Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schutz für gesundes Nervengewebe

09.11.2010
Das Tumorwachstum lässt sich nicht aufhalten, wenn der Glutamat-Signalweg blockiert wird, aber der neuronale Zellschaden kann auf ein Minimum reduziert werden.

Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, der Universität Köln und der Berliner Charité, die gemeinsam im Fachmagazin „Oncogene“ den Zusammenhang zwischen Hirntumoren und der Bildung von Glutamat untersucht haben. In Zukunft könnte dies ein neuer Ansatz für eine Begleitbehandlung mit dem Ziel darstellen, funktionsfähiges Hirngewebe vor dem Tumor zu schützen.

Bei der Behandlung von Hirntumoren kämpfen Ärzte häufig u. a. gegen die exzessive Flüssigkeitsansammlung im Hirngewebe, das so genannte perifokale Ödem. In der international renommierten Fachzeitschrift „Oncogene“ berichtete das Wissenschaftlerteam über den Zusammenhang zwischen Hirntumoren und der Bildung des perifokalen Ödems.

Die Forschergruppe um PD Dr. Ilker Eyüpoglu, Oberarzt an der Neurochirurgischen Klinik am Erlanger Universitätsklinikum, und PD Dr. Nicolai Savaskan von der Charité konnte zeigen, dass Hirntumore (Gliome) große Mengen des Neurotransmitters Glutamat abgeben. Dies führt zum Tod von Nervenzellen und somit zum Verlust von gesundem Hirngewebe im umliegenden Hirnparenchym. Als Folge davon verschlechtert sich die Lebensqualität des Patienten, und seine Überlebenszeit reduziert sich.

Wenn die Glutamat-Ausschüttung pharmakologisch oder genetisch mittels kleiner RNA-Moleküle blockiert wird, bleibt der Verlust von gesundem Hirngewebe aus. Im Tierversuch bildete sich kein Ödem; zudem verbesserten sich die Lebensqualität und der Allgemeinzustand der Versuchstiere deutlich. Diese Daten weisen auf einen potentiell neuen Therapieansatz hin, bei dem nicht das Tumorwachstum selbst mittels Chemotherapie bekämpft wird, sondern seine gewebeschädigende Wirkung auf das gesunde Gehirngewebe reduziert wird.

„Nüchtern gesehen weisen unsere Untersuchungen darauf hin, dass eine Blockade von Glutamatrezeptoren zunächst keinen unmittelbaren Einfluss auf das Tumorwachstum hat“, sagt Dr. Eyüpoglu. „Dies ist insbesondere deswegen für Patienten relevant, weil klinische Studien mit Medikamenten gegen Glutamatrezeptoren in den USA begonnen wurden. Die bisherigen Resultate entsprechen unseren Beobachtungen, dass nämlich dieser Ansatz keinen Effekt auf das Tumorwachstum hat. Das umliegende Gewebe wird jedoch durch diesen Ansatz für eine gewisse Zeit geschont.“

Bis heute haben die therapeutischen Konzepte in den letzten 40 Jahren keine Heilung oder eine deutliche Verlängerung der Überlebenszeit gebracht. Durch das neue molekulare Verständnis wäre in den nächsten Jahren eine neue und eventuell effektivere therapeutische Option denkbar.

Die Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist mit mehr als 28.000 Studierenden, 550 Professorinnen und Professoren sowie 2000 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte Universität in Nordbayern. Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin in engem Dialog mit Jura und Theologie sowie den Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Seit Mai 2008 trägt die Universität das Siegel „familiengerechte Hochschule“.

Weitere Informationen für die Medien:

PD Dr. Ilker Y. Eyüpoglu
Tel.: 09131/85-33001
ilker.eyupoglu@uk-erlangen.de

Pascale Anja Dannenberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-erlangen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie