Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schuppenflechte: Neues Wissen hilft, gezielt die Rötung der Haut zu lindern

08.03.2011
Grundlagenforschung im europäischen Verbundprojekt „ANGIOSKIN“: Hautexperten der Universitätsmedizin Göttingen finden neuen Ansatz zur Behandlung der Schuppenflechte.

Rot und schuppig – so sieht die Haut aus, wenn sie an Schuppenflechte oder der so genannten "Psoriasis" erkrankt ist.


Arm mit typischer Psoriaris-
plaques. Foto: umg

In Deutschland leiden etwa 1,6 Millionen Menschen an der chronisch entzündlichen Hauterkrankung. Die Haut rötet sich, weil die Blutgefäße darin vermehrt und krankhaft verändert sind. Ob man diese Veränderungen als Ansatz einer neuen Therapie gezielt beeinflussen kann, das haben Hautexperten der Universitätsmedizin Göttingen zusammen mit anderen Forschern in Europa genauer untersucht. Erstmals konnten sie dabei nachweisen:

Eine gezielte Therapie gegen die typische Rötung kann auch andere auffällige Anzeichen der Krankheit erfolgreich lindern. Das Ergebnis ihrer Grundlagenforschung könnte ein alternativer und zusätzlicher Ansatz in der Behandlung von Schuppenflechte werden. Bisher zielt die Behandlung vor allem darauf ab, die Entzündungsprozesse in der Haut zu normalisieren. Die Forschungsergebnisse sind im Januar 2011 im Fachmagazin "The Journal of Clinical Investigation (JCI)" erschienen.

Die auffällige Rötung der Haut bei Schuppenflechte genauer unter die Lupe genommen haben Dr. Katrin Wallbrecht und Prof. Dr. Michael P. Schön, Direktor der Abteilung Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Universitätsmedizin Göttingen. Sie arbeiteten dabei im EU-Verbundprojekt "ANGIOSKIN" eng mit Dr. John R. Zibert und Prof. Lone Skov (Gentofte Hospital, Kopenhagen) sowie anderen Forschern aus Europa zusammen. Das Projekt wurde durch die Europäische Union (EU) über 4,5 Jahre mit insgesamt 2,78 Mio. Euro gefördert.

Der Blick durchs Mikroskop in die kranke Haut hinein brachte den Forschern erste Einsichten: Zu sehen ist eine vermehrte Blutgefäßbildung. Da fallen dickere und verlängerte Blutgefäße auf. Durch diese strömt vermehrt Blut und führt zu der von außen sichtbaren Rötung der Haut bei Schuppenflechte. Die Frage der Wissenschaftler war: Führt eine Normalisierung der übermäßigen Blutgefäßbildung dazu, dass sich die Rötung und sogar der Verlauf der Schuppenflechte bessern? Das Ergebnis ihrer experimentellen Untersuchungen: "Eine Behandlung gegen das übermäßige Auswachsen von Blutgefäßen, die so genannte Anti-Angiogenese, ist möglich. Sie verhindert die Ausbildung von Blutgefäßen. Durch eine solche zusätzliche Behandlung kann sogar eine bestehende entzündliche Hauterkrankung deutlich verbessert werden", sagt Prof. Dr. Michael Schön.

Bei ihren Forschungen setzen die Wissenschaftler eine neue Technik, die "non-virale somatische Gentherapie" ein. Damit gelang es ihnen, ein spezielles Eiweiß (Protein) in die Haut zu transportieren, das "anti-angiogen" wirkt und so die Neubildung von Blutgefäßen hemmt. Um die ablaufenden Prozesse in der Haut beobachten zu können, wurde zudem ein fluoreszenz-gekoppeltes Reporterprotein miteingeschleust. "In allen drei Mausmodellen, die wir untersucht haben, konnten wir sehen, dass das anti-angiogen wirkende Eiweiß, eine Disintegrin- und Metallopeptidase-Domäne von ADAM-15, tatsächlich wirkt", sagt Dr. Katrin Wallbrecht. "Die vorübergehende Expression der Disintegrin-domäne (RDD) blockiert die Überproduktion von Blutgefäßen (Angiogenese) in der Haut."

Einige Effekte der neuen Behandlungsidee konnten die Forscher bereits mit bloßen Augen sehen: So zeigten sich die typischen entzündlichen Hautveränderungen wesentlich verbessert. Andere Effekte wurden mit hochauflösendem Ultraschall sichtbar: So ließ sich ein verringerter Blutfluss in der obersten Lage der Unterhaut nachweisen. Aber auch andere Angiogenese- und Entzündungskennzeichen, wie die erhöhte Blutgefäßdichte, die für Schuppenflechte typische, zu schnelle Erneuerungsrate und Verdickung der Oberhaut sowie das äußere Erscheinungsbild mit Rötung und Schuppung der Haut waren insgesamt verbessert. Die Ergebnisse liegen derzeit nur in der Phase der Grundlagenforschung mit Mäusen vor. Konkret bedeutet das: Mäusen mit einer chronisch entzündeten Haut konnte geholfen werden. Weitere Untersuchungen sind nun notwendig, bevor die Forschungsergebnisse auf Menschen übertragen werden können.

Originalveröffentlichung
Zibert JR*, Wallbrecht K*, Schön M, Mir LM, Jacobsen GK, Trochon-Joseph V, Bouquet C, Villadsen LS, Cadossi R, Skov L*, Schön MP*: „Halting angiogenesis by non-viral somatic gene therapy alleviates psoriasis and murine psoriasiform skin lesions.“ J Clin Invest. 2011, 121(1), 410-421

Die Forschungsarbeiten, die zu diesen Ergebnissen geführt haben, wurden gemäß der Finanzhilfevereinbarung LSHB-CT-2005-512127 im Zuge des Sechsten Rahmenprogramms der Europäischen Union (RP6/2002-2006) gefördert.

WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen
Abteilung Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Prof. Dr. Michael P. Schön
Telefon 0551 / 39-6401, michael.schoen@med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | Universitätsmedizin Göttingen
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-goettingen.de/presseinformationen/presseinformationen_14575.asp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten