Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sag dem Smartphone, wie`s Dir gerade geht - App erfasst Magersucht-Symptome besser

21.01.2015

Um bei seelischen Erkrankungen psychische Prozesse wie das Empfinden von positiven wie negativen Emotionen möglichst unverfälscht dokumentieren zu können, setzen die Ärzte und Wissenschaftler der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden auch auf Smartphones.

In einem derzeit laufenden Forschungsprojekt erhalten Patientinnen, die unter Magersucht – Anorexia Nervosa – leiden, ein solches mit einer App versehenes Gerät. Die von den Wissenschaftlern eigens entwickelte App stellt in unregelmäßigen Abständen mehrmals täglich Fragen zu aktuellen Empfindungen, Tätigkeiten und Wünschen.


Eine spezielle, von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie entwicklete App erfasst im Alltag auftretende Magersucht-Symptome besser.

Foto: Uniklinikum Dresden

Die von den Wissenschaftlern eigens entwickelte App stellt in unregelmäßigen Abständen mehrmals täglich Fragen zu aktuellen Empfindungen, Tätigkeiten und Wünschen. Dieses Forschungsprojekt ist eines der Themen der Informationsveranstaltung des Zentrums für Essstörungen, die anlässlich des zweijährigen Bestehens der Einrichtung stattfindet. Weitere Programmpunkte sind am heutigen Mittwoch (21. Januar) Vorträge zu den verschiedenen Therapieformen, die die Klinik Magersüchtigen und deren Familien anbietet, sowie ein Rundgang in der Spezialstation sowie der Familientagesklinik.

Im Zentrum für Essstörungen bündelt die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie seine Kompetenzen in der Behandlung von Patienten, die an Magersucht (Anorexia nervosa), Ess-Brechsucht (Bulimie) sowie weiteren psychischen Erkrankungen leiden, die sich in einer gestörten Nahrungsaufnahme äußern. Neben den von der Klinik selbst angebotenen Behandlungen in der Spezialstation, der Familientagesklinik sowie der Ambulanz kooperiert das Zentrum mit der „WG Carla – Jugendwohngemeinschaft für Mädchen und junge Frauen mit einer Essstörung“.

Unter der Leitung von Prof. Stefan Ehrlich – ein auf diese psychischen Störungen spezialisierter Arzt und Wissenschaftler – bietet die Klinik damit ein über alle Versorgungsformen fachlich optimal abgestimmtes Therapieprogramm. Insgesamt behandelt die Klinik jährlich rund 250 Patientinnen und Patienten, die an unterschiedlichen Formen einer Essstörung leiden.

Forschungsvorhaben zur Anorexia Nervosa
Essstörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen des Jugendalters. Der Forschungsschwerpunkt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie liegt vor allem in der Untersuchung der bisher wenig erforschten biologischer Einflussfaktoren auf die Entstehung von Anorexia Nervosa (Magersucht). Ein wichtiger Teil ihrer Forschungen sind in den von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Sonderforschungsbereich (SFB) 940 „Volition und kognitive Kontrolle“ integriert.

Bei ihren Vorhaben nutzen die Forscher um Prof. Stefan Ehrlich eine breite Palette an Untersuchungsmethoden. Ein wichtiges Element ist die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT). Damit lässt sich die Aktivierung des Gehirnes bei psychischen Prozessen – etwa Emotionen und Belohnungen oder beim Lernen – unabhängig vom subjektiven Empfinden der Probanden messen. Ein weiterer Ansatz besteht darin, den Hormonspiegel von Patienten mit Essstörungen zu messen und sie auf genetische Besonderheiten zu untersuchen.

Diese naturwissenschaftlichen Methoden haben jedoch Grenzen, wenn um das Erfassen des aktuellen Erlebens und Verhaltens in Alltagssituationen geht. Hier werden oft Fragebögen eingesetzt, bei denen sich die Patienten im Nachgang an bestimmte Situationen und Empfindungen erinnern müssen. „Erinnerungen sind fragil und können von vielen Faktoren beeinflusst und unpräzise werden, wenn wir längere Zeiträume in der Vergangenheit abfragen“, erklärt Prof. Ehrlich.

„Deshalb nutzen wir Smartphones, um Symptome besser erfassen zu können.“ Dafür erhalten die Probandinnen über einen Zeitraum von zwei Wochen ein Smartphone, über das ihnen mehrmals täglich kurze Fragebögen in Form eines „Alarms“ gesendet werden. Darin geht es unter anderem um momentane Gedanken zum Essen und Körpergefühl, um Gemütszustände oder um die aktuelle Beschäftigung. Beispielsweise: „Hast du dich seit dem letzten Alarm gedanklich mit Dingen, die mit Essen, Nahrung, Kochen, Kalorien zu haben, beschäftigt?“

Dieses Vorgehen nennen die Wissenschaftler „Datenerhebung in Echtzeit“ – kurz EMA. Die über die App gesammelten Daten geben genauer Auskunft über den direkten Einfluss der natürlichen Umgebung des Probanden. Auch lassen sich auf diese Weise die Veränderungen von seelischen und körperlichen Zuständen präziser messen und Gedächtnisfehler vermeiden.

Die den Patientinnen für jeweils zwei Wochen zur Verfügung gestellten Smartphones lösen in der Zeit von 8 bis 22 Uhr sechs Mal am Tag – der Zeitpunkt wird im Zufallsverfahren generiert – Alarm aus. Dabei erscheint auf dem Bildschirm ein Fragebogen, der innerhalb von einer halben Stunde beantworten werden muss. Mit den aus diese Weise gesammelten Daten gehen die Wissenschaftler der Frage nach, welchen Einfluss die kognitive Kontrolle auf das Alltagsleben von Magersüchtigen haben und wie sich dies auf die Langzeitergebnisse einer Therapie auswirkt.

Weitere Informationen
www.zfe.kjp-dresden.de
www.sfb940.de

Kontakt für Journalisten
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
Zentrum für Essstörungen
Leiter; Prof. Stefan Ehrlich
Tel. 0351/ 4 58 50 95
E-Mail: Stefan.Ehrlich@uniklinikum-dresden.de

Weitere Informationen:

http://www.uniklinikum-dresden.de/kjp

Holger Ostermeyer | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie