Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schützt neuartige Medikamentenkombination Gesichts- und Hörnerv bei Tumoroperationen?

25.03.2010

Oberarzt Dr. Christian Scheller, Leiter der Studie zur medikamentösen Begleitbehandlung von Akustikusneurinomoperationen
Foto: UKH


Das Universitätsklinikum Halle (Saale) und das Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) der Universität Leipzig prüfen mit einer klinischen Studie die Wirksamkeit einer prophylaktischen medikamentösen Therapie bei Akustikusneurinomoperationen. Ziel der Behandlung ist die Erhöhung der Widerstandsfähigkeit des betroffenen Nervengewebes und damit die Verbesserung der Nervenfunktion nach derartigen Operationen.

Werden Menschen mit dem Befund "Tumor" konfrontiert, tröstet es sie wenig, dass dieser gutartig sein soll. Der Schrecken sitzt tief. Schließlich kann das ungebremste Wachstum eines Tumors über kurz oder lang zu lebensbedrohlichen Funktionsausfällen bei den Betroffenen führen. Die Entfernung des Tumors kann je nach Art und Lokalisation mit Risiken verbunden sein. Zu derartigen Tumoren gehört das Akustikusneurinom, eine gutartige Geschwulst in der hinteren Schädelgrube, die an den dort verlaufenden Nervensträngen wächst. Dort gefährdet der Tumor das Gehör und die Gesichtsmimik der Betroffenen. Pro Jahr erkrankt in Deutschland einer von 100.000 Erwachsenen an diesem gutartigen Tumor. Auch in diesem Fall gilt: je kleiner der Tumor, desto größer ist die Chance der Chirurgen bei einer Operation Folgeschädigungen an den betroffenen Nerven zu verhindern.

Im Rahmen einer Multicenter-Studie untersuchen Forscher des Universitätsklinikums Halle (Saale) und des Translationszentrums für Regenerative Medizin (TRM) Leipzig, ob sich mit Hilfe einer vorbeugenden medikamentösen Therapie die Funktion der Hör- und Gesichtsnerven bei der operativen Entfernung von Vestibularisschwannomen, die zur Gruppe der Akustikusneurinome gehören, erhalten lässt. Die Neurochirurgen Dr. Christian Scheller und Prof. Dr. Christian Strauss haben eine prophylaktische Medikamentengabe aus dem bereits gut erprobten Wirkstoff Nimodipin und einem Plasmaexpander entwickelt, die am Tag vor der Operation bis sieben Tage danach verabreicht wird. "Wir hoffen damit die Widerstandsfähigkeit des betroffenen Nervengewebes zu erhöhen," erläutert Dr. Christian Scheller. "Im Rahmen einer Pilotstudie konnten wir bereits positive Wirkungen dieser Behandlung auf die Funktions- und Regenerationsfähigkeit der Gesichts- und Hörnerven nachweisen," so Dr. Scheller weiter. Anfang des Jahres wurden die ersten von insgesamt 112 Patienten behandelt. Die Hallenser Mediziner kooperieren für Ihre Studie mit Kolleginnen und Kollegen in fünf weiteren Universitätskliniken in Erlangen, Göttingen, Tübingen, Ulm/Günzburg und Würzburg. 2011 soll die Datenerhebung abgeschlossen werden. "Unser Ziel ist es, diese medikamentöse Prophylaxe bei der Operation von Vestibularisschwannomen als Standardbehandlung begleitend einsetzen zu können, um damit das Risiko für Folgeschädigungen bei den Betroffenen zu verringern," erläutert Dr. Scheller das Studienprojekt.

Über das Universitätsklinikum Halle (Saale):
Im Universitätsklinikum Halle (Saale) sind die modernen medizinischen Krankenversorgungseinrichtungen einer traditionsreichen Universität vereint. In fachlich breit gefächerten Kliniken und Instituten stellt das Universitätsklinikum die medizinische Betreuung der Patienten als einziger Maximalversorger im südlichen Sachsen-Anhalt auf höchstem Niveau sicher. Weit über die Grenzen Halles hinaus vertrauen Patienten auf das Können der etwa 2850 Mitarbeiter und 210 Auszubildenden. Insgesamt lassen sich etwa 37.000 Patienten im Jahr stationär behandeln. Knapp 1100 Betten stehen zur Verfügung.
Über das Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) der Universität Leipzig:

Das TRM Leipzig unterstützt junge Forschende mit eigenen Vorhaben, die Produkte und Verfahren für Diagnostik und Therapie entwickeln und erfolgreich in die klinische Anwendung bringen wollen. Das Zentrum fördert darüber hinaus gesellschaftswissenschaftliche Fragestellungen in Fächern wie Recht und Ethik, die Rahmenbedingungen der Biomedizin untersuchen. Das TRM Leipzig wurde im Oktober 2006 gegründet und wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, den Freistaat Sachsen und die Universität Leipzig gefördert.

Manuela Lißina-Krause | idw
Weitere Informationen:
http://www.trm.uni-leipzig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie