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Die Schattenseiten des Sonnenlichts

19.07.2010
Die Zahl der Patienten mit hellem Hautkrebs nimmt zu

Top-Thema der 22. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie 2010

Zu den Risikofaktoren für hellen Hautkrebs zählt in erster Linie eine intensive und langfristige Sonnenbestrahlung der Haut. Daher treten das Basalzellkarzinom und das Plattenepithelkarzinom, wie der helle Hautkrebs in der Fachsprache genannt wird, vorwiegend an Körperstellen auf, die naturgemäß häufig dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Also Gesicht und Hals sowie Hände und Arme. Der Anstieg von Neuerkrankungen an hellem Hautkrebs in den letzten 30 Jahren ist dramatisch. Mittlerweile ist es der häufigste Krebs mit über 100.000 neuen Fällen pro Jahr überhaupt.

So wird heute bei 100 bis 500 Patienten pro 100.000 Einwohner (Deutschland: ca. 90.000 Neuerkrankungen pro Jahr) ein Basalzellkarzinom diagnostiziert. Beim Plattenepithelkarzinom der Haut sind es 30-100 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner jährlich (ca. 30.000 Neuerkrankungen pro Jahr). „Den besten Schutz bietet eine frühzeitige und regelmäßige Untersuchung der Haut durch entsprechend ausgebildete Dermatologen“, sagt Frau Professor Dr. Carola Berking von der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).

Hautkrebsscreening

Seit Juli 2008 haben gesetzlich versicherte Männer und Frauen ab 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf eine Untersuchung zur Früherkennung von Hautkrebs. Damit sind in Deutschland rund 45 Millionen Menschen anspruchsberechtigt.

Zu diesem Krebsfrüherkennungsprogramm gehört die Inspektion der Haut vom Scheitel bis zur Sohle durch einen für das Hautkrebsscreening zertifizierten Haus- oder Hautarzt. Die Patienten können diese Leistung wie gewohnt mit ihrer Versichertenkarte in Anspruch nehmen. Sie müssen nicht in Vorleistung treten, eine Praxisgebühr (derzeit 10 Euro) ist nicht erforderlich. Die Ärzte wiederum, die das Screening erbringen, erhalten eine extrabudgetäre Vergütung (etwa 27 Euro).

Für die Zertifizierung müssen Hausärzte (Fachärzte für Allgemeinmedizin, Innere Medizin oder Praktische Ärzte) und Hautärzte einen 8-stündigen Kurs absolvieren, in dem die wichtigsten Inhalte zu Epidemiologie, Ursache, und vor allem Diagnostik von Hautkrebs gelehrt werden. Hat der Hausarzt bei der Durchführung des Hautkrebsscreenings einen Verdacht, so muss er den Patienten an einen Hautarzt weiterschicken. Der führt zunächst ein erneutes Hautkrebsscreening durch. Bestätigt sich der Hautkrebsverdacht, folgen weitere diagnostische und therapeutische Maßnahmen, die als normale Kassenleistung abgerechnet werden.

Formen von Hautkrebs und Behandlungsmöglichkeiten

Zum hellen oder nichtmelanozytären Hautkrebs (NMSC) zählen das Basalzellkarzinom (Basaliom) und das Plattenepithelkarzinom (spinozelluläres Karzinom, Spinaliom). Diese Tumoren stammen von den Keratinozyten in der Oberhaut, der Epidermis, und kommen überwiegend auf der chronisch der Sonne ausgesetzten Haut (Gesicht, Kopfhaut) älterer Menschen vor. Den Grund erläutert Frau Prof. Berking: „Wird die Haut über Jahre ultravioletter Strahlung ausgesetzt, steigt das Risiko für die Entstehung von Hautkrebs, da sich die UV-induzierten Schäden am Erbgut der Zellen aufaddieren.“

Weitaus häufiger als der voll ausgebildete Hautkrebs sind seine Vorstufen, die so genannten aktinischen (oder solaren) Keratosen, die oft flächenhaft ausgebreitet vorkommen. „Klinisch handelt es sich um rote oder bräunliche Flecken mit leichter Schuppung bis hin zu dicker Verhornung“, erklärt Frau Prof. Berking. Dass sich daraus einmal Hautkrebs entwickelt, wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 5-15% angegeben. Die Behandlung der Vorstufen kann operativ bzw. ablativ und medikamentös erfolgen, d.h. die Stellen werden entweder mit unterschiedlichen Instrumenten chirurgisch abgetragen oder durch das Auftragen bestimmter Substanzen entfernt.

Photodynamische Therapie

„Eine weitere Alternative ist die topische photodynamische Therapie (PDT). Sie hat sich in den letzten Jahren zu einem neuen Standbein der Behandlung von hellem Hautkrebs entwickelt“, sagt die LMU-Dermatologin. „Dabei wird der photosensibilisierende Wirkstoff äußerlich aufgetragen und vornehmlich von den stoffwechselaktiven Tumorzellen aufgenommen. Es entstehen lichtempfindliche Zwischenprodukte, die durch Bestrahlung aktiviert werden. Die aufgenommene Energie wird dann auf Sauerstoff übertragen, der wirkt toxisch und zerstört so die Zelle.“

Nach wenigen Tagen bis Wochen zeigt sich eine narbenlose Abheilung. Die kosmetisch sehr guten Ergebnisse sowie die nicht invasive, blutungsfreie und relativ einfache Durchführbarkeit der PDT mit der Möglichkeit, ein ganzes Areal gleichzeitig zu behandeln, ohne die Grenzen der kanzerösen Veränderungen exakt kennen zu müssen, machen die PDT zu einer attraktiven und vielen anderen Methoden überlegenen Behandlungsoption.

Kontakt:
Prof. Dr. Carola Berking
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU)
Frauenlobstr. 9-11/Thalkirchner Str. 48
80337 München
Tel: +49 (0)89/5160-6325
Dermatologische Fortbildungswoche
Die größte Fortbildungsveranstaltung im Bereich der Dermatologie im deutschsprachigen Raum findet 2010 zum 22. Mal in München im Kulturzentrum Gasteig und im Holiday Inn – Munich City Center statt. Über 2.000 Teilnehmer haben sich angemeldet, darunter auch eine Vielzahl von Gästen aus dem Ausland. Die Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie fand erstmals 1951 statt, initiiert von der Klinik und Poliklinik für Allergologie und Dermatologie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Seither wird sie alle zwei Jahre mit großem Erfolg durchgeführt.

Tagungsleiter ist Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Ruzicka, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU. Verantwortlich für das wissenschaftliche Programm zeichnet Prof. Dr. Hans Wolff, Tagungssekretär ist Prof. Dr. Peter Thomas.

Philipp Kreßirer | Klinikum der Universität München
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-muenchen.de

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