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Scharlach – eine weit verbreitete Kinderkrankheit

17.08.2012
Die Stiftung Kindergesundheit informiert über eine weit verbreitete Kinderkrankheit und ihre richtige Behandlung.

Nach wie vor zählt Scharlach zu den häufigsten Infektionskrankheiten bei Kindern – zum Glück nicht mehr zu den gefährlichsten. Scharlach kommt heute seltener vor als noch vor 50 Jahren, verläuft leichter und lässt sich mit Antibiotika so gut behandeln, dass praktisch kein Kind mehr an dieser Krankheit sterben muss.

Die epidemisch auftretende Infektionskrankheit wurde in früheren Jahrhunderten in ihrer Gefährlichkeit mit Pest, Typhus und Cholera verglichen. Die Sterberate betrug in manchen Epidemien 20 Prozent, teilweise starben sogar mehr als 50 Prozent der mit Scharlach angesteckten Kinder. Selbst in die Literatur fand die Krankheit Eingang: Nachdem zwei seiner zehn Kinder an Scharlach gestorben waren, schrieb der Dichter Friedrich Rückert um 1830 seine „Kindertotenlieder“, die später von Gustav Mahler vertont worden sind. Auch Mahlers Tochter Maria Anna („Putzi“) wurde mit fünf Jahren Opfer einer kombinierten Scharlach-Diphtherie-Infektion.

Die Erreger des Scharlachs sind Bakterien, Streptokokken der Gruppe A. Davon gibt es rund 80 verschiedenen Typen, die normalerweise eine Streptokokken-Angina, also eine Halsentzündung, verursachen. Der Scharlach ist eine Sonderform der Streptokokken-A-Infektion, der durch spezielle Streptokokken-Typen hervorgerufen wird. Sie sind in der Lage, ein spezielles Scharlachgift zu produzieren, das den typischen Scharlachausschlag auslöst. Im Grunde ist Scharlach also eine Streptokokken-Angina mit Ausschlag.

Die Abwehrkräfte des Kindes produzieren Antikörper gegen diesen Giftstoff, so dass es anschließend gegen Scharlach immun ist. Da es aber mindestens vier Scharlacherreger gibt, erkranken manche Kinder mehrmals an Scharlach. Solche Zweiterkrankungen haben nichts damit zu tun, ob das Kind mit Penicillin behandelt worden ist, betont die Stiftung Kindergesundheit in ihrer Stellungnahme.

In Deutschland erkranken jährlich mindestens 50.000 Menschen an typischem Scharlach, die Zahl der von einer Streptokokken-Angina Betroffenen wird auf 1 bis 1,5 Millionen geschätzt. Nach einer aktuellen Statistik der Krankenkasse „Barmer GEK“ wird in einem Jahr bei 6,27 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren Scharlach diagnostiziert.

Wie steckt sich das Kind mit Scharlach an?
Streptokokken werden meistens durch Tröpfchen aus dem Atem übertragen, aber auch durch Wäsche, Kleidung, Spielzeug und Bücher. Gelegentlich verbreiten sie sich auch über verunreinigte, schlecht gekühlte Lebensmittel.

Scharlachepidemien treten meist in der kalten Jahreszeit auf, besonders bei relativ trockenem und windigem Wetter. Obwohl schon Babys vom sechsten Monat an infiziert werden können (vorher haben sie noch einen „Nestschutz“ von der Mutter), tritt Scharlach oft erst zwischen dem dritten und achten Lebensjahr auf, mit einem Gipfel im vierten Lebensjahr. Mit zehn Jahren nimmt die Ansteckungsgefahr ab, erlischt aber nie völlig. Eine Schutzimpfung gegen Scharlach gibt es nicht.

Wichtig zu wissen: Auch gesunde Menschen sind manchmal Träger von Streptokokken. Sie können in seltenen Fällen ebenfalls die Bakterien beim Husten und Niesen weitergeben.

Die Inkubationszeit bis zur Ausbrütung der Krankheit beträgt drei bis fünf Tage, Schwankungen von ein bis sieben Tagen sind möglich. Später als acht Tage nach dem Kontakt mit einem Scharlachkranken ist aber kaum noch mit einer Ansteckung zu rechnen.

Wie sieht der Scharlachausschlag aus?
Er besteht aus winzigen, höchstens stecknadelkopfgroßen, dicht beieinander liegenden Flecken. Wenn man mit der Handfläche über die Haut streicht, fühlt sie sich an wie Sandpapier oder eine leichte Gänsehaut. Die Erhebungen des Ausschlags sind zunächst zart rosa, später flammend rot (eben scharlachrot). Die Gesichtshaut dagegen ist glatt, aber intensiv gerötet. Die Mund- und Kinnpartie bleibt jedoch wie ein Milchbart von der Rötung ausgespart.

Der Rachen des Kindes ist düster rot. Die Zunge zeigt zunächst einen weißgelben Belag, der nach ein bis zwei Tagen abgestoßen wird.

Danach ist die Oberfläche der Zunge auffallend gerötet und geschwollen und sieht wie eine Erdbeere aus. Nach einigen Tagen beginnt die Haut, sich besonders an den Handinnenflächen und den Fußsohlen zu schuppen.

Weil die Krankheit heute meist leicht verläuft, ist der Ausschlag am Körper oft nur blass rosa und tritt lediglich wenige Stunden lang auf. Es gibt sogar Fälle, die völlig ohne Ausschlag verlaufen. Das Kind hat nur Schluckbeschwerden. Erst nach einigen Tagen zeigt das Abschuppen seiner Haut, dass es Scharlach durchgemacht hat.

Bekommt ein Kind hohes Fieber und zeigt Scharlachsymptome, sollten die Eltern auf jeden Fall mit einem Kinder- und Jugendarzt Kontakt aufnehmen, empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit. Diagnostiziert der Arzt Scharlach, wird er dem Kind in aller Regel Penicillin verordnen. Sollte dieses Antibiotikum nicht anschlagen oder nicht gut vertragen werden, kann auf ein anderes Antibiotikum, z. B. auf orale Cephalosporine ausgewichen werden.

„Von größter Wichtigkeit ist die unbedingte Einnahme des vom Arzt verordneten Antibiotikums, so lange, wie es vom Arzt vorgeschrieben ist, also in den meisten Fällen 10 Tage lang“, betont Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit mit großem Nachdruck. „Mit Hilfe der Penicillin-Behandlung geht es dem Kind zwar schon nach 24 bis spätestens 48 Stunden wieder gut. Das Verschwinden der Beschwerden bedeutet aber nicht, dass damit auch die Bakterien eliminiert sind! Die Behandlungsdauer von zehn Tagen ist notwendig, um alle Bakterien abzutöten. Bleiben Reste im Organismus, könnte die Krankheit wieder aufflackern. Außerdem besteht die Gefahr, dass sich Erreger an das Antibiotikum gewöhnen, also eine Resistenz entwickeln“.

In Ausnahmefällen kann Penicillin auch in einer einzigen Injektion verabreicht werden. Diese Spritze in den Muskel ist jedoch ziemlich schmerzhaft und wird deshalb Kindern nur ungern zugemutet. Penicillin beeinträchtigt übrigens nicht die Fähigkeit des Organismus, gegen die Scharlacherreger Antikörper zu bilden.

Schneller gesund – dank Penicillin
Antibiotika sind keine harmlosen Medikamente und sollten deshalb nicht bei jedem fieberhaften Infekt verordnet werden, mahnt die Stiftung Kindergesundheit. Bei schweren bakteriellen Infektionen können sie jedoch ein Segen sein – wie bei Scharlach. Die Hauptvorteile der Penicillin-Behandlung für das Kind:

o Die Beschwerden verschwinden schneller,

o die Ansteckungszeit wird abgekürzt,

o das Kind darf eher wieder in den Kindergarten oder zur Schule,

o gefährliche Komplikationen werden vermieden.

Das Risiko wird oft unterschätzt
Die erfolgreiche Behandlung des Scharlachs hat leider auch eine Schattenseite: Es gerät zunehmend in Vergessenheit, welche gefährlichen Folgen die Krankheit haben kann. Im Glauben, der samtartige Ausschlag sei eine mehr oder weniger harmlose Kinderkrankheit, lehnen einige Eltern eine Antibiotikabehandlung ab. Zum Nachteil der kleinen Patienten, meint die Stiftung Kindergesundheit, denn die Krankheitserreger lösen manchmal auch Komplikationen aus: z.B. schmerzhafte Entzündungen des Mittelohrs oder der Nebenhöhlen, Schwellungen der Lymphdrüsen und gefährliche Abszesse in den Rachenmandeln.

Professor Koletzko: „Besonders gefürchtet sind die Folgekrankheiten: Mit einer Verzögerung von drei bis fünf Wochen nach der eigentlichen Ansteckung kann das akute rheumatische Fieber ausbrechen. Es führt zu Gelenkveränderungen mit Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen. Ein besonders ernsthaftes Risiko ist das so genannte Scharlachherz, eine Entzündung des Herzmuskels und der Herzinnenhaut, manchmal auch der Herzklappen. Auch akute Nierenentzündungen sind möglich. Eine übertriebene Angst vor Antibiotika ist deshalb gerade bei dieser Krankheit völlig unangebracht“.

Wann steckt das Kind andere an?
Bevor es Antibiotika gab, hatten es scharlachkranke Kinder schwer: Sie wurden sechs Wochen lang völlig isoliert. Die Wohnung musste gründlich desinfiziert werden, ebenfalls alle Gegenstände, die das kranke Kind benutzt hat. Bücher und Spielsachen mussten verbrannt werden.

Ein mit Penicillin behandeltes Kind ist dagegen schon am Tag nach Behandlungsbeginn nicht mehr ansteckend. Wenn es sich wieder wohl fühlt, kann es meist schon nach wenigen Tagen wieder in den Kindergarten oder zur Schule. In einem Merkblatt des Robert Koch Instituts Berlin heißt es dazu: „Eine Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen kann bei einer Antibiotikatherapie und ohne Krankheitszeichen ab dem zweiten Tag erfolgen, ansonsten nach Abklingen der Krankheitssymptome. Ein schriftliches ärztliches Attest ist nicht erforderlich.“.

Scharlachkranke Kinder ohne Penicillinbehandlung gelten dagegen drei Wochen lang als „infektiös“. Nach Paragraph 34 des Infektionsschutzgesetzes IfSG dürfen sie die Kita, den Kindergarten oder die Schule so lange nicht besuchen, „bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit durch sie nicht mehr zu befürchten ist“. Das ist erst nach etwa drei Wochen der Fall.

So verläuft Scharlach

1. Tag:
Völlig unvermittelt bekommt das Kind Fieber, Hals und Kopfschmerzen. Oft muss es auch erbrechen. Sein Hals tut weh, das Schlucken wird beschwerlich.
2. bis 4. Tag:
Die Temperatur steigt auf 39 bis 40 Grad und bleibt ohne Penicillin einige Tage auf etwa gleicher Höhe. Antibiotika dagegen senken das Fieber innerhalb von 24 Stunden. Etwa zwei Tage nach Beginn der Halsschmerzen tritt der Ausschlag auf: Er fängt in den Achselhöhlen und an den Innenseiten der Oberschenkel an. Von dort greift er auf den ganzen Körper über. Die anfangs weiß belegte Zunge wird rot und sieht wie eine Erdbeere aus. Der Rachen ist düster rot verfärbt.
5. bis 7. Tag:
Die „Erdbeerzunge“ wird von der „Himbeerzunge“ abgelöst: Die Schleimhaut der Zunge schuppt sich allmählich ab und die Zungenoberfläche ist auffallend gerötet und geschwollen.

Auch die Lymphknoten im Kieferwinkel sind vergrößert und druckempfindlich. Das Gesicht ist gerötet, um Mund und Nase bleibt die Haut jedoch blass.

Vom 7. Tag an:
Der Ausschlag geht zurück, die Haut beginnt sich abzuschälen, zunächst am Hals und dann auch am restlichen Körper. An Händen und Füßen lassen sich oft ganze Fetzen abziehen, während sich am Bauch feine Schuppen ablösen. Dieses Abschuppen dauert drei, manchmal aber auch mehrere Wochen.
Vorbeugen ist besser als heilen.
Deshalb setzt sich die 1998 gegründete Stiftung Kindergesundheit für eine verbesserte Gesundheitsvorbeugung ein, fördert die hierzu notwendige Forschung und die Verbreitung wissenschaftlich gesicherter Informationen für Ärzte und Familien mit Kindern. Unser Engagement gilt nicht nur Kindern mit besonderen gesundheitlichen Problemen. Die gewonnenen Erkenntnisse kommen allen Kindern und ihren Familien zugute.

Hildegard Debertin | Stiftung Kindergesundheit
Weitere Informationen:
http://www.kindergesundheit.de/

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