Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rostocker Rechtsmediziner klären Ursache für plötzlichen Herztod

19.01.2011
Der Rechtsmediziner Oberarzt Dr. Fred Zack (51) von der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock hat durch jahrelange, aufwendige histologische Untersuchungen eine Ursache für den plötzlichen Herztod entdeckt und wissenschaftlich belegt.

„Wir haben in Rostock binnen 20 Jahren 15 scheinbar nicht aufzuklärende Todesfälle lösen können und sind in acht Fällen auf eine bis dahin nahezu unbekannte Ursache für den plötzlichen Herztod gestoßen“, sagte Dr. Zack. Er fand bei seiner Studie heraus, dass die Gefäßwand bestimmter Herzschlagadern bei plötzlichem und unerklärbarem Herztod durch Wuchern von Muskulatur und Bindegewebe so stark verdickt ist, dass das nachfolgende Gewebe extrem unterversorgt wird. „Die Ursache dafür kennen wir bis heute nicht.

Die Erkrankung ist zwar nicht so häufig wie die Gefäßverkalkung, aber auch nicht extrem selten“, sagte Dr. Zack. Betroffen sind Menschen vom Säugling bis zum Alter von etwa 45 Jahren. Neben Dr. Zack vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Rostock haben lediglich zwei amerikanische Wissenschaftler bisher ähnliche Studienergebnisse publiziert.

Zacks Studie basiert auf der feingeweblichen und scheibchenweisen Untersuchung des Erregungsbildungs- und -leitungssystems des Herzens (System des Herzens, das für das autonome Schlagen verantwortlich ist). In filigraner und aufwendiger Arbeit hat der Rechtsmediziner Serienschnitte von Herzgewebe zur histologischen Untersuchung vorbereitet und durchgeführt. „Darauf wird in vielen rechtsmedizinischen und pathologischen Einrichtungen verzichtet“, so Zack.

Auf das Phänomen des plötzlichen Herztods stieß der Rostocker Rechtsmediziner auch bei einem 37-jährigen Mann aus Schweden. Der war mit seiner Freundin zum Urlaub nach Mecklenburg gekommen. Er war viele Stunden mit dem Auto unterwegs, hatte dann Alkohol getrunken (1,07 Promille) und im Hotelzimmer Sex gehabt. Später berichtete die Frau, dass ihr Partner stark geröchelt habe und dann auf ihrem Körper zusammengesackt sei. Sein Gesicht habe sich weiß, die Lippen blauviolett verfärbt. Wiederbelebungsversuche des Notarztes seien erfolglos geblieben.

„Bei der Obduktion haben wir zunächst keine Todesursache feststellen können. Es gibt immer Fälle, bei denen man keine Todesursache findet“, erklärte der Rechtsmediziner. Im Fall des 37-jährigen Mannes hatte er aber die Ahnung, dass es sich um einen plötzlichen Herztod handeln könnte. „Die Aussagen der Frau waren glaubhaft“, so Zack. Hinzu kam, dass bei der Obduktion eine Lungenüberwässerung festgestellt wurde. Ein Indiz für einen Herztod. Es erfolgte auch hier eine Spezialuntersuchung des Erregungsbildungs- und -leitungssystems des Herzens. Zack fand dabei heraus, dass eine Herzarterie des Mannes krankhaft verändert war. „Es handelte sich definitiv nicht um eine Verkalkung“, stellte er fest. Stattdessen war die Gefäßwand bestimmter Herzschlagadern durch ein unerklärbares Wuchern von Muskulatur und Bindegewebe so stark verdickt, dass das nachfolgende Gewebe erheblich unterversorgt gewesen ist. Zacks Hypothese: „Alkohol und körperliche Anstrengungen können bei bestimmten vorbestehenden krankhaften Veränderungen von Herzschlagadern einen plötzlichen Herztod provozieren.“

Zack, der seit nahezu 25 Jahren in der Rostocker Rechtsmedizin arbeitet, ist spezialisiert auf das Klären von Ursachen bei plötzlichen, unerwarteten Todesfällen, bei denen auch nach der Obduktion und einer Giftanalyse zunächst keine Todesursache ausgemacht werden kann. Fast alle diese Fälle aus Mecklenburg landen auf seinem Tisch.

Kontakt:
Universität Rostock
Presse+Kommunikation
Dr. Ulrich Vetter
Telefon: +49 (0)381 498 1013
E-Mail: ulrich.vetter@uni-rostock.de
Medizinische Fakultät
Institut für Rechtsmedizin
Dr. Fred Zack
Telefon: +49 (0)381 494 9907
E-Mail: fred.zack@med.uni-rostock.de

Ingrid Rieck | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mikrobiologen entwickeln Methode zur beschleunigten Bestimmung von Antibiotikaresistenzen
13.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Überschreiben oder Speichern? Die Gewissensfrage zur Vergesslichkeit
13.02.2018 | PhytoDoc Ltd.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics