Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schlafkomfort ist messbar!

17.07.2009
Der Begriff "Schlafkomfort" ist in aller Munde, wenn es darum geht, die Qualität von Bettwaren anzupreisen.

Zumeist fehlt es aber an objektiven und vergleichbaren Angaben, die es dem Verkaufsberater ermöglichen, Kunden gegenüber eine fundierte und auf die individuellen Bedürfnisse bezogene Empfehlung zu geben.

Was bedeutet Schlafkomfort?
In der Nacht, wenn der Mensch schläft, ist es besonders wichtig, dass die physiologischen Vorgänge im Körper unterstützt werden. Im Vordergrund stehen dabei der Temperaturausgleich des menschlichen Körpers im Verhältnis zur Umgebungstemperatur und das "Wärme- und Feuchtemanagement" innerhalb der "Schlafhöhle". Der Schlafkomfort von Bettwaren definiert somit deren Fähigkeit, eine angenehme Temperatur am Körper während des Schlafes zu gewährleisten und den vom Menschen abgegeben Schweiß schnell und effektiv abzuleiten. Ein hoher Schlafkomfort der Bettwaren ist die Voraussetzung für einen angenehmen und erholsamen Schlaf.
Wie wird der Schlafkomfort gemessen?
In welchem Maße z. B. eine Bettdecke den dahingehenden Anforderungen gerecht wird, hängt maßgeblich von den verarbeiteten Materialien und der Konstruktion des Produktes ab. Die Abteilung Bekleidungsphysiologie an den Hohensteiner Instituten hat in den letzten Jahrzehnten maßgeblich zur Optimierung des Schlafkomforts von Bettwaren beigetragen. Dazu wurden zunächst einmal objektive und reproduzierbare Kennzahlen für den physiologischen Komfort eines textilen Materials und eines fertigen Produktes definiert und entsprechende physikalische Messverfahren entwickelt. Mit deren Hilfe ist es den Hohensteiner Wissenschaftlern nunmehr möglich, die Eigenschaften verschiedener Materialien miteinander zu vergleichen und bei der Entwicklung Hinweise für die Optimierung der Konstruktionen und verwendeten Materialien zu geben. Gerade bei der Messung Wasserdampfdurchlässigkeit ("Atmungsaktivität") von Materialien haben sich die in Hohenstein entwickelten Messmethoden mit dem nach DIN EN 31092 bzw. ISO 11092 normierten Hautmodell als deutlich aussagekräftiger erwiesen als andere Methoden. Darüber hinaus sind sie jederzeit reproduzierbar und bieten damit die Möglichkeit zum objektiven Vergleich verschiedener Produkte. Werden dagegen Messergebnisse ausgelobt, die einen Wert von g/m2 in 24h angeben ist Vorsicht geboten: bei deren Ermittlung wurde meist eine Becher- oder Schalenmethode angewendet, die keine für den Schlafkomfort relevanten Daten liefern. Pauschale Aussagen darüber, welche Materialien einen besonders hohen Schlafkomfort bieten sind nicht möglich, da immer deren Kombination miteinander und die Konstruktion von Garnen und Geweben darüber entscheiden, ob die physiologischen Vorgänge optimal unterstützt werden.

Welche Rolle spielen Körpergewicht und Umgebungstemperatur bei der Auswahl einer Bettdecke?

Im Rahmen des Wärmemanagements spielt bei einer Bettdecke insbesondere deren wärmeisolierende Wirkung eine entscheidende Rolle. Früher galt dabei der Leitsatz: Je dicker und schwerer die Decke, desto besser die Wärmeisolation. Die Forschung in diesem Bereich definiert heute im Gegensatz dazu das Ziel, bei der Entwicklung einer modernen Bettdecke die individuell angepasste Wärmeisolation bei möglichst geringem Gewicht der Decke zu erreichen.

Um sowohl den Herstellern wie auch dem Handel und Verbrauchern die Orientierung zu erleichtern, haben die Hohensteiner Wissenschaftler auf Basis ihrer Untersuchungen für Bettdecken drei Wärmeklassen definiert. Mit Hilfe einer einfachen Grafik kann anhand der nächtlichen Temperatur im Schlafzimmer und des persönlichen Körpergewichts des Schläfers die notwendige Wärmeisolationsklasse individuell ermittelt werden. Diese muss umso größer sein, je geringer die Umgebungstemperatur und das Körpergewicht des Schläfers ist. Während eine Person mit 50 kg Körpergewicht z. B. eine Wärmeproduktion von nur 62 Watt hat, liegt diese bei einer Vergleichsperson mit einem Gewicht von 110 kg bei 101 Watt. Da aber beide Personen die gleiche Temperatur an der Haut zum Wohlbefinden und Aufrechterhaltung der Körperfunktionen während des Schlafes benötigen, muss die Wärmeisolation der Bettdecke für den Menschen mit geringerem Gewicht deutlich höher sein. Auskunft über die Wärmeisolationsklasse einer Bettdecke gibt das Hohensteiner Qualitätslabel, das verstärkt von Herstellern zur Auszeichnung der Ware genutzt wird (Bild 6).

Welche Faktoren spielen neben der Wärmeisolation bei der Auswahl einer Bettdecke nach physiologischen Gesichtspunkten noch eine Rolle?

Selbstverständlich soll eine Bettdecke nicht nur eine optimale Wärmeisolation aufweisen, sondern auch in der Lage sein, überschüssige Wärme und Schweiß effektiv vom Körper des Schläfers wegzuleiten. Die Forscher in Hohenstein untersuchen deshalb die textilen Materialien mit Hilfe eines Hautmodells und weiterer Untersuchungsmethoden im Hinblick auf verschiedene Textilkenngrößen, die jeweils eine bestimmte Materialeigenschaft, darunter auch das Feuchtemanagement darstellen. Im Laufe der Jahre haben die Spezialisten ein komplexes Vorhersagemodell erarbeitet, mit dem aus diesen im Labor ermittelten Werten der thermophysiologische Komfort eines fertigen Produktes ermittelt werden kann. Dieser wird in Form der sogenannten Schlafkomfortnote dargestellt, die von 1 für "sehr gut" bis 4 für "mangelhaft" reicht. Nach Festlegung der optimalen individuellen Wärmeisolationsklasse ist es die Schlafkomfortnote, die entscheidend für die Auswahl einer geeigneten Bettdecke ist.

Bei Bettdecken wird im Hohensteiner Qualitätslabel jeweils eine Schlafkomfortnote für warmes und kaltes Klima angegeben. Entscheidend dafür, ob eher die Schlafkomfortnote für warmes oder kaltes Klima bei der Entscheidung für ein Produkt herangezogen werden muss, ist die Raumtemperatur innerhalb des angestrebten Nutzungszeitraums (Sommer, Winter, ganzjährig) und das individuelle Gewicht des Käufers. Eine Grafik (Bild 5) hilft hier wieder, anhand der Kundenangaben eine Aussage zu treffen. Für eine Person mit einem Körpergewicht von 80 kg zum Beispiel, ist bei einer ganzjährigen Temperatur über 180C die Schlafkomfortnote für warmes Klima entscheidend. Liegt der Wert darunter, ist die Schlafkomfortnote für kaltes Klima bei der Produktauswahl entscheidend.

Wie trägt die Bettwäsche zum Wohlbefinden im Schlaf bei?
Gute Bettwäsche soll in erster Linie die thermophysiologische Funktion der Bettdecke, des Kopfkissens und der Matratze unterstützen. Um auch hier einen objektiven Vergleich zu ermöglichen, informiert das Hohensteiner Qualitätslabel bei Bettwäsche über deren physiologische Komfortnote. Diese reicht von 1 "sehr gut" bis 6 "ungenügend" (Bild 7).

Welches Kriterium lässt sich für die Auswahl von Matratzenbezügen für Allergiker (Encasings) bewerten?

Matratzenbezüge, die allergieauslösende Partikel zurückhalten sind zentraler Therapiebestandteil bei Hausstaubmilben- oder Schimmelpilzallergien. Die notwendige Dichte des Materials schließt eine gute Atmungsaktivität aber keineswegs aus. Aber auch hier sind keine pauschalen Aussagen über geeignete Materialzusammensetzungen möglich, da die Konstruktion des textilen Materials maßgeblich dafür ist, ob es den Wasserdampf in ausreichendem Maße passieren lässt. Das Hohensteiner Qualitätslabel bietet auch hier eine gute Orientierung, da es nur vergeben wird, wenn die Untersuchungen des Encasing-Materials eine gute Atmungsaktivität nachgewiesen haben.

Rose-Marie Riedl | idw
Weitere Informationen:
http://www.hohenstein.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kommunikation ist alles – auch im Immunsystem
28.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie der Stoffwechsel im Zellkern (Krebs-)Gene kontrolliert
28.11.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Im Focus: Towards data storage at the single molecule level

The miniaturization of the current technology of storage media is hindered by fundamental limits of quantum mechanics. A new approach consists in using so-called spin-crossover molecules as the smallest possible storage unit. Similar to normal hard drives, these special molecules can save information via their magnetic state. A research team from Kiel University has now managed to successfully place a new class of spin-crossover molecules onto a surface and to improve the molecule’s storage capacity. The storage density of conventional hard drives could therefore theoretically be increased by more than one hundred fold. The study has been published in the scientific journal Nano Letters.

Over the past few years, the building blocks of storage media have gotten ever smaller. But further miniaturization of the current technology is hindered by...

Im Focus: Successful Mechanical Testing of Nanowires

With innovative experiments, researchers at the Helmholtz-Zentrums Geesthacht and the Technical University Hamburg unravel why tiny metallic structures are extremely strong

Light-weight and simultaneously strong – porous metallic nanomaterials promise interesting applications as, for instance, for future aeroplanes with enhanced...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Papstar entscheidet sich für tisoware

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

Natürliches Radongas – zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

„Spionieren“ der versteckten Geometrie komplexer Netzwerke mit Hilfe von Maschinenintelligenz

08.12.2017 | Biowissenschaften Chemie