Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schutz vor Hepatitis C mit den richtigen Genen

18.09.2013
Die Forschungsteams um Professor Timm und Professor Nattermann an den Universitätskliniken Essen und Bonn haben die Bedeutung der genetisch festgelegten Immunantwort für den Verlauf der Hepatitis C untersucht.

Dies erfolgte anhand eines einzigartigen Patientenkollektivs das Ende der 70er Jahre in der ehemaligen DDR zufällig mit HCV infiziert worden war.

Die Ergebnisse zeigen, dass scheinbar eine ideale Kombination aus den richtigen Genen und dem dazu „passenden“ Virus für eine Ausheilung notwendig ist und stellen für die Impfstoffentwicklung eine große Herausforderung dar.

Das Hepatitis C Virus (HCV) gehört weltweit zu den häufigsten Ursachen von chronischen Entzündungen der Leber. Am Ende der Erkrankung kann eine Leberzirrhose entstehen, verbunden mit einem deutlich erhöhten Risiko für das Auftreten von Leberkrebs. Allerdings entwickeln nicht alle Patienten, die sich mit HCV anstecken, eine chronische Infektion. Bei einem Teil der Patienten kann das Immunsystem das Virus aus eigener Kraft in Schach halten und sogar vollständig aus dem Körper eliminieren. Es ist daher von großem Interesse, die Ursachen für diese unterschiedlichen Verläufe der Hepatitis C zu verstehen. Dieses Verständnis kann zukünftig dazu beitragen, einen Impfstoff gegen HCV zu entwickeln.

In dem gemeinsamen Forschungsprojekt wurde die Bedeutung von wirtsgenetischen Faktoren für den Verlauf der HCV-Infektion untersucht. Grundlage für die Untersuchungen war eine Gruppe von Frauen, die Ende der 70er Jahre in der ehemaligen DDR HCV-kontaminierte Blutprodukte zur sogenannten „Rhesus-Prophylaxe“ erhalten hatten. Es zeigte sich, dass eine Variante im Erbgut signifikant häufiger bei Frauen zu finden war, die spontan ihre HCV-Infektion ausheilen konnten.

Die Variante liegt in der Nähe des Gens für den Entzündungsbotenstoff Interferon-λ und war im Falle einer frischen HCV-Infektion mit stärker ausgeprägten Symptomen als Folge einer besseren Immunantwort assoziiert. Der günstige Effekt dieser Gen-Variante war allerdings dann aufgehoben, wenn eine zweite Variation im Erbgut (CCR5Δ32) vorkam.

Ein weiterer genetischer Faktor, der den Verlauf einer Hepatitis C beeinflusst, ist das aus der Transplantationsmedizin bekannte humane Leukozytenantigen (HLA). Die genetisch festgelegten HLA-Strukturen auf den Zellen bestimmen darüber, welche Bereiche aus dem Virus dem Immunsystem präsentiert werden können. Für bestimmte Varianten dieser HLA-Strukturen konnte gezeigt werden, dass sie vorteilhaft für den Verlauf der Hepatitis C sind.

Dieser günstige Effekt einzelner HLA-Varianten ließ sich in der aktuellen Studie überraschend nicht bestätigen. Die Erklärung fand sich bei weiteren Untersuchungen des Virus aus der Infektionsquelle. Bereits vor der Übertragung auf die Frauen hatte das Virus Mutationen in seinem Erbgut, die dazu führten, dass wichtige Bereiche nicht mehr über die HLA-Strukturen dem Immunsystem präsentiert werden konnten. Dadurch war das Virus für das Immunsystem weitgehend unsichtbar und konnte eine anhaltende Infektion verursachen.

Die Untersuchungen in dieser einzigartigen Patientengruppe zeigen die große Komplexität des Wechselspiels zwischen Patient und HCV. Auf der einen Seite steht die überwiegend genetisch festgelegte Immunantwort und auf der anderen Seite HCV mit seiner Möglichkeit der raschen evolutionären Anpassung. Scheinbar ist eine ideale Kombination aus den richtigen Genen und dem dazu „passenden“ Virus für eine Ausheilung notwendig.

Die Wilhelm Sander-Stiftung förderte dieses Forschungsprojekt mit 78.000 Euro. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontakt (Projektleitung):
Prof. Dr. med. Jörg Timm, Institut für Virologie, Universitätsklinikum Essen, Universität Duisburg-Essen, Tel.: +49 (0)201 723 2306, Email: joerg.timm@uni-due.de

Prof. Dr. med. Jacob Nattermann, Universitätsklinik Bonn, Tel.: +49 (0)228 287 51416, Email: jacob.nattermann@ukb.uni-bonn.de

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie