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Rheumamedikamente lindern Augenleiden

10.05.2011
Etwa 400 000 Menschen in Deutschland leiden an einer Entzündung des Augeninneren, die Aderhaut und Netzhaut des Auges betreffen kann.

Diese „Uveitis“ führt in schweren Fällen zur Erblindung. Doch die Therapie verbessert sich jetzt auf ungeahnte Weise: „Biologika“, also Wirkstoffe, die vor allem in der Rheumatologie eingesetzt werden, erreichen bei Uveitis vielversprechende Ergebnisse, so die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG). Eine gezielte Behandlung mit diesen Substanzen könnte künftig Betroffenen helfen.

Die Uvea verläuft als mittlere Gewebeschicht zwischen umgebender Lederhaut und Netzhaut und versorgt diese mit Blut und Nährstoffen. Eine Entzündung der Uvea ist die zweithäufigste Ursache für Erblindungen bei Menschen im erwerbstätigen Alter in Deutschland. „Warum Menschen an einer Uveitis erkranken, ist leider in vielen Fällen noch unklar“, bedauert DOG-Pressesprecher Professor Dr. med. Christian Ohrloff, Frankfurt. Neben Infektionen durch Viren, Pilze oder Bakterien sind häufig Erkrankungen der körpereigenen Abwehr der Grund.

Ärzte behandeln Autoimmunerkrankungen seit einigen Jahren erfolgreich mit neuartigen Medikamenten, den Biologika. Meist sind dies Antikörper, die – zum Beispiel bei Rheuma – gezielt in die Entzündungsreaktion eingreifen. Sie blockieren einen Signalstoff, den Tumornekrosefaktor (TNF) alpha. „Bei der Behandlung von Menschen mit Rheuma, bei denen auch die Augen betroffen waren, lindern die TNF-Blocker auch die Uveitis”, sagt Professor Dr. med. Uwe Pleyer, Oberarzt an der Universitäts-Augenklinik der Berliner Charité. Einige Augenärzte hätten deshalb begonnen, die Medikamente auch bei Uveitis-Patienten ohne Rheuma einzusetzen.

Gute Erfahrungen machten sie auch bei Morbus Behçet, einer Autoimmunerkrankung, die Haut- und Augen in Mitleidenschaft zieht. „Infliximab, einer der fünf derzeit zugelassenen TNF-Blocker gegen Rheuma, war sogar der ophthalmologischen Standardbehandlung mit Cyclosporin A überlegen“, erläutert Pleyer. Die langfristigen Erfahrungen sind nach Auskunft des Experten jedoch noch gering und Infliximab ist ebenso wie die anderen vier Wirkstoffe Etanercept, Adalimumab, Golimumab und Certolizumab noch nicht zur Anwendung gegen Uveitis zugelassen. Laut DOG seien weitere Studien erforderlich. Doch da die Uveitis – verglichen beispielsweise mit Rheuma – eher selten ist, sei damit in absehbarer Zeit kaum zu rechnen. Deswegen setzen Ärzte Biologika für die Augen derzeit ausschließlich als so genannte Off-label-Anwendung ein, einem nicht explizit zugelassenen Heilversuch. Auch wegen der hohen Behandlungskosten ist die Therapie zurzeit nur in Einzelfällen möglich.

Eine sichere Behandlung erhofft sich die DOG von einem neuen TNF-Blocker, der bei äußerlicher Anwendung als Augentropfen am entzündeten Auge wirken könnte. Erste Studien haben gezeigt, dass der Wirkstoff in die Uvea eindringt. Eine Zulassung ist jedoch noch nicht erfolgt.

Quelle: Pleyer, Mackensen, Winterhalter, Stübiger: Anti-TNF-Therapie bei Uveitis; Der Ophthalmologe 2011, 108:13–20; (Springer- Verlag, Heidelberg)

Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 5.900 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, untersuchen und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG)
Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-552
Telefax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dog.org

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