Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Richtwerte zur Ergebnisqualität nach Operation des grauen Stars

23.08.2011
Gemeinsame Kohortenstudie zur Qualitätssicherung bei Kataraktchirurgie von Universität Witten/Herdecke und OcuNet Gruppe

Um nachhaltig die medizinische Versorgung in der Fläche zu verbessern, setzt die Gesundheitspolitik derzeit stark auf den Vergleich von Ergebnissen von Ärzten und medizinischen Einrichtungen.

Die resultierenden Qualitätssicherungsverfahren bedienen sich Indikatoren, welche Ergebnisse messen und damit für den Vergleich transparent machen. Die Ergebnisse des einzelnen Arztes oder der einzelnen medizinischen Versorgungseinrichtung werden dazu einem Referenzwert für „gute Qualität“, dem Benchmark, gegenüber gestellt.

Die Frage, wie die Referenz methodisch valide abgeleitet werden kann - und damit auch, wie hoch der Benchmark ist -, war bislang jedoch nicht Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion. Mit Blick auf die aufgrund der demographischen Entwicklung weiter wachsende Häufigkeit dieses Eingriffes in Deutschland (2005: 650.000 implantierte Intraokularlinsen) ist diese Lücke für die Operation des grauen Stars (Katarakt) von besonderer Brisanz.

Unter Federführung der Arbeitsgruppe „Patienten-orientierte Forschung in der Augenheilkunde“ am Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie der Universität Witten/Herdecke (IMBE, Direktor: Prof. Dr. Frank Krummenauer) hat die OcuNet Gruppe, ein Zusammenschluss von großen augenchirurgischen ambulanten Einrichtungen, eine multizentrische prospektive Studie durchgeführt. Ziel war es, die in der ambulanten Kataraktchirurgie erreichbare Ergebnisqualität vergleichend bestimmen zu können. Zu ausgewählten Indikatoren der Ergebnisqualität einer Kataraktoperation sollten 1.) ein methodischer Ansatz zur Bewertbarkeit von Benchmarks erprobt werden und 2.) die Höhe der Benchmarks zur Ergebnisqualität explizit beziffert werden.

Bereits im September 2010 wurden die Ergebnisse dieser Studie bei einem Symposium des Bundesgesundheitsministeriums vorgestellt; inzwischen hat die führende internationale ophthalmologische Zeitschrift „Ophthalmology“ ein Manuskript angenommen; aktuell sind zwei Folgepublikationen zu u.a. den methodischen Erkenntnissen dieser und weiterer Studien des Teams in Erstellung. Die Dissertationsschrift von Frau Ursula Hahn zur Erlangung des Grades „Dr. rer. medic.“ an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden führt die verschiedenen Aspekte dieser Arbeiten zusammen; Frau Hahn ist insbesondere die federführende Autorin besagter Publikationen.

In der Studie wurden nur Patienten rekrutiert, die mit Ausnahme der Trübung der Linse augengesund waren; sie wurden alle mit den gleichen Untersuchungs- und Operationstechniken behandelt. So sollte verhindert werden, dass aus dem Blickwinkel des Arztes nicht beeinflussbare Faktoren – wie z.B. andere Erkrankungen des Patienten oder unübliche Behandlungsmethoden – das Ergebnis verzerren. In den sieben teilnehmenden OcuNet Studienzentren wurden jeweils vor sowie drei Monate nach der Kataraktoperation die Untersuchungsbefunde zu den betrachteten Ergebnisindikatoren erhoben und dokumentiert. Bei 77 % der insgesamt 1.553 ausgewerteten Studienpatienten wich die realisierte Brechung des Auges um nicht mehr als 0,5 Dioptrien von der vor OP geplanten ab; das bedeutet für die meisten dieser Patienten, dass sie nach der Kataraktoperation für die Ferne keine Brille mehr benötigen. 87 % der Patienten erreichten nach der Operation eine Sehschärfe von 0,8 (als „normale“ Sehschärfe in der Jugend wird 1,0 bewertet). „Für Patienten, die den Eckdaten in unserer Studie entsprechen – also keine weiteren Erkrankungen des Auges aufweisen und von erfahrenen Operateuren versorgt werden – konnten wir Benchmarks quantifizieren, die auch in Qualitätssicherungsverfahren wie den aktuell in Diskussion befindlichen sektorenübergreifenden genutzt werden können: 75% dieser Patienten sollten drei Monate nach OP eine Brechnungsabweichung von höchstens 0,5 Dioptrien aufweisen und 85% eine Sehschärfe von 0,8 % erreichen.“, fasst Hahn Kernergebnisse ihrer Doktorarbeit zusammen.

Bei Auswertung der Studienergebnisse zeigte sich auch, dass die Studienzentren unterschiedlich gute Ergebnisse erzielten. Verschiedene Ursachen dafür werden in der Promotion diskutiert: So könnten die Unterschiede auf echte Qualitätsunterschiede zwischen den Zentren zurück zu führen sein. Möglich ist aber auch, dass nicht alle Vorerkrankungen bei der augenärztlichen Untersuchung mit der üblichen Diagnostik erkannt wurden. Eine weitere Ursache könnte sein, dass die Untersuchungen in den Studienzentren drei Monate nach der Operation unterschiedlich sorgfältig durchgeführt bzw. dokumentiert wurden. In jedem Qualitätssicherungsverfahren werden die beteiligten Ärzte und ärztlichen Einrichtungen den Umgang damit erst „erlernen“ müssen, daher können die mit der OcuNet Studie ermittelten Benchmarks trotz der Abweichung nach Zentren als „Einstiegsbenchmarks“ verwendet werden.

Weitere Informationen können bei Dipl.-Volkswirtin Ursula Hahn, M.B.A. (USA) 0211 – 179 32 66, Ursula.Hahn@ocunet.de, oder Prof. Dr. Frank Krummenauer via Frank.Krummenauer@uni-wh.de erfragt werden.

Der Artikel in der Zeitschrift Ophthalmology ist online für registrierte Nutzer zu lesen unter http://www.ophsource.org/periodicals/ophtha/inpress

Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 1.300 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsbildung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

Weitere Informationen zur OcuNet Gruppe erhalten Sie unter http://www.ocunet.de

Kay Gropp | Universität Witten/Herdecke
Weitere Informationen:
http://www.ophsource.org/periodicals/ophtha/inpress
http://www.ocunet.de
http://www.uni-wh.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften