Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

SHIP-Mobil - Der größte Gesundheitscheck geht auf Reisen

25.02.2011
Erstes temporäres Untersuchungszentrum startet in Wolgast

Das Greifswalder Team der großen Gesundheitsstudie SHIP in Vorpommern (Study of Health in Pomerania) betritt Neuland und wird mobil. Vom 21. bis 30. März 2011 wird in den Räumen der Beruflichen Schule am Kreiskrankenhaus Wolgast das erste so genannte „temporäre Untersuchungszentrum“ oder einfacher „SHIP-Mobil“ starten.

Die zweite Station ist im Mai in Anklam geplant. SHIP ist seit 1997 eine der größten Gesundheitsstudien und komplexen Reihenuntersuchungen zur Erforschung von Volkskrankheiten in Europa.

In den letzten Jahren sinkt sowohl in Deutschland, als auch international die Bereitschaft, an wissenschaftlichen Studien teilzunehmen. „Das liegt sicher auch an der Zunahme von Gesundheitsstudien im Zuge des technischen Fortschritts“, sagte SHIP-Projekt- und Studienleiter Prof. Henry Völzke. Die SHIP-Probanden werden grundsätzlich nach dem Zufallsprinzip in einer klar abgegrenzten Region* ausgewählt. „Wir sind auf eine Teilnahmequote von mindestens 50 bis 60 Prozent angewiesen, um wissenschaftlich repräsentative Ergebnisse gewinnen zu können.“

Bisherige Analysen haben gezeigt, dass die Entfernung zum Untersuchungszentrum sowie mangelnde Zeit der Probanden dazu führen, nicht an der Untersuchung in Greifswald teilzunehmen. Um einem weiteren Kreis von Personen die Teilnahme an SHIP zu ermöglichen, bietet die Universität Greifswald jetzt das verkürzte Untersuchungsprogramm in ausgewählten Städten und Gemeinden im SHIP-Einzugsbereich an. „Mit den zeitlich begrenzten Untersuchungsstationen in der Studienregion wollen wir insbesondere die auserwählten SHIP-Probanden erreichen, die bislang die zeitlich aufwändige Untersuchung in Greifswald gescheut haben“, machte Prof. Henry Völzke deutlich. Die mobilen Untersuchungsorte werden so ausgewählt, dass eine möglichst große Anzahl an bisherigen Nicht-Teilnehmern in möglichst kurzer Entfernung zu dem mobilen Zentrum eingeladen werden kann.

Kurzprogramm dauert drei Stunden

Das Kurzprogramm in SHIP-Mobil umfasst etwa die Hälfte des ansonsten üblichen Aufwandes. Von 18 Untersuchungsbereichen des Kernprogrammes werden elf auch im mobilen Zentrum angeboten, so unter anderem eine umfangreiche Ultraschalluntersuchung von Herz, Leber, Halsschlagader und Schilddrüse, ein Gangtest, EKG, Greifkraftmessung, weitere Blut- und Körperwerte sowie ein ausführliches Gespräch.

Im Greifswalder Zentrum dauern die einzelnen Untersuchungsschritte rund fünf bis sechs Stunden. Für SHIP-Mobil sind jeweils etwa drei Stunden und täglich sechs Probanden vorgesehen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, anschließend an den nur in Greifswald angebotenen Projekten teilzunehmen. Das betrifft beispielsweise das Ganzkörper-MRT, das Schlaflabor, Hautuntersuchungen und Untersuchungen in der Inneren Medizin zur Abschätzung des Diabetes- und Osteoporose-Risikos. Die Teilnehmer erhalten eine kleine Aufwandsentschädigung und können im Bedarfsfall aus gesundheitlichen Gründen auch zur Untersuchung befördert werden.

„Die Datenerfassung findet computergestützt statt. Die erhobenen Daten werden verschlüsselt gespeichert und entsprechen auch mobil den hohen Anforderungen des lokalen Datenschutzkonzeptes“, betonte Völzke. Der Greifswalder Wissenschaftler hofft, auch bei den noch geplanten Stationen in der SHIP-Region auf Unterstützung wie in Wolgast. „Der Bürgermeister von Wolgast sowie die Kollegen des Kreiskrankenhauses und der Beruflichen Schule haben uns bei der Umsetzung unser Vor-Ort-Lösung sehr geholfen“, betonte Völzke. „Das besondere Interesse gilt natürlich dem Gesundheitszustand der Bevölkerung in dieser Region, der mit SHIP in einzigartiger Weise erfasst wird.“

Der Bürgermeister von Wolgast, Stefan Weigler, und der Chefarzt der Inneren Medizin im Kreiskrankenhaus Wolgast, Prof. Siegfried Krabbe, appellierten nachdrücklich an die ausgewählten Probanden der Region, die Gesundheitsstudie der Universität Greifswald zu unterstützen. „Zum einen ist es der größte kostenfreie Gesundheitsscheck überhaupt, zum anderen wird damit ein Beitrag geleistet, die Krankenversorgung der Zukunft zu verbessern“, so Weigler und Krabbe.

*Hintergrund SHIP

SHIP (Study of Health in Pomerania), eine der größten Gesundheitsstudien zur Erforschung von Volkskrankheiten, läuft bereits seit 1997. An der ersten Untersuchungswelle (SHIP-0) nahmen 4.308 Probanden teil. Von diesen 4.308 Probanden wurden in der 2. Welle 3.300 Probanden nochmals untersucht (SHIP-1). Anfang 2008 startete die dritte und bisher umfangreichste Welle. Aktuell haben aus den ersten beiden Wellen 1.623 Probanden (SHIP-2) sowie 2.917 neue Teilnehmer (SHIP-TREND) die dritte Reihenuntersuchung absolviert. Bis Ende 2012 wird für SHIP-2 und SHIP-Trend zusammen mit ca. 7.000 Teilnehmern gerechnet.

Die laufende Untersuchungswelle wird in einer weltweit einzigartigen Bandbreite durchgeführt. Dazu werden die bisherigen und künftigen Proben komplett auf mögliche genetisch bedingte Erkrankungen und Stoffwechselstörungen untersucht. Die neue Phase der repräsentativen Bevölkerungsstudie umfasst darüber hinaus erstmalig eine Ganzkörperuntersuchung durch einen Magnetresonanztomographen (MRT). Für die Durchführung des Programmes wurde ein neues Untersuchungszentrum in Greifswald aufgebaut, zu dem auch ein hoch moderner Bodyscanner gehört. Das SHIP-Team, bestehend aus 50 Mitarbeitern, arbeitet mit zahlreichen Kooperationspartnern zusammen. In rund 300 wissenschaftlichen Publikationen sind die Ergebnisse der Untersuchungen veröffentlicht worden. Etwa 50 Forschungseinrichtungen weltweit nutzen in Kooperation mit der Greifswalder Universität die anonymisierten Datensätze für ihre Arbeit und auf der Suche nach Therapien bei unheilbaren Krankheiten.

SHIP-Einzugsgebiet: Kreisfreie Städte Greifswald und Stralsund, Landkreis Ostvorpommern mit den Ämtern Landhagen, Anklam-Land, Züssow, Stadt Anklam und Peenestrom, Landkreis Nordvorpommern mit den Ämtern Grimmen, Stadt Marlow, Gemeinde Süderholz, Mitzow, Niepars, Recknitz-Trebeltal, Franzburg-Richtenberg, Altenpleen

Die Gemeinden auf der Insel Usedom sind aufgrund der Entfernung zum Untersuchungszentrum Greifswald von der Studie ausgeschlossen. Dies betrifft die Ämter Usedom Nord, Usedom Süd, Heringsdorf, sowie die Gemeinden Krimmin, Lütow, Sauzin des Amtes Peenestrom aus dem Landkreis Ostvorpommern. Das Gleiche gilt für Nordvorpommern, dort sind neben dem Amt Darß/Fischland auch die Ämter Barth, Ribnitz-Damgarten und Marlow ausgeschlossen.

Universitätsmedizin Greifswald
Institut für Community Medicine
Study of Health in Pomerania (SHIP)
Projektleiter: Prof. Henry Völzke
Walter-Rathenau-Straße 48, 5. Etage, 17475 Greifswald
T +49 3834-86 77 14 und 86 75 41
E voelzke@uni-greifswald.de

Constanze Steinke | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-greifswald.de
http://www.medizin.uni-greifswald.de/cm/fv/ship.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neues Hydrogel verbessert die Wundheilung
25.04.2017 | Universität Leipzig

nachricht Konfetti im Gehirn: Steuerung wichtiger Immunzellen bei Hirnkrankheiten geklärt
24.04.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen