Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schlaganfall: Langzeit-EKG identifiziert mehr Hochrisikopatienten mit Vorhofflimmern

20.12.2013
Die Schlaganfallursache Vorhofflimmern kann bei Patienten mit einem besonders hohen Wiederholungsrisiko durch eine verlängerte Überwachung mit dem EKG identifiziert werden.

Damit können noch mehr Risikopatienten vor einem erneuten Schlaganfall geschützt werden, so das Ergebnis einer Studie mit mehr als tausend Patienten, über die Experten der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) in der Fachzeitschrift Stroke berichten.

„Die in Deutschland sehr gut ausgebaute Infrastruktur der Schlaganfallspezialstationen hat eine wohl durchdachte, gründliche Studie ermöglicht. Sie gibt praxisrelevante Antworten auf die Frage, wie wir die Versorgung unserer Patienten verbessern können“, kommentiert Professor Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen.

An der Studie hatten 1135 Patienten teilgenommen, die an neun deutschen Schlaganfall-spezialstationen (Stroke Units) zwischen Mai 2010 und Januar 2011 wegen eines Schlaganfalls oder einer transienten ischämischen Attacke behandelt worden waren. Bei keinem dieser Patienten hatte es zuvor Hinweise auf Vorhofflimmern gegeben. Bekannt ist allerdings, dass diese Herzrhythmusstörung das Risiko für wiederholte Schlaganfälle nahezu um das Vierfache erhöht. Es ist deshalb üblich, nach einem Schlaganfall mindestens 24 Stunden lang ein Elektrokardiogramm zu erstellen, um gefährdete Patienten zu erkennen und gegebenenfalls durch die Gabe von blutverdünnenden Medikamenten zu schützen.

Beobachtungszeit verdreifacht
Die Studienautoren um Professor Martin Grond, Erster Vorsitzender der DGN
und Chefarzt der Neurologischen Klinik am Kreisklinikum Siegen, sowie Professor Paulus Kirchhof (University of Birmingham Cardiovascular Sciences) haben nun versucht, auch Episoden von Vorhofflimmern nachzuweisen, die nur vorübergehend auftreten. Sie verdreifachten daher die Beobachtungszeit ihrer Patienten unter Einsatz tragbarer Geräte auf 72 Stunden. Das Ergebnis war eindeutig: Die Langzeit-EKGs entdeckten 49 Fälle von Vorhofflimmern, was einem Anteil von 4,3 Prozent entspricht. Bei 29 dieser Patienten (2,6 %) waren die Herzrhythmusstörungen in den ersten 24 Stunden aufgetreten. In 20 weiteren Fällen (1,8 %) jedoch zeigte sich das Vorhofflimmern erst am zweiten oder dritten Tag der Überwachungsperiode. Das heißt: Das 72-Stunden-EKG spürt unter 55 Patienten einen zusätzlichen Fall von Vorhofflimmern auf.
Konsequenzen für die Praxis
„Wenn das Vorhofflimmern durch eine verlängerte EKG-Überwachung erkannt wird, können diese Patienten mit den entsprechenden Gerinnungshemmern behandelt werden und sind nun deutlich besser vor einem erneuten Schlaganfall geschützt“, so die Bilanz von Professor Marek Jauß (Neurologische Klinik Mühlhausen), der die Studie mit initiiert hat. Ein positives Ergebnis im Langzeit-EKG hätte demnach unmittelbare Auswirkungen auf die Art der Sekundärprävention bei diesen Patienten. Jauß merkt außerdem an, dass die vorübergehende Herzrhythmusstörung überproportional häufig bei älteren Patienten entdeckt wurde und bei solchen, die bereits zuvor einen Schlaganfall hatten.
Weitere Fragen, weitere Studien
„Wie jede gute Studie wirft auch diese eine ganze Reihe weiterer Fragen auf“, ergänzt Professor Joachim Röther von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft: Ist es sinnvoll, allen Patienten eine längere Überwachung anzubieten, oder sollte man dies auf jene Gruppen mit einem besonders hohen Risiko beschränken, beispielsweise auf Personen über 65 Jahren und mit einem typischen Hirninfarktmuster in der Kernspintomographie ? Reichen drei Tage Überwachung, oder würde man mit einem längeren Zeitraum noch mehr gefährdete Patienten entdecken? „Vielleicht macht es sogar Sinn, Patienten nach Schlaganfall auch ohne Nachweis von Vorhofflimmern zu antikoagulieren, da dies möglicherweise bei weit mehr Patienten als bisher die bessere Therapie darstellt“, so Professor Diener. „Alle diese Fragen könnten und sollten wir in weiteren Studien klären“, fordert Professor Grond.
Quelle
Grond M, Jauss M, Hamann G, Stark E, Veltkamp R, Nabavi D, Horn M, Weimar C, Köhrmann M, Wachter R, Rosin L, Kirchhof P. Improved Detection of Silent Atrial Fibrillation Using 72-Hour Holter ECG in Patients With Ischemic Stroke: A Prospective Multicenter Cohort Study. Stroke. 2013 Dec;44(12):3357-64

http://stroke.ahajournals.org/content/44/12/3357

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen

Prof. Dr. med Martin Grond
Erster Vorsitzender der DGN, Chefarzt der Neurologischen Klinik am Kreisklinikum Siegen

Tel.: +49 (0) 271 705-1800, Fax: +49 (0) 271 705-1804, E-Mail: grond@dgn.org

Prof. Dr. med. Joachim Röther
Pressesprecher Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Chefarzt der Neurologischen Abteilung Asklepios Klinik Altona
Tel.: +49 (0)40 181881-1401, Fax: +49 (0) 40 181881-4906, E-Mail: j.roether@asklepios.com
Medienkontakt
E-Mail: presse@dgn.org, Tel.: +49 (0) 89 46148622
Pressesprecher: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als medizinische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren mehr als 7.500 Mitgliedern die Qualität der neurologischen Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist seit 2008 Berlin.
Geschäftsstelle
DGN e.V., Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin, Tel: +49 (0)30-531437930, E-Mail: info@dgn.org

Frank A. Miltner | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgn.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie