Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rostocker Wissenschaftler auf der Suche nach neuer Krebstherapie

24.09.2010
Rostocker Wissenschaftler erforschen Bakterien mit der besonderen Fähigkeit, ein außergewöhnliches Arsenal an Duftstoffen zu produzieren.

„Diese vielen flüchtigen Substanzen sind geeignete Informationsüberträger, die über größere Distanzen und in extrem kleinen Mengen oder in spezifischen Kombinationen in Luft und Boden wirken können“, beschreibt Dr. Marco Kai (32) tätig in der Abteilung Biochemie am Institut für Biowissenschaften der Uni Rostock.

Er erforscht in langen Versuchsreihen jene flüchtigen Substanzen von Bakterien aus dem Bereich der Pflanzenwurzeln. Mehr als bislang angenommen, sind auch sie in der Lage das Wachstum verschiedener pflanzenschädlicher Bodenpilze zu beeinflussen, wodurch auch positive Effekte auf das Wachstum von Raps, Erdbeeren oder Tomaten vorstellbar sind, sagt Marco Kai.

Bislang ist lediglich bekannt, dass Bakterien im Wurzelbereich der Pflanzen durch verschiedene nicht flüchtige Verbindungen sowohl mit Pflanzenwurzeln als auch mit anderen Organismen des Wurzelbereiches kommunizieren.

„Meine Arbeit zeigt nun, dass auch flüchtige Substanzen zu diesen wirksamen Verbindungen gehören“, sagt Marco Kai, der seit 2005 sehr erfolgreich an diesem Thema forscht. Seine Erkenntnisse könnten für die Agrarökologie, aber auch die Landwirtschaft und Therapien in der Medizin einen Nutzen haben. Allerdings gehe es jetzt erst einmal darum, die Grundlagen der Kommunikation durch die flüchtigen Substanzen noch näher zu beleuchten, sagt der junge Wissenschaftler. Was dort passiere, ist im Moment noch nahezu unbekannt und die Wirkungen sind noch längst nicht in allen Facetten erforscht.

In einem gemeinsamen Laborversuch mit Medizinern der Universität Rostock (PD Dr. M. Linnebacher) zeigten die von Kai entdeckten flüchtigen Substanzen eine wachstumsmindernde Wirkung auf verschiedene Krebszellen. Marco Kai ist jedoch noch fernab von Euphorie. „Um die sich daraus ableitbaren Möglichkeiten zu konkretisieren, sind noch viele weitere Testreihen und Analysen notwendig“, sagt er.

In Zusammenarbeit mit Professor Wittko Francke (Universität Hamburg), er ist einer der Pioniere auf dem Gebiet der ökologischen Chemie, das heißt der Wissenschaft, die sich mit den Molekülen befassen, die Grundlage der Wechselbeziehungen zwischen Organismen sind, entdeckten die Rostocker auch eine chemische Verbindung im Bakterienduft, die bislang noch nicht beschrieben wurde. „Es handelt sich um einen ringförmigen Kohlenwasserstoff, dessen Struktur einzigartig ist“, sagt Marco Kai. „Wir erforschen jetzt die Funktion dieser Substanz“. Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Uni Göttingen (Prof. G. Gottschalk) haben die Rostocker Biologen nun das Genom des Wurzelbakteriums entschlüsselt, dass diese Verbindung produziert. „Dies bietet nun die Möglichkeit zu untersuchen, wie die Substanz von diesem Bakterium gebildet wird“, sagt der Rostocker.

Schon jetzt hat Marco Kai in der internationalen Wissenschafts-Welt mit seiner Forschung Beachtung gefunden. Um die „unterirdischen Interaktionen“ vollständig zu verstehen, will Kai herausfinden, welche Stoffgemische dafür verantwortlich sind. Denkbar sei, dass diese biologisch aktiven Substanzen eine neue Quelle für „Flüchtige Antibiotika“ darstellen könnten.

Dr. Ulrich Vetter
Leiter Presse+Kommunikation
Pressesprecher
Universität Rostock
Ulmenstraße 69, Haus 3
18057 Rostock
Fon: (0381) 498 1013
Fax: (0381) 498 1032
Mail: ulrich.vetter@uni-rostock.de
Dr. Marco Kai
Abteilung Biochemie
Institut für Biowissenschaften der Universität Rostock
Albert Einstein Str. 3, 18059 Rostock
Tel.: +49-(0)381-498-61 34
Fax: +49-(0)381-498-6152
e-mail: marco.kai@uni-rostock.de

Ingrid Rieck | idw
Weitere Informationen:
http://www.biologie.uni-rostock.de/biochemie/index.php
http://www.uni-rostock.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik