Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sehnerv: Krebsmedikament Taxol fördert Nervenwachstum

16.02.2011
Am Modell des Sehnerven gelang Forschern aus Düsseldorf / Ulm unter der Leitung von Prof. Dr. Dietmar Fischer, Professor für Experimentelle Neurologie an der Heinrich-Heine-Universitäts Düsseldorf, der Nachweis, dass der Wirkstoff Paclitaxel, als zugelassenes Krebsmedikament unter dem Namen Taxol seit 20 Jahren bekannt, die Regeneration von Nervenfasern, sogenannten Axonen, im Gehirn fördert. Normalerweise können einmal durchtrennte Axone im Rückenmark oder Sehnerv nach Verletzung nicht regenerieren. Sie bleiben von ihren ursprünglichen Zielgebieten abgeschnitten.

Betroffene Patienten erleiden daher dauerhafte funktionelle Beeinträchtigungen oder Behinderungen wie zum Beispiel eine Querschnittslähmung oder Erblindung. Entscheidend für die regenerationsfördernden Effekte von Taxol, so Dietmar Fischer, ist eine niedrige Dosierung des Medikamentes bei lokaler Anwendung an der Verletzungsstelle.

Diese Forschungsergebnisse wurden in der renommierten US-Fachzeitschrift „Journal of Neuroscience“ veröffentlicht (ersch. 16. Feb. 2011). Zu ähnlichen Ergebnissen war auch eine internationale Arbeitsgruppe unter Federführung des Max-Planck-Instituts für Neurobiologie, Martinsried gekommen, die ebenfalls vor wenigen Tagen im Wissenschaftsmagazin „Science“ veröffentlicht wurde. Sie hatten das Rückenmark von Ratten mit Taxol behandelt. Damit wird nun belegt, dass Taxol in verschiedenen Bereichen des Gehirns und Rückenmarks erfolgreich zur Förderung der Nervenfaserregeneration eingesetzt werden kann.

Der Wirkstoff setzt – wenn richtig dosiert – gleichzeitig an verschiedenen Mechanismen an, die normalerweise das Nervenwachstum verhindern: Zum einen stabilisiert Taxol bestimmte Strukturen (Mikrotubuli) in den Wachstumskegeln von verletzten Nervenfasern. Als Folge zeigen diese ein deutlich gesteigertes Längenwachstum. Zum anderen hebt Taxol die Empfindlichkeit von diesen Wachstumskegeln gegenüber wachstumsblockierenden Molekülen auf. Diese befinden sich normalerweise nach einer Verletzung in deren Umgebung. Darüber hinaus verzögert die Applikation des Krebsmedikaments die Narbenbildung an der Verletzungsstelle, so dass diese Regenerationsbarriere deutlich abgeschwächt wird.

Diese aktuellen Erkenntnisse, die unabhängig gleichzeitig von zwei For-scherteams an unterschiedlichen Modellen – einmal am Rückenmark und in der vorliegenden Studie am Sehnerven von Ratten dokumentiert wurden, sind ein ermutigendes Ergebnis für eine mögliche therapeutische Weiterentwicklung, da diese mit einem klinisch bereits etablierten Medikament für die Behandlung am Menschen erzielt wurden. „Wir sind vorsichtig mit Voraussagen, wie groß das Potential von Taxol oder ähnlicher Substanzen für die Anwendung beim Menschen sein könnte“, betont Prof. Fischer, „wenngleich Taxol oder ähnliche Substanzen vielversprechende Kandidaten für die Behandlung von Schädigungen des Zentralen Nervensystems, sei es durch Schlaganfall oder traumatische Verletzungen sein könnten. Weitere Untersuchungen sind hierzu unbedingt notwendig. Aus wissenschaftlicher Sicht steht uns nun allerdings ein weiterer Ansatz für die Entwicklung neuer Therapien zur Reparatur des verletzten Zentralen Nervensystems zur Verfügung.“

Kontakt: Prof. Dr. Dietmar Fischer, Experimentelle Neurologie, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Düsseldorf, Tel.: 0211 302039237, Mobil: 0173 3299792, E-mail: dietmar.fischer@uni-duesseldorf.de

Susanne Dopheide | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-duesseldorf.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften