Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schmerzen bei Kindern ernst nehmen

18.02.2010
Neuer Forschungs- und Behandlungsschwerpunkt an der verhaltenstherapeutischen Ambulanz Gießen

Kopf- und Bauchschmerzen, Migräne, Rheuma, Rückenschmerzen oder Schmerzen im gesamten Körper, das scheint in erster Linie ein Problem von Erwachsenen oder gar älteren Menschen zu sein. Allerdings können auch Kinder und Jugendliche bereits an solchen wiederkehrenden Schmerzen leiden.

Diese Schmerzen sollten ernst genommen werden, um einen langfristig ungünstigen Verlauf der Schmerzerkrankung abzuwenden. Einen speziell für Kinder und Jugendliche mit chronischen Schmerzen angelegten Forschungs- und Behandlungsschwerpunkt bietet nun die verhaltenstherapeutische Ambulanz der Justus-Liebig Universität Gießen an.

Die wissenschaftliche Federführung liegt bei Prof. Dr. Christiane Hermann (Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie) und Prof. Dr. Rudolf Stark (Leiter der verhaltenstherapeutischen Ambulanz). Als Therapeutin der Ambulanz ist die Diplom-Psychologin Ria Matwich tätig.

Kinder und Jugendliche machen im Alltag vielfältige Schmerzerfahrungen. Sie fallen hin und schlagen sich das Knie auf, Finger werden eingeklemmt oder man bekommt beim Impfen eine Spritze. Wann wird Schmerz zu einem Problem? Laut Ria Matwich ist Häufigkeit von Schmerzen ganz unabhängig von Unfällen oder Verletzungen ein wichtiger Hinweis. "Zu den häufigsten chronischen Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen gehören Kopf- und Bauchschmerzen", betont Prof. Hermann. Laut Umfragen leiden 21,7 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland mindestens vier Mal pro Monat an Schmerzen. Schmerzen können das Kind in seinem Alltag und in seinem Erleben einschränken. Auch für die Eltern ist das eine eine Belastung. Zur Sorge um ihr Kind kommt der Zeitaufwand für häufige ärztliche oder therapeutische Kontakte hinzu. Betroffene und ihre Familie können in einen "Teufelskreis der Schmerzen" geraten, weil sich fast das ganze Leben um den Schmerz dreht. Leider lässt sich nicht immer eine eindeutige organische Ursache finden. Man erklärt sich das Auftreten der Schmerzen mit der Entwicklung eines Schmerzgedächtnisses. Das heißt, der Körper lernt, Schmerzen zu haben.

Der Forschungs- und Behandlungsschwerpunkt "Chronische Schmerzen im Kindes- und Jugendalter" bietet verschiedene Behandlungsverfahren, um kleinen Schmerzpatienten und ihren Familien zu helfen. Dabei kommen unter anderem ein Schmerzbewältigungstraining, Stressreduktion oder Gespräche zum Einsatz. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen haben deren Wirksamkeit gut bele-gen können. Dabei wird ein multidisziplinärer Ansatz verfolgt, die Behandlung findet also in Absprache und Zusammenarbeit mit dem Arzt und anderen Experten, zum Beispiel dem Physiotherapeuten, statt. Der Erfolg spricht für sich: Bei der Mehrzahl der Patienten sind danach die erlebten Schmerzen deutlich verringert.

Um chronische Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen besser zu verstehen und Behandlungsangebote weiter zu verbessern, werden wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt, an der die Patienten und ihre Familie teilnehmen können. "Es ist uns wichtig, wissenschaftliche Erkenntnisse möglichst zeitnah in die klinische Praxis umzusetzen", betont Prof. Hermann. Der Forschungs- und Behandlungsschwerpunkt bietet Interessierten an, sich im Anschluss an eine strukturierte Diagnostik über weitere Behandlungsmöglichkeiten beraten zu lassen, Je nach Ergebnis der Diagnostik erfolgt auch ein Behandlungsangebot direkt in der Ambulanz.

Bei Interesse oder für weitere Informationen steht Diplom-Psychologin Ria Matwich (0641-2093302; schmerz@psychol.uni-giessen.de) für Fragen zur Verfügung.

Kontakt:
Dipl.-Psych. Ria Matwich
Verhaltenstherapeutische Ambulanz
Südanlage 30, 35390 Gießen
Telefon: 0641 2093302

Lisa Dittrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.schmerz.vt-giessen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise