Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Schmerzmittel hält Krebs in Schach

21.10.2011
Wenn Prostatakrebs zu Absiedlungen in den Knochen führt, verschlechtern sich die Überlebenschancen der Patienten dramatisch.

Wissenschaftler der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin und der Urologischen Klinik des Universitätsklinikums Bonn berichten nun im „Journal of Nuclear Medicine“ über einen Therapieansatz, mit dem sich die Lebenszeit um mehr als ein Jahr verlängern lässt. Das Präparat Re-188 HEDP wurde früher nur zur Schmerzbehandlung eingesetzt, hat aber nach den Erkenntnissen der Forscher eine Tumor hemmende Wirkung.

Das Prostatakarzinom gehört zu den häufigsten und gefährlichsten Krebserkrankungen. In Deutschland sterben daran fast drei von 100 Männern. Im Frühstadium machen die Tumore keine Beschwerden, später können Knochenschmerzen, Blasenprobleme und Blutarmut auftreten. „Dann haben sich meist bereits Metastasen in den Knochen gebildet“, berichtet Prof. Dr. Hans-Jürgen Biersack, Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Bonn.

Die Ärzte versuchen bei Prostatakrebs-Patienten mit Knochenmetastasen, die Tumore mit einer antihormonellen Therapie und einer Chemotherapie in Schach zu halten und mit Präparaten ihre Knochen zu stärken. „Erst wenn diese konservativen Therapieformen nicht mehr greifen, wird die Rheniumtherapie eingesetzt“, berichtet Prof. Biersack. „Es handelt sich also ganz überwiegend um Patienten, bei denen alle anderen Therapieverfahren ausgereizt sind.“ Das Rhenium-Präparat mit der hochenergetischen ß-Strahlung trägt den Kurznamen „Re-188 HEDP“ und wurde in den vergangenen 20 Jahren vor allem für die Schmerzbehandlung von Knochenmetastasen eingesetzt.

Lebenszeitverlängerung der Patienten um bis zu 15,6 Monate

„Unsere Arbeitsgruppe konnte zusammen mit der Urologischen Universitätsklinik nachweisen, dass auch ein direkter Einfluss auf den Tumor eintritt, wenn die Behandlung mit Re-188 HEDP im Abstand von zwei Monaten erfolgt“, berichtet der Direktor der Nuklearmedizin. In der aktuellen Studie behandelten die Ärzte des Bonner Universitätsklinikums mit dem Präparat 60 Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom und Knochenmetastasen. Etwa ein Drittel erhielt eine Re-188 HEDP-Injektion innerhalb von zwei Monaten und eine zweite Gruppe zwei Behandlungen. Eine dritte Gruppe bekam sogar drei bis acht Verabreichungen im Abstand von zwei Monaten. „Die Überlebenszeit der Patienten konnte bei einer Therapie um etwa 4,5 Monate gesteigert werden, bei zwei um rund 10 Monate und bei drei und mehr Therapien sogar um bis zu 15,6 Monate“, sagt Prof. Biersack. „Zudem konnte mit dem Präparat bei rund 90 Prozent der Patienten zumindest temporär eine Schmerzlinderung erreicht werden.“

„Die Wirkung des radioaktiven Rheniumpräparates Re-188 HEDP beruht darauf, dass es sich im stoffwechselaktiven Randbereich des normalen Knochens um die Metastase herum anreichert“, berichtet der Klinikdirektor. „Es erfolgt daher eine Bestrahlung, die aus unmittelbarer Nachbarschaft auf die Metastase wirkt.“ Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass im Laufe mehrerer Behandlungen zwiebelschalenartig jeweils die oberste Schicht der Metastase inaktiviert wird. „Für diese Art der Behandlung eignen sich alle Patienten mit Metastasen, die einen vermehrten Knochenstoffwechsel aufweisen“, sagt Prof. Biersack. „Damit in erster Linie also mit Prostatakarzinom.“ Die Wissenschaftler wollen nun überprüfen, ob die Rheniumtherapie eventuell in Kombination mit anderen Präparaten bereits früher eingesetzt werden kann, um die Lebensspanne der Patienten noch weiter zu verlängern.

Publikation: Palliation and Survival After Repeated 188Re-HEDP Therapy of Hormone-Refractory Bone Metastases of Prostate Cancer: A Retrospective Analysis, Journal of Nuclear Medicine, doi:10.2967/jnumed.111.093674, in Druck

Kontakt:

Prof. Dr. Hans-Jürgen Biersack
Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin
Tel. 0228/28715181
E-Mail: hans-juergen.biersack@ukb.uni-bonn.de

Johannes Seiler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Lymphdrüsenkrebs programmiert Immunzellen zur Förderung des eigenen Wachstums um
22.02.2018 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Forscher entdecken neuen Signalweg zur Herzmuskelverdickung
22.02.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics