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Schlaf erfolgreich trainieren: Neues Selbsthilfeprogramm

16.08.2010
UKM-Experte veröffentlicht Selbsthilfebuch für chronisch schlechte Schläfer

Fast jeder zweite Berufstätige – so eine Studie der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) – leidet unter Ein- und Durchschlafstörungen. Bei zehn Prozent der Bevölkerung sind die Schlafstörungen so belastend, dass sie eigentlich einer Behandlung bedürfen.

Doch damit beginnt das Problem: Trotz der weiten Verbreitung von Schlafstörungen sind Experten für chronische Ein- und Durchschlafstörungen in Deutschland nach wie vor rar. Die Mehrzahl der Schlafmediziner beschäftigt sich alleine mit organisch bedingten Schlafstörungen, vor allem dem krankhaften Schnarchen.

An Tipps zum guten Schlafen mangelt es hingegen nicht. „Schlafhygiene“ heißt das Zauberwort, unter dem Ratschläge wie „heiße Milch mit Honig“, „Wannenbäder mit Kräuterzusätzen“, „Entspannungsmusik am Abend“ und die richtige Abdunkelung und Temperierung des Schlafzimmers zusammengefasst werden. „Diese Maßnahmen sind in der Regel wirkungslos oder bewirken sogar das Gegenteil“, urteilt hingegen der Schlafexperte und Psychotherapeut Dr. Tilmann Müller der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Münster (UKM). „Je mehr der Betroffene über solche schlafhygienischen Maßnahmen seine Aufmerksamkeit auf das Thema Schlaf richtet, desto eher betritt er das Bett mit dem Gedanken ‚Hoffentlich klappt es heute’. Die häufige Folge: Er kann erneut nicht schlafen.“ Müller hat sich zusammen mit seiner Kollegin Dr. Beate Paterok seit über 15 Jahren intensiv mit der Diagnostik und Therapie chronischer Ein- und Durchschlafstörungen beschäftigt. Anhand ihrer Erfahrungen entwickelten sie ein spezielles Training für chronisch schlechte Schläfer, das jetzt erstmalig auch als Selbsthilfebuch veröffentlicht wurde.

„Das Behandlungskonzept beruht auf der so genannten Schlafkompressionstherapie, bei der Betroffene systematisch über acht Wochen angeleitet werden, ihre im Bett verbrachte Zeit zunächst zu verkürzen“, erklärt Dr. Tilmann Müller. Diese „Schlafdiät“ bewirkt, ähnlich wie eine Schlaftablette, einen körperlich zunehmenden Schlafdruck. Die Wachphasen werden nach und nach weniger. Die psychologische Wirkung zeigt sich darin, dass der Patient das Bett irgendwann mit dem Gedanken betritt: „Endlich darf ich mich schlafen legen“. Konsequent angewendet stellt die Schlafkompressionstherapie damit nach Ansicht des Experten eine der wirkungsvollsten Möglichkeiten dar, den Teufelskreislauf einer chronischen Schlafstörung dauerhaft zu durchbrechen. Zahlreiche Arbeitsmaterialien und ein ausführlicher Informationsteil, in dem mit klassischen Schlafmythen („Der Schlaf vor Mitternacht ist der Beste“) aufgeräumt wird, ergänzen den Ratgeber.

Müller T. & Paterok B.: Schlaf erfolgreich trainieren. Hogrefe Verlag 2010

Judith Becker | Universitätsklinikum Münster (UK
Weitere Informationen:
http://www.ukmuenster.de

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