Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schimmelpilzinfektion: Forscher wollen Risiko nach Stammzelltransplantationen verringern

20.09.2011
Die Gefahr, an einer Schimmelpilzinfektion zu erkranken, ist besonders groß, wenn das körpereigene Immunsystem geschwächt ist – wie etwa nach Krebs-Behandlungen durch Chemotherapie oder Stammzelltransplantation.

Trotz der heute zur Verfügung stehenden Gegenmaßnahmen ist die Sterblichkeit bei einer Infektion hoch. Der Grund: Die Wirkung des Erregers auf den Körper und dessen biologische Antwort sind nur unzureichend geklärt. Das will Professor Hermann Einsele von der Uniklinik Würzburg zusammen mit einem Forscherteam ändern. Sie wollen die Wechselwirkung zwischen Schimmelpilz und Immunsystem aufklären und testen, ob die Infektionsanfälligkeit der Patienten durch deren Erbgut vorbestimmt ist.

Der Schimmelpilz Aspergillus fumigatus ist in der Umwelt weit verbreitet. Im Durchschnitt atmet jeder Mensch täglich etwa 50 bis 100 Aspergillus-Sporen ein, das angeborene Immunsystem des Menschen sorgt im Normalfall jedoch dafür, dass die Pilzsporen noch in der Lunge unschädlich gemacht werden.

Nach einer Stammzelltransplantation wird das Immunsystem jedoch künstlich geschwächt, um die Abstoßung der transplantierten Zellen zu verhindern. Jeder zehnte Patient erkrankt daher an einer invasiven Aspergillose (IA). Unbehandelt ist die Infektion in der Regel tödlich. Aber auch trotz Behandlung sterben heute noch bis zu 75 Prozent der Betroffenen an den Folgen dieser Infektion. Der Schimmelpilz breitet sich zuerst im Lungengewebe und anschließend im ganzen Körper aus. Dabei befällt er auch andere Organe wie Nieren, Herz und Gehirn. Ursachen der hohe Sterblichkeit sind die bisher fehlenden Möglichkeiten, die Infektion frühzeitig zu erkennen und unzureichende Kenntnis über die zu Grunde liegenden pathophysiologischen Vorgänge während dieser Infektion.

Die Schimmelpilzinfektion nach einer Stammzelltransplantation stellt eine typische Situation dar, in der das Immunsystem auf einen Erreger reagieren muss, der die Immunschwäche gezielt nutzt, um sich im Körper zu vermehren. Wegen der starken künstlichen Hemmung des Abwehrsystems und der Bestrahlung ist zu diesem Zeitpunkt vor allem die sogenannte „spezifische Immunantwort“ des Körpers, also die Aktivitäten von T-Zellen und Antikörpern, stark geschwächt. Bedingt einsatzfähig in dieser Situation bleibt lediglich die „unspezifische Immunabwehr“. Darunter versteht man vor allem die Aktivität von Fresszellen wie Makrophagen oder Granulozyten sowie von dendritischen Zellen. Um neue Therapieformen entwickeln zu können, müssen daher vor allem die Wechselwirkungen dieser Zellen mit dem Erreger genauer aufgeklärt werden.

Zusammen mit Dr. Jürgen Löffler am Uniklinikum Würzburg, Dr. Frank Ebel am Pettenkofer-Institut für Hygiene in München und Professor Thomas Wienker am Institut für medizinische Biometrie der Universität Bonn hat Prof. Einsele ein umfangreiches Forschungsprojekt gestartet. Die Forscher untersuchen das Verhalten von Granulozyten, Makrophagen und dendritischen Zellen bei der Immunabwehr gegen A. fumigatus in seinen verschiedenen Entwicklungsstadien wie Sporen oder Keimschläuchen. Erstmals soll dabei auch der Einfluss von Sauerstoffarmut (Hypoxie) auf das Verhalten der Immunzellen analysiert werden. Bereiche, in denen Sauerstoffarmut herrscht, treten bei einer invasiven Aspergillose aufgrund von absterbendem Gewebe sogar in der Lunge regelmäßig auf.

Desweiteren wollen die Forscher klären, ob sich mit Blick auf das Erbgut eines Patienten schon vorhersagen lässt, wie hoch dessen Risiko ist, an einer Infektion zu erkranken. Dazu müssen die Forscher herausfinden, ob und wo genau sich eine solche Sensibilität gegenüber A. fumigatus in den Genen ablesen lässt. Sollte es gelingen, einen solchen „genetischen Marker“ zu finden, ließen sich Patienten bereits vor der Stammzelltransplantation in entsprechende Profile einordnen – mit potenziell hohem oder niedrigem Risiko zur Entwicklung einer invasiven Aspergillose. Hochrisikopatienten könnten dann gezielt eine engmaschige Diagnostik oder eine Vorsorgetherapie gegen die Pilzerkrankung erhalten.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 300.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Projekt-Ansprechpartner:
PD Dr. rer. nat. Jürgen Löffler
Universitätsklinikum Würzburg, Medizinische Klinik II
E-Mail: loeffler_j@klinik.uni-wuerzburg.de
Telefon: ++49/(0)931/201-36412

Sylvia Kloberdanz | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

nachricht Schnelltests für genauere Diagnose bei Hirntumoren
17.05.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rotierende Rugbybälle unter den massereichsten Galaxien

23.05.2018 | Physik Astronomie

Invasive Quallen: Strömungen als Ausbreitungsmotor

23.05.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Matrix-Theorie als Ursprung von Raumzeit und Kosmologie

23.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics