Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sehschwäche bei Kindern frühzeitig erkennen

27.05.2010
Zwischen fünf und zehn Prozent aller Kinder leiden an einer Sehschwäche. Meist handelt es sich dabei um eine Amblyopie, die auch als Schwachsichtigkeit bezeichnet wird. Ein oder beide Augen und vor allem die Sehzentren im Gehirn haben das scharfe Sehen in den ersten Lebensjahren nicht gelernt. Bei manchen Kindern wird die Sehschwäche erst in der Schule entdeckt. Dann ist es für eine wirksame Behandlung jedoch oft zu spät. Wie ein augenärztliches Screening die Früherkennung verbessern kann, diskutieren Experten auf dem World Ophthalmology Congress (WOC 2010) im Juni in Berlin.

„Kinder müssen das Sehen ebenso wie Laufen oder Sprechen erst lernen”, erklärt Professor Dr. med. Oliver Ehrt von der Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dies geschehe normalerweise in den ersten drei Lebensjahren. Danach nehme die Lernfähigkeit ab. „Bereits bei der Einschulung ist sie vermindert und bei Teenagern nur noch schwach vorhanden”, so Ehrt. Deshalb müssten Sehstörungen frühzeitig behandelt werden.

Ursachen für die Amblyopie sind in den meisten Fällen Schielen oder eine Fehlsichtigkeit, selten ein Grauer Star oder andere Augenerkrankungen. „Beim Schielen blendet das Gehirn die Informationen von einem Auge aus, um Doppelbilder zu vermeiden. Ohne eine frühzeitige Behandlung wird dieses Auge schwachsichtig”, erklärt Ehrt im Vorfeld des WOC 2010. Ist das Kind fehlsichtig, erzeugen Hornhaut oder Linse dagegen ein verschwommenes Bild auf der Netzhaut. „Auch mit so einem unscharfen Bild kann das Gehirn das Sehen nicht lernen”, sagt Ehrt. Meist verordnen die Augenärzte eine Brille zur Korrektur der Fehlsichtigkeit. Zudem wird das bessere Auge stundenweise abgeklebt, um so das Gehirn zu zwingen, das schlechtere Auge zu trainieren.

Je früher eine Amblyopie behandelt wird, desto größer sind die Erfolgsaussichten. Doch die Früherkennung ist nicht einfach: „Außer bei einem großwinkligen Schielen ist den Kindern ihre Erkrankung nicht anzusehen”, berichtet Ehrt. Die Schwachsichtigkeit werde oft erst in der Schule erkannt, wenn die Anforderungen steigen. Dann kommt eine Therapie häufig zu spät. Deshalb rät der Experte zu einer Vorsorgeuntersuchung vor dem dritten Geburtstag. Seit zwei Jahren ist sie in Deutschland Bestandteil der kinderärztlichen Untersuchung (U7a). „Kinderärzte können das Krankheitsbild aber nicht vollständig abklären. Denn dazu gehört auch die Messung der Fehlsichtigkeit mit Weitstellen der Pupille”, erklärt Ehrt, der im Vorfeld des WOC 2010 deshalb ein augenärztliches Screening fordert.

In vielen Ländern Europas und Teilen Amerikas gibt es seit Jahren Früherkennungsprogramme. „In Schweden konnte so die Zahl der Kinder mit schwerer Schwachsichtigkeit um etwa 90 Prozent gesenkt werden”, so Ehrt. In Deutschland erstatten bislang nur wenige Krankenkassen die augenärztliche Vorsorgeuntersuchung. Begründet wird dies mit fehlenden Studien. „Erfahrungen aus anderen Ländern lassen sich nicht einfach auf Deutschland übertragen. Wir brauchen dringend eine deutsche Studie zum augenärztlichen Amblyopiescreening“, fordert auch Ehrt. Dass eine strukturierte Früherkennung die Betroffenenzahlen auch hierzulande deutlich reduzieren kann, davon ist der Experte überzeugt. Er rät deshalb allen Eltern, bei ihren Kindern im Alter von zwei bis drei Jahren eine augenärztliche Untersuchung durchführen zu lassen.

Terminhinweis: Kongress-Pressekonferenz (in deutscher Sprache)
Donnerstag, 3. Juni 2010, 12.00 bis 13.00 Uhr, ICC Berlin, Funkturm-Lounge II (im Funkturminnenhof), Neue Kantstraße/ Ecke Messedamm, 14057 Berlin

Mit dem World Ophthalmology Congress (WOC 2010) richtet Deutschland 2010 den größten internationalen Fachkongress zum Thema Augenheilkunde aus. Neben dem 32. International Congress of Ophthalmology (ICO) finden auch der 108. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) und die Augenärztliche Akademie Deutschland (AAD) unter dem Dach des WOC 2010 statt. Die AAD-Kurse werden vom 3. bis zum 6. Juni 2010 in deutscher Sprache abgehalten. Vom 5. bis zum 9. Juni schließt sich das internationale Programm in englischer Sprache an. Die Veranstalter erwarten mehr als 8 000 Teilnehmer aus etwa 120 Ländern.

Kontakt für Journalisten:

Silke Stark
Pressestelle WOC 2010
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: +49 (0)711 8931-572
Fax: +49 (0)711 8931-167
E-Mail: stark@medizinkommunikation.org

Silke Stark | idw
Weitere Informationen:
http://www.woc2010.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs
13.12.2017 | Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten