schritte ab, die für das Erfassen von PSM oder deren Abbauprodukte in Fischen erforderlich sind.«

Die Europäische Kommission veröffentlicht im Herbst 2011 für die Pflanzenschutzmittel-zulassung eine neue Datenanforderung für Fische: Jeder Hersteller und Importeur, der ein neues Pflanzenschutzmittel in Europa in Verkehr bringen will, muss dieses nicht nur registrieren lassen, sondern dabei zugleich beweisen, dass keine Gefahr der Anreicherung im Fischfilet besteht. Der im IME entwickelte Fischtest wird die dafür benötigten Informationen liefern.

Dr. Christian Schlechtriem | Fraunhofer Mediendienst
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2011/november/sichere-lebensmittel.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie