Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

ROS bei AML und CML: Weitere Mechanismen bei der Entstehung von Leukämien aufgeklärt

26.04.2012
Sowohl bei der Akuten als auch bei der Chronischen Myeloischen Leukämie führt die vermehrte Produktion reaktiver Sauerstoffspezies in den Tumorzellen zu einem Fortschreiten der Erkrankung.
Wissenschaftler des Universitätsklinikums Jena (UKJ) konnten diese Wirkmechanismen aufklären. Ihre jüngst im Fachjournal BLOOD veröffentlichten Ergebnisse sprechen dafür, dass die Herabsetzung der Produktion solcher Sauerstoffspezies in Leukämie-Zellen ein mögliches neues therapeutisches Prinzip ist.

Neuere Studien zeigen durchaus auch positive Seiten der sogenannten reaktiven Sauerstoffspezies, kurz ROS, auf: Wenn sie zum Beispiel als Trainingssystem für Abwehrmechanismen gegen oxidativen Stress in der Zelle dienen oder bei Signalübertragungsprozessen mitwirken. Zuviel dieser aggressiven Formen des Sauerstoffs, oft ungenau als Sauerstoffradikale bezeichnet, ist aber eindeutig schädlich und spielt bei Alterungsprozessen oder der Entstehung von Arteriosklerose und Alzheimer eine Rolle. Auch in verschiedenen Typen von Tumorzellen ist die Produktion von ROS erhöht.

Die molekularen Ursachen für dieses Phänomen und die Rolle, die ROS in Tumorerkrankungen spielen, sind jedoch bisher nur in Ansätzen verstanden“, so Prof. Dr. Andreas Hochhaus. Der Hämatologe leitet das UniversitätsTumorCentrum am Jenaer Uniklinikum, dessen Wissenschaftler jetzt in zwei Studien zur Aufklärung der molekularen Wirkmechanismen von ROS in den Zellen zweier Leukämieformen beitragen konnten.

AML: ROS stört Regulierung der Zellteilung

In Zellen der Akuten Myeloischen Leukämie AML, in denen ein Onkoprotein die ungebremste Teilung der Zellen antreibt, werden große Mengen an ROS gebildet. „Wir konnten zeigen, dass diese ROS-Moleküle die Inaktivierung eines anderen Enzyms bewirken, das normalerweise als ‚Bremse’ der Zellteilung funktioniert“, beschreibt Prof. Frank-D. Böhmer vom Institut für Molekulare Zellbiologie ein Ergebnis seiner Arbeitsgruppe. Wird die krankhafte ROS-Produktion in den Zellen experimentell unterbrochen, so wird dieses Enzym wieder aktiv und die Vermehrung der Leukämiezellen verlangsamt sich.

CML: ROS lässt Leukämiezellen resistent werden

Fatale Wirkungen, so das Ergebnis einer weiteren internationalen Studie, hat ROS auch bei einer anderen Form der Leukämie, der Chronischen Myeloischen Leukämie CML. Seit einigen Jahren ist diese genetisch bedingte Krebserkrankung des blutbildenden Systems mit spezifischen Wirkstoffen behandelbar, die sich gegen ein Onkoprotein in den Leukämiezellen richten und diese absterben lässt. In den Mitochondrien, den Kraftwerken der verbleibenden CML-Zellen und vor allem in den Leukämiestammzellen werden aber als „Nebenprodukt“ weiterhin verstärkt ROS gebildet, die Schäden am Erbgut verursachen können. „Diese Schäden können auch das Krebsgen so verändern, dass die Leukämiezellen unempfindlich werden gegen den Wirkstoff und ihre Zahl wieder anwächst“, erklärt Andreas Hochhaus, der an der Studie beteiligt war.
„Die Ergebnisse beider Studien sprechen dafür, dass die Verminderung der Produktion reaktiver Sauerstoffspezies in Leukämie-Zellen ein neues therapeutisches Prinzip bei myeloischen Leukämien sein könnte“, geben die Jenaer Wissenschaftler einen Ausblick auf die klinische Anwendung ihrer Ergebnisse.

Originalliteratur:

Godfrey R, et al. Cell transformation by FLT3 ITD in acute myeloid leukemia involves oxidative inactivation of the tumor suppressor protein-tyrosine phosphatase DEP-1/PTPRJ. Blood. 2012 Mar 20.
doi: 10.1182/blood-2011-02-336446

Nieborowska-Skorska M, et al. Rac2-mitochondrial respiratory chain complex III-generated ROS cause genomic instability in chronic myeloid leukemia stem cells and primitive progenitors. Blood. 2012 Mar 12.
doi: 10.1182/blood-2011-10-385658

Kontakt:

Prof. Dr. Andreas Hochhaus, Abteilung Hämatologie und Internistische Onkologie, Klinik für Innere Medizin II, Tel.: 03641/9 324201, E-Mail: Andreas.Hochhaus[at]med.uni-jena.de

Prof. Dr. Frank-Dietmar Böhmer, Institut für Molekulare Zellbiologie, Tel.: 03641/9 395631, E-Mail: Boehmer[at]med.uni-jena.de

Dr. Uta von der Gönna | Universitätsklinikum Jena
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften