Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schneller als der Schlaganfall

14.05.2013
Am Universitätsklinikum wurde die erste überregionale Comprehensive Stroke Unit (Erweiterte Schlaganfalleinheit) der Rhein-Main-Region offiziell zertifiziert. Die Akutversorgung der Schlaganfallpatienten konnte zudem durch eine noch höhere Behandlungsgeschwindigkeit optimiert werden.

Der Schlaganfall ist in Deutschland die dritthäufigste Todesursache. Auch bei einem Überleben des Patienten kann er gravierende gesundheitliche Folgen haben und zur Pflegebedürftigkeit führen. Für eine optimale medizinische Behandlung sind zwei Aspekte von entscheidender Bedeutung: Wie schnell beginnt die Akutversorgung und wie gut ist die Folgebehandlung daran anschließend.

Am Universitätsklinikum Frankfurt wurde am 23. April die erste überregionale Comprehensive Stroke Unit zertifiziert. Diese Erweiterte Schlaganfalleinheit versorgt die Patienten nicht nur in der ersten Akutphase, sondern beginnt in den Folgetagen auch mit der frühen Mobilisations- und Rehabilitationsbehandlung. Studien haben bewiesen, dass dieser unmittelbare Übergang die mittel- und langfristigen Behandlungsergebnisse klar verbessert.

Parallel konnte durch die Bildung eines Stroke-Teams und andere Ablaufoptimierungen die sogenannte „door to needle“-Zeit auf ein Rekordniveau verkürzt werden. Unter diesem Begriff versteht man die Zeit von der Einlieferung ins Krankenhaus bis zum Beginn der eigentlichen Behandlung der Schlaganfallsursache. „Wir freuen uns, dass wir nicht nur mit der Zertifizierung unsere Vorreiterrolle in der Schlaganfallbehandlung bestätigen können, sondern gleichzeitig mit unseren hervorragenden „door to needle“-Zeiten Maßstäbe setzen. Damit bieten wir unseren Patienten in mehrfacher Hinsicht ein Spitzenniveau“, sagt Prof. Helmuth Steinmetz, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum.

Schneller starten, länger fortführen - die Zukunft der Schlaganfalltherapie

Die Comprehensive Stroke Unit in der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Frankfurt ist eine 21-Betten-Schlaganfallstation. In einem Kampf der unterschiedlichen Geschwindigkeiten wird die rapide Akuttherapie der ersten Stunden und Tage mit der längerwährenden frühen Mobilisations- und Rehabilitationsbehandlung der ersten Tage und Wochen übergangslos kombiniert. Anders als früher endet die Stroke-Unit-Behandlung nicht zum Beispiel am dritten Tag mit der Verlegung des Patienten auf eine neurologische Allgemeinstation, sondern wird über die Akutphase hinaus ohne Wechsel der Station oder des Behandlungsteams fortgesetzt. Der Zweck dieser Kombination ist es, gleichzeitig mit der eigentlichen Schlaganfallbehandlung bereits weiterreichende interdisziplinäre Rehabilitationsmaßnahmen einzuleiten und damit eine Versorgungslücke zu vermeiden.

Auf der Station stehen neben acht technisch und personell hochgerüsteten Überwachungsbetten für die Akutphase weitere 13 Enhanced-Care-Betten für die direkt anschließende Zeit zur Verfügung. Hier wird also nicht mehr der Patient verlegt, sondern die Intensität und Art der Behandlung seinem individuellen Zustand angepasst. Das über den gesamten Aufenthalt hinweg gleichbleibende Team aus besonders Schlaganfall-erfahrenen Ärzten, Pflegern, Physio-, Ergo-, Sprach- und Schlucktherapeuten garantiert eine spezialisierte Betreuung des Patienten aus einer Hand und im Einklang mit dem aktuellsten Stand des Wissens.

Frankfurter Vorreiterrolle bestätigt

Diese Kontinuität von Akut- und Postakutphase stammt ursprünglich aus Skandinavien und England. Das Konzept hat in wissenschaftlichen Studien zu den bisher besten Langzeitergebnissen der Schlaganfallbehandlung bezüglich Sterblichkeit, Unabhängigkeit von fremder Hilfe sowie der Notwendigkeit der Unterbringung in einem Pflegeheim geführt. Das Frankfurter Neurozentrum hat als erste deutsche Universitätsklinik bereits vor einigen Jahren mit der Entwicklung und dem Aufbau einer solchen Erweiterten Schlaganfalleinheit begonnen. Am 23. April 2013 wurde sie von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe als erste überregionale Comprehensive Stroke Unit der Rhein-Main-Region offiziell zertifiziert.
In Rekordtempo an die Wurzel des Übels

Für das Behandlungsergebnis beim Schlaganfall zählt jede Minute. Die Zeit vom Beginn der Symptome bis zur Wiederöffnung der durch den Schlaganfall verstopften hirnversorgenden Arterie ist entscheidend. Das stoffwechselaktive Gehirngewebe kann ohne Sauerstoff und Glukose nicht lange überleben. Wie schnell die Patienten in einem Krankenhaus behandelt werden, lässt sich an der sogenannten „door to needle“-Zeit ablesen – also der Zeit von der Einlieferung ins Krankenhaus bis zum Beginn der Behandlung der Schlaganfallsursache: die Auflösung des verantwortlichen Gerinnsels (Thrombolyse). Für überregionale Stroke Units wie die am Universitätsklinikum Frankfurt wurde deshalb von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft eine „door to needle“-Zeit von unter 30 Minuten als Ziel festgelegt. In dieser Zeit wird der Patient vom Rettungsdienst entgegengenommen und zum Ausschluss alternativer Ursachen werden eine Labordiagnostik und eine CT-Untersuchung des Gehirns durchgeführt. Daneben stellen die Ärzte durch Befragung von Patienten und Angehörigen sowie durch eine sorgfältige neurologische Untersuchung sicher, dass die Symptome des Patienten tatsächlich auf einen Schlaganfall zurückzuführen sind.

Seit Ende letzten Jahres gibt es am Frankfurter Uniklinikum ein designiertes Stroke Team. Durch eine automatische, simultane Benachrichtigung über das Diensthandy werden zwei Ärzte sowie der Oberarzt der Stroke Unit, eine spezialisierte Stroke-Pflegekraft, die Medizinisch-technische Assistentin im Labor und das CT-Team zusammengerufen.

Dank einer schriftlich festgelegten Arbeitsanweisung kennt jeder seine Aufgaben für einen reibungslosen Ablauf. Mit diesen Maßnahmen konnte die durchschnittliche „door to needle“-Zeit in den letzten Monaten auf unter 20 Minuten gesenkt werden. Damit liegt sie deutlich unter dem Zielwert der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und auf einem deutschlandweit kaum erreichten Niveau.

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie