Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schlaganfall: Einblick in seine Entstehung

04.02.2009
Der Schlaganfall ist eine Volkskrankheit, die bisher nur unzureichend behandelt werden kann. Nun sind Wissenschaftler der Universitäten Würzburg und Leuven (Belgien) einem bislang unbekannten Entstehungsmechanismus auf der Spur: Sie konnten zeigen, dass Mäuse vor Schlaganfall geschützt sind, wenn bei ihnen ein bestimmtes Blut-Eiweiß ausgeschaltet - und damit nicht wirksam - ist. Das berichten sie im Fachjournal BLOOD.

Die Forscher hoffen, dass ihre Erkenntnisse über diesen Entstehungsmechanismus zukünftig auch zu einer verbesserten Therapie beim Menschen führen werden. Konkret konnte die Arbeitsgruppe um Guido Stoll und Christoph Kleinschnitz (Neurologische Universitätsklinik) zusammen mit Bernhard Nieswandt vom Rudolf-Virchow Zentrum nachweisen, dass Mäuse mit einem genetischen Defekt eines bestimmten Blut-Eiweißes, dem sogenannten von Willebrand Faktor, zum einen kleinere Schlaganfälle erleiden. Zum anderen entwickeln sie weniger neurologische Ausfallerscheinungen wie zum Beispiel Lähmungen, wenn sich ihre Gehirnarterien verschließen.

Der von Willebrand Faktor wird unter anderem von Blutgefäßen gebildet, zirkuliert in der Blutbahn und bildet bei Verletzungen eine Art Netz zwischen den Blutplättchen und der Gefäßwand. Dadurch trägt er ganz wesentlich zur Blutstillung bei. Im Rahmen von Schlaganfällen führt er jedoch offensichtlich zu einer überschießenden und ungewünschten Bildung von Blutpfropfen, die die Gefäße verschließen. Menschen mit einem schweren erblichen Mangel an von Willebrand Faktor neigen zum Teil zu vermehrten Blutungen.

"Überraschenderweise fand sich jedoch in den von uns untersuchten Mäusen ohne von Willebrand Faktor keine erhöhte Blutungsgefahr nach Schlaganfällen", berichtet Christoph Kleinschnitz. Bereits 2007 konnten die Forscher zeigen, dass die Blockade des Eiweißes GPIb, welches auf Blutplättchen vorkommt, Mäuse vor Schlaganfällen schützt (Kleinschnitz et al., CIRCULATION 2007). Da der von Willebrand Faktor der wichtigste Bindungspartner von GPIb ist, unterstreichen die aktuellen Ergebnisse nun die besondere Bedeutung dieses Aktivierungswegs für die Schlaganfallentstehung. Jetzt wollen die Wissenschaftler weiter prüfen, ob sich die Befunde langfristig auch auf den Menschen übertragen lassen. Bis es soweit ist, seien jedoch noch eine ganze Reihe weiterer Untersuchungen notwendig, sagt der Neurologe Guido Stoll.

Die Ergebnisse sind im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsbereiches SFB 688 entstanden und am 30. Januar in der Online-Ausgabe von BLOOD erschienen, dem Journal der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie.

"Deficiency of von Willebrand factor protects mice from ischemic stroke", Christoph Kleinschnitz, Simon F. De Meyer, Tobias Schwarz, Madeleine Austinat, Karen Vanhoorelbeke, Bernhard Nieswandt, Hans Deckmyn, and Guido Stoll; Blood 2009; DOI 10.1182/blood-2008-09-180695. Online publiziert am 30. Januar 2009

Weitere Informationen:
Priv. - Doz. Dr. Christoph Kleinschnitz,
T (0931) 201-23765,
E-Mail: christoph.kleinschnitz@uni-wuerzburg.de

Margarete Pauli | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten