Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schizophrenie früher diagnostizieren

26.03.2012
Veränderungen im Gehirn deuten auf erhöhtes Krankheitsrisiko

Auch bei gesunden Kindern von Schizophrenie-Patienten ist die Kommunikation zwischen den Hirnregionen gestört. Das haben Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Wayne State University in Detroit herausgefunden.

Sie untersuchten die Gehirnaktivität der Probanden und schlossen dann durch mathematische Modelle auf die Interaktion zwischen den Hirnregionen. Die Ergebnisse sollen helfen, Schizophrenie früher diagnostizieren zu können. Die Studie erscheint in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift "Archives of General Psychiatry".

Schizophrenie ist eine schwere psychiatrische Krankheit. Sie betrifft etwa ein Prozent der Bevölkerung, und für Angehörige von Erkrankten ist das Risiko nochmals erhöht: "Jedes zehnte Kind, das ein erkranktes Elternteil hat, leidet selbst an Schizophrenie. Das zeigt schon, dass der genetische Faktor eine große Rolle spielt", erklärt Prof. Simon Eickhoff, der am Jülicher Institut für Neurowissenschaften und Medizin sowie am Institut für Klinische Neurowissenschaften und Medizinische Psychologie der Universität Düsseldorf arbeitet.

Eickhoff hat diesen Zusammenhang nun zusammen mit Dr. Vaibhav Diwadkar von der Wayne State University auch neurowissenschaftlich untermauert. Die Forscher zeigten gesunden Kindern und Jugendlichen zwischen 8 und 20 Jahren Gesichter, die Glück, Angst, Trauer oder Wut ausdrücken. Die mussten sich die jungen Probanden dann einprägen. Währenddessen zeichneten sie deren Gehirnaktivität mit funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) auf und modellierten mit den Ergebnissen, wie die einzelnen Hirnareale miteinander kommunizieren. "Dabei haben wir entdeckt, dass bei den Kindern, deren Eltern erkrankt sind, viele Verbindungsmuster im Gehirn anders aussehen als bei der nicht vorbelasteten Kontrollgruppe. Die Änderungen ähneln denen, die man auch bei Schizophrenie-Patienten findet", fasst Eickhoff zusammen.

Obwohl die Kinder und Jugendlichen keine Krankheitssymptome haben, weisen die Ergebnisse auf Störungen der Kommunikation zwischen Gehirnregionen hin.

Bedeutsam ist dieser Befund auch, weil die untersuchten Kinder noch nicht in dem Alter sind, in dem die Schizophrenie typischerweise ausbricht. Ein erhöhtes Krankheitsrisiko wird also zum einen genetisch beeinflusst, zum anderen ist es auch neurologisch erkennbar. "Solche Untersuchungen des Gehirns könnten dabei helfen, Risikogruppen zu erkennen und Schizophrenie früh zu diagnostizieren", sagt Eickhoff. Denn je früher Patienten eine Diagnose und damit auch eine Therapie erhalten, desto höhere Chancen auf einen besseren Krankheitsverlauf haben sie.

Originalpublikation:
Vaibhav A. Diwadkar, PhD; Sunali Wadehra, MA; Patrick Pruitt, BS; Matcheri S. Keshavan, MD; Usha Rajan, MA; Caroline Zajac-Benitez, BA; Simon B.
Eickhoff, Dr. med., Disordered Corticolimbic Interactions During Affective Processing in Children and Adolescents at Risk for Schizophrenia Revealed by Functional Magnetic Resonance Imaging and Dynamic Causal Modeling.
Arch Gen Psychiatry. 2012;69(3):231-242;
doi:10.1001/archgenpsychiatry.2011.1349
http://archpsyc.ama-assn.org/cgi/content/short/69/3/231
Ansprechpartner:
Prof. Simon Eickhoff
Tel.: 02461 61-8609
s.eickhoff@fz-juelich.de
Pressekontakt:
Forschungszentrum Jülich:
Hanna Metzen Tel.: 02461 61-8027, h.metzen@fz-juelich.de Erhard Zeiss, Tel.: 02461 61-1841, e.zeiss@fz-juelich.de
Uni Düsseldorf:
Susanne Dopheide
Tel.: 0211 81-04173
Susanne.dopheide@med.uni-duesseldorf.de
Das Forschungszentrum Jülich...
... betreibt interdisziplinäre Spitzenforschung, stellt sich drängenden Fragen der Gegenwart und entwickelt gleichzeitig Schlüsseltechnologien für morgen. Hierbei konzentriert sich die Forschung auf die Bereiche Gesundheit, Energie und Umwelt sowie Informationstechnologie. Einzigartige Expertise und Infrastruktur in der Physik, den Materialwissenschaften, der Nanotechnologie und im Supercomputing prägen die Zusammenarbeit der Forscherinnen und Forscher. Mit rund 4 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehört Jülich, Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, zu den großen Forschungszentren Europas.

Erhard Zeiss | Forschungszentrum Jülich
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neurorehabilitation nach Schlaganfall: Innovative Therapieansätze nutzen Plastizität des Gehirns
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

nachricht Die Parkinson-Krankheit verstehen – und stoppen: aktuelle Fortschritte
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Hochvolt-Lösungen für die nächste Fahrzeuggeneration!

25.09.2017 | Seminare Workshops

Seminar zum 3D-Drucken am Direct Manufacturing Center am

25.09.2017 | Seminare Workshops