Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schlüsselmechanismus für Ausbruch von Multipler Sklerose entdeckt

24.03.2009
Nervenentzündung geht vom Plexus Choroideus aus

Ein Forscherteam des Institute for Research in Biomedicine (IRB) in Bellinzona und dem Theodor Kocher Institut der Universität Bern sowie der Neuroimmunologie-Abteilung der Universität Genua hat einen Schlüsselmechanismus entdeckt, der den Ausbruch von Multipler Sklerose (MS) im Tiermodell erklärt.

Eine wesentliche Rolle spielt demnach das Molekül CCR6. Die Wissenschaftler berichten in der jüngsten Ausgabe des Fachmagazins Nature Immunology über ihre Entdeckungen.

Die Forscher um die Immunologin Federica Sallusto vom IRB haben das Molekül CCR6 auf den krank machenden T-Zellen als entscheidend für die Auslösung der Gehirnentzündung entschlüsselt. Bei der Multiplen Sklerose greifen die T-Zellen des Immunsystems, die normalerweise den Körper gegen Krankheitserreger schützen, das zentrale Nervensystem an indem sie die Myelin-Schicht zerstören.

Die Wissenschaftler haben nun entdeckt, dass das Molekül CCR6 der "Schlüssel" ist, mit dem die T-Zellen über eine spezielle Struktur des Gehirns - den sogenannten Plexus Choroideus - in die Flüssigkeitsräume des Gehirns vordringen können. Der Plexus Choroideus ist ein Aderngeflecht, in dem die Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit gebildet wird. Die T-Zellen gelangen anschließend in die Hirnrinde, wo sie die Blut-Hirn-Schranke für im Blutkreislauf zirkulierende Immunzellen öffnen. "Wenn diese Pionier-Zellen einmal im zentralen Nervensystem angelangt sind, ebnen sie anderen entzündlichen Zellen den Weg - und die Krankheit nimmt ihren Verlauf", so Sallusto. Interessant sei, dass beim Fehlen dieser Pionier-Zellen', die Krankheit nicht ausbricht.

Nach Meinung von Britta Engelhardt, Professorin am Theodor Kocher Institut der Universität Bern war es bislang nicht klar, dass eine Entzündung im zentralen Nervensystems vom Plexus Choroideus ausgehen kann. "Dieser neue Weg der T-Zelleinwanderung in das zentrale Nervensystem passt jedoch zum Muster der frühen Schädigungen, wie man sie im Tiermodell und bei der MS sieht", erklärt Engelhardt. Wie der Neurologe Antonio Uccelli von der Universität Genua betont, lege dies den Schluss nahe, dass dieser Zellwanderungs-Mechanismus auch beim Menschen wirke. CCR6 sei daher ein Zielmolekül für die Entwicklung einer neuen MS-Therapie.

MS ist eine der häufigsten Ursachen von neurologischen Behinderungen und tritt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Etwa eine von 1.000 Personen ist davon betroffen. Bei gesunden Menschen werden Nervensignale über das zentrale Nervensystem übermittelt. Dazu bedarf es einer intakten Nerven-Schutzschicht. Die Zerstörung der Myelin-Schicht führt zu einer dauerhaften Schädigung der Nervenzellen. Daraus entstehen dann nach einiger Zeit bleibende Behinderungen.

Die Studie wurde vom Schweizerischen Nationalfonds, dem 6. EU-Rahmenprogramm, der National MS Society (USA), der Schweizerischen MS-Gesellschaft sowie der Italienischen MS-Stiftung unterstützt. Die Untersuchungen wurden bei der so genannten experimentellen autoimmunen Enzephalomyelitis (EAE) - dem Tiermodell für die MS - gemacht.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://www.irb.unisi.ch
http://www.tki.unibe.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie