Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Risiken durch Legionellen in Verdunstungskühlanlagen

13.11.2015

Die Ausbrüche von Legionellosen in Warstein 2013 und Jülich 2014 haben es gezeigt: Verdunstungskühlanlagen, von denen bundesweit geschätzt fast eine Million aufgestellt sind, können zur Quelle von Legionellen-Infektionen werden. Wie sich die Risiken solcher Infektionen minimieren lassen, war Thema des heutigen VDI-Expertenforums, das in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und dem Umweltbundesamt in Bonn stattfand.

Wasser wird in vielen technischen Prozessen, wie beispielsweise in Rechenzentren oder in der Lebensmittelproduktion, zur Kühlung verwendet. Entsprechend gibt es in Deutschland eine sehr große Zahl von Verdunstungskühlanlagen aller möglichen Größen.

„Sie alle bergen das Risiko, zur Quelle von Legionellen-Infektionen zu werden, da das umlaufende Wasser eine für die Vermehrung dieser Bakterien optimale Temperatur aufweist und aufgrund seines Kontakts mit der Atmosphäre ein reiches Nahrungsangebot bietet“, erklärt Prof. Dr. med. Thomas Eikmann vom Universitätsklinikum Gießen und Vorsitzender des Fachbereichs Umweltqualität der Kommission Reinhaltung der Luft im VDI und DIN.

In Deutschland besteht eine Meldepflicht für Legionellosen. Jährlich werden ca. 800 Infektionen gemeldet. Es gibt jedoch eine hohe Dunkelziffer: Das Robert-Koch-Institut schätzt die Anzahl der Erkrankungen auf etwa 6.000 bis 10.000 Fälle pro Jahr.

Bei Legionellen-Ausbrüchen ist die Suche nach den Infektionsursachen von zentraler Bedeutung. Hierzu beschreibt die im November 2015 erschienene Richtlinie VDI 4250 Blatt 2 den Kenntnisstand zu Eigenschaften, Vorkommen und umweltmedizinischer Relevanz von Legionellen. Die Richtlinie enthält Informationen zu Quellen, Messmethoden und vorhandenen Regelwerken und gibt konkrete präventive Handlungsempfehlungen.

Nur durch das schnelle Auffinden der Infektionsquelle und die sofortige Einleitung geeigneter Schutzmaßnahmen ist es möglich, weitere Erkrankungsfälle gezielt zu verhindern und so den Ausbruch zu stoppen.

„Aus umweltmedizinischer Sicht ist es daher dringend geboten, Anlagen, aus denen Legionellen freigesetzt werden könnten, zu erfassen“, erklärt Eikmann. „Darüber hinaus ist aus präventivmedizinischer Sicht die Überwachung von Hygienemaßnahmen sowie baulicher und betrieblicher Veränderungen anzustreben.“

Rechtliche Meldepflicht für Verdunstungskühlanlagen gefordert

Hier besteht aus Sicht des VDI dringender Handlungsbedarf, da ein Großteil von Anlagen mit Rückkühlsystemen bislang keiner Registrierung unterliegt. „Der VDI begrüßt, dass der Bund nun auch rechtliche Regelungen für Verdunstungskühlanlagen anstrebt. Denn durch Gefährdungsbeurteilungen und regelmäßige Überwachungen der mikrobiologischen Werte können Hygienemängel frühzeitig erkannt und beseitigt werden“, sagt Dipl.-Ing. Dipl.-Chem. Rainer Kryschi, stellvertretender Vorsitzender des VDI-Fachausschusses Sanitärtechnik und Vorsitzender der Richtlinienausschüsse VDI 2047 Blatt 2 und VDI 2047 Blatt 3.

Die im Januar 2015 erschienene Richtlinie VDI 2047 Blatt 2 bietet erstmals eine systematische und umfassende Darstellung der Sicherstellung eines hygienisch einwandfreien Betriebs solcher Anlagen. Damit wird Betreibern das nötige Fachwissen an die Hand gegeben, um für Anlagen eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen, aus der sich die nötigen Maßnahmen zur Risikominderung ergeben.

„Werden alle Maßnahmen der Richtlinie VDI 2047 Blatt 2 eingehalten, geht von Verdunstungskühlanlagen keine gesundheitliche Gefahr aus“, ist sich Kryschi sicher. Er rechnet fest damit, dass die Bundesregierung in den kommenden Wochen die entsprechende Verordnung im Rahmen des Bundesimmissionsschutzgesetzes erlassen wird.

Damit würden viele Regelungen der Richtlinie VDI 2047 Blatt 2 rechtlich verbindlich einzuhalten sein, inklusive einer Meldepflicht für Anlagen. Gesundheitsämter können dann gezielter nach Bakterienquellen suchen.

Fachliche Ansprechpartner im VDI:

Dr.-Ing. Jochen Theloke
Kommission Reinhaltung der Luft
im VDI und DIN
Telefon: +49 211 6214-369
Telefax: +49 211 6214-157
E-Mail: theloke@vdi.de

Dipl.-Phys. Thomas Wollstein
VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik
Telefon: +49 211 6214-500
Telefax: +49 211 6214-157
E-Mail: wollstein@vdi.de

Weitere Informationen:

http://www.vdi.de/legionellen

Stephan Berends | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie