Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sauberes Trinkwasser und Toiletten gegen weltweite Armut

20.10.2008
Mindestens 1,4 Mio. Kinder sterben jährlich an Durchfallerkrankungen

Experten zufolge gibt es zwei wesentliche Schritte, die die weltweite Armut sofort reduzieren könnten: Der Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu Toiletten.

Der Ausbau der Wasserinfrastruktur wäre Arbeitgeber lokaler Unternehmer, das Gesundheitssystem würde entlastet werden und die individuelle Produktivität nehme zu. Zu diesem Schluss kommt ein Forscherteam der UN-Universität. "Die beiden Probleme gehen Hand in Hand, denn die Trinkwasserproblematik hat einfach sehr viel mit fehlenden Sanitäreinrichtungen zu tun", so Zafar Adeel, Direktor des International Network on Water, Environment and Health (INWEH) der UN-Universität im pressetext-Interview. Um das weltweit zu ändern sind etwa zwölf bis 20 Mrd. Dollar jährlich erforderlich. Im Vergleich dazu betragen die weltweiten Ausgaben für Tierfutter jährlich etwa 13 Mrd. Dollar.

Adeel liegt besonders am Herzen, dass die meisten Menschen unwissend über die Tatsachen sind. "Wir müssen die Allgemeinheit darauf hinweisen, welche Bedeutung sauberes Trinkwasser hat." Zudem komme noch die demografische Veränderung und das Problem des Klimawandels hinzu. Wärmere Temperaturen sorgen dafür, dass sich Pathogene im Wasser noch schneller und rasanter vermehren können. "Die Konsequenzen daraus, dass Menschen kein sauberes Trinkwasser und keinen Zugang zu adäquaten Sanitäranlagen haben, sind verheerend. Mindestens 1,4 Mio. Kinder - die Hälfte davon unter fünf Jahre alt - sterben jährlich an Durchfallerkrankungen", so Adeel. Experten gehen davon aus, dass 94 Prozent der Fälle zu verhindern wären.

Als weiteren Schritt habe man nun eine globale Landkarte entwickelt, die genau die Schwerpunkte der Projekte anzeigt. "In Europa ist das Problem so gut wie nicht vorhanden. Wirklich dramatisch ist es in Afrika - hier vor allem in den Ländern südlich der Sahara sowie in Südafrika, in Zentral- und Südost-Asien, aber auch in China." Die größten Hindernisse in der Bekämpfung der Wasserversorgung sei die Aufsplitterung in der Zugehörigkeitsfrage. Hier stünden Umwelt-, Gesundheits- und Infrastrukturminister einander gegenseitig im Weg. "Eine erfolgreiche Integration des Problems konnten wir etwa in Madagaskar feststellen. Dort wurde ein Ministerium für Wasser und sanitäre Einrichtungen geschaffen."

Dass die Regierungen - vor allem jene in ohnehin armen Ländern - nicht für die gesamte Infrastruktur aufkommen können, steht für den Experten außer Frage. "Hier könne mit neuen Instrumenten wie etwa Mikrokrediten abgeholfen werden." Man müsse zudem auch mehr in die Entwicklung von effektiven Modellen investieren, die in der Lage sind, Abhilfe zu schaffen, meint Corinne Wallace, ebenfalls Wissenschaftlerin am INWEH gegenüber pressetext. Warum globale Hilfsprojekte, wie etwa die Bill und Melinda Gates-Stiftung, die jährlich Millionen Dollar zur Behandlung und Bekämpfung von Krankheiten in der ganzen Welt ausgibt, nichts oder nur wenig für die Wasserversorgung ausgeben, wollen die Forscher nicht kommentieren. "Dass die Stiftung Millionen für die Cholera-Vakzine ausgeben, ist positiv zu beurteilen. Das wahre Problem ist aber die Ursache der Erkrankung", meint Adeel. Und die beziehe sich wieder auf die Bereitstellung von sauberem Trinkwasser.

Vom 20. bis 22. Oktober beraten internationale Experten - darunter auch jene der INWEH in der kanadischen Stadt Hamilton über eine zukünftige Reform der Wasserversorgungspolitik. "Einer der wichtigsten Schritte dabei ist und bleibt das Aufrütteln der Allgemeinheit hinsichtlich dieses Problems", so Adeel. Schließlich gelte es, die von den UN-Staats- und Regierungschefs vereinbarten Millenniumsziele - nämlich die Zahl der Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben - bis 2015 zu halbieren.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.inweh.unu.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schnelltests für genauere Diagnose bei Hirntumoren
17.05.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

nachricht Antibiotikaresistenz – schneller und zuverlässiger Nachweis
14.05.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics