Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schütteln von Säuglingen ist lebensgefährlich!

07.01.2009
MHH-Forscherinnen schließen Aufklärungskampagne und Evaluation über das Schütteltrauma ab

Eine interdisziplinäre Projektgruppe an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) klärt über schwere gesundheitliche Schäden auf, die durch das Schütteln von Babys verursacht werden. "Schütteln von Säuglingen ist lebensgefährlich!", betonen die Forscherinnen der Gruppe.

In einer Öffentlichkeitskampagne informierten sie Eltern und Betreuungspersonen, dass das Schütteln von Säuglingen und Kleinkindern schwerste Hirnschäden mit bleibenden Behinderungen, ja gar den Tod des Kindes zur Folge haben kann. Der Erfolg der Aufklärung wird wissenschaftlich in Kooperation mit Mitarbeiterinnen des Stiftungslehrstuhls für Prävention und Rehabilitation der MHH evaluiert. "Erfolgreiche Aufklärung über diese Gefahren kann die gefährlichen Folgen des Schütteltraumas deutlich reduzieren", sind sich die Forscherinnen sicher.

Fachkreise sprechen vom Schütteltrauma oder Shaken Baby-Syndrom (SBS). Im deutschsprachigen Raum gibt es wenige Initiativen zum Schutz des Kindes vor dem Schütteltrauma. Die wenigen bisher publizierten internationalen Studien gehen von 15 bis 30 Fällen pro 100.000 Kinder jährlich aus.

Den MHH-Forscherinnen ist es gelungen, für die breit gefächerte Aufklärungskampagne unter anderem die Unterstützung der Techniker Krankenkasse, der Industrie und lokaler Stiftungen zu gewinnen. Ein großer Teil der Kosten wurde von der Appenrodt-Stiftung übernommen, kleinere Beträge wurden unter anderem von der Sparkasse Hannover, der Volksbank Hannover, sowie der Fa. B. Braun beigesteuert. Von Februar bis August 2008 wurden in Kinder- und Frauenarztpraxen, Kindertagesstätten, Kliniken, Apotheken und Beratungsstellen Informationsbroschüren ausgelegt und Poster aufgehängt. Zusätzlich wurden Informationen über das Fahrgast-Fernsehen der Üstra ausgestrahlt. Eltern und Betreuungspersonen von Säuglingen und Kleinkindern wurden auf diese Weise aufgeklärt, wie ein Schütteltrauma entsteht und welche schweren Folgen es haben kann. "Manche wählen sogar diese Form des Bestrafens, weil sie ihr Kind nicht schlagen wollen", sagt Maria-Jantje Brinkhaus, Mitarbeiterin der interdisziplinären Arbeitsgruppe Perinatale Neuroepidemiologie. Eltern - oft verzweifelt und überfordert - finden in der Broschüre Ratschläge und Hilfsangebote. "Vielen Eltern ist die Gefährlichkeit des Schüttelns nicht bewusst", berichtet PD Dr. Anette Debertin, Fachärztin für Rechtsmedizin. "Das möchten wir unbedingt ändern!"

Die Forscherinnen hatten vor den breit angelegten Aufklärungsmaßnahmen mit einer Fragebogenaktion ermittelt, was Eltern und Betreuungspersonen über das Schütteltrauma bekannt ist. Der Fragebogenrücklauf war außergewöhnlich hoch - 1.379 von 1.620 Fragebögen. Im Anschluss an die Aufklärungskampagne wurde der Wissenstand in den Praxen erneut abgefragt, um die Wirksamkeit der Studie zu überprüfen.

Privatdozentin Dr. Dorothee Bartels, Epidemiologin, erklärt: "Es ist nicht bekannt, ob mit einer so groß angelegten Aufklärungskampagne der Wissensstand überhaupt verbessert werden kann. Zudem können nur so Informationsdefizite erkannt und gezielt behoben werden: Wir sind sehr dankbar für die hohe Bereitschaft der Eltern und Betreuungspersonen, sich mit dem Schütteltrauma zu befassen." Dies ist auch darin begründet, dass in den Medien immer wieder über die schlimmsten Fälle mit Todesfolge berichtet wird.

Mit ersten Ergebnissen zu dem Erfolg der Kampagne ist im Frühjahr 2009 zu rechnen. "Unser langfristiges Ziel ist es, dass diese Aufklärung über die gefährlichen Folgen des Schüttelns aktiv von allen mit der Betreuung von Säuglingen und Kleinkindern befassten Personen wie Ärzten, Hebammen und Pflegepersonal weitergeführt wird, um die betroffenen Kinder und Familien vor den schweren Folgen zu schützen", sagt Kinderärztin Professorin Dr. Christiane Dammann.

Weitere Informationen erhalten Sie über schuetteltrauma@mh-hannover.de, Telefon (0511) 532-4441 oder im Internet unter www.schuetteln-ist-lebensgefaehrlich.de

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.schuetteln-ist-lebensgefaehrlich.de
http://www.mh-hannover.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Stammzell-Transplantation: Aktivierung von Signalwegen schützt vor gefährlicher Immunreaktion
20.04.2017 | Technische Universität München

nachricht Was Bauchspeicheldrüsenkrebs so aggressiv macht
18.04.2017 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten