Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rostocker Mediziner gibt Entwarnung - 2012 ist nur eine abgeschwächte Grippewelle zu erwarten

04.06.2012
Für die nächste Grippesaison, mit der Experten frühestens im Spätherbst 2012 rechnen, gibt Professor Emil Reisinger, Direktor des Instituts für Tropenmedizin und Infektiologie an der Universitätsmedizin Rostock, weitgehend Entwarnung.

„Eine kommende Epidemie wird vermutlich in abgeschwächter Form ablaufen“, so der Mediziner. Er begründet seinen Optimismus unter anderem damit, dass der Schweinegrippevirus H1N1, der bereits seit vier Jahren weltweit vorherrscht, wieder zirkulieren wird, gegen den viele Menschen bereits geimpft sind.

Deshalb wurde auch für die Grippesaison 2011/2012 die Zusammensetzung des Impfstoffs von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegenüber dem Vorjahr nicht verändert: Er enthält einen A(H1N1)-Stamm des ehemals pandemischen Schweinegrippevirus, einen A(H3N2)- und einen Influenza B-Stamm.

„Viele Menschen haben die Erkrankung bereits durchgemacht und ein Großteil hat sich impfen lassen“, sagt der Professor. „Deshalb gibt es in der Bevölkerung bereits einen beträchtlichen Schutz. Der wird laut Prof. Reisinger aber nur bei regelmäßiger Grippeschutzimpfung wirksam. Nach der Impfung ist der Schutz in 10 bis 14 Tagen aufgebaut. Zum anderen hält die Schutzwirkung der Impfung meist nur eine Saison lang an.

Der Experte bilanziert, dass die Grippeepidemie „in den letzten zwei Jahren relativ mild verlaufen ist. Vor der Schweinegrippe hatten wir jährlich zwischen 10.000 bis 20.000 Grippetote in Deutschland“. Im letzten Jahr waren es weniger als 5.000. „Wenn die Leute sich weiterhin so konsequent impfen lassen, erwarten wir eine milde Grippewelle“, meint Reisinger. Er schränkt allerdings ein: „Es kann natürlich plötzlich durch Punktmutationen oder durch weitere genetische Veränderungen ein neues Virus auftreten. Dann hätten wir eine andere Situation“.

Jedes Jahr lässt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die weltweit die Grippeaktivität von Labors messen lässt, den aktuellen Wirkstoff an ausgewählten Zentren im Sommer testen. Dazu gehört seit vier Jahren auch die Universitätsmedizin in Rostock, die den Status eines Zentrums für Impfstoffstudien hat. Hier arbeitet auch Oberarzt Dr. Micha Löbermann in der Impfstoff-Forschung. „Bevor die Zulassung für den Basisimpfstoff erfolgt, müssen jährlich klinische Studien vorausgehen“, erläutert Löbermann. In Rostock erhalten beispielsweise jeden Sommer freiwillige Probanden eine Impfung. „So wird getestet, wie der Impfstoff wirkt und wie er vertragen wird“, so der Oberarzt. Der saisonale Impfstoff setzt sich jedes Jahr aus Bestandteilen der aktuell weltweit zirkulierenden drei Influenza-Virustypen (A/H1N1, A/H3N2, B) zusammen.

Weiterer Gradmesser sind die Angaben der „Arbeitsgemeinschaft Influenza“ des Robert Koch Institutes (RKI). Sie beruhen auf regelmäßigen Meldungen von rund 700 Ärzten. Seit März 2011 fragt das RKI im Rahmen von „GrippeWeb“ (www.grippeweb.rki.de) ergänzend auch direkt die Bevölkerung nach akuten Atemwegserkrankungen. Bislang machen über 1.000 Teilnehmer regelmäßig mit. Die Zahl soll weiter erhöht werden, um auch für regionale Auswertungen repräsentativ zu sein.

Kontakt:
Universität Rostock
Universitätsmedizin
Prof. Dr. Emil Reisinger
Fon: +49 (0) 381 494 7510
Mail: emil.reisinger@uni-rostock.de

Presse+Kommunikation
Dr. Ulrich Vetter
Fon: +49 (0)381 498 1013
Mail: ulrich.vetter@uni-rostock.de

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Forscher entschlüsseln einen Mechanismus bei schweren Hautinfektionen
24.01.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mikro-U-Boote für den Magen

24.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Echoortung - Lernen, den Raum zu hören

24.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

RWI/ISL-Containerumschlag-Index beendet das Jahr 2016 mit Rekordwert

24.01.2017 | Wirtschaft Finanzen