Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rettung vor dem Strahlentod: Bisher unbekannte Proteinfunktion entdeckt

05.07.2012
Ein Proteinkomplex kann nachträglich vor den Folgen einer eigentlich tödlichen Strahlendosis schützen.
Das haben Forscher des Universitätsklinikums Ulm innerhalb einer internationalen Forschungskooperation herausgefunden. Im Versuch mit Mäusen konnten sie zeigen, dass die Erhöhung jeweils eines der Proteine im Netzwerk aus Thrombomodulin (Thbd) und aktiviertem Protein C (aPC) dafür sorgt, dass nach erhöhter Strahlenbelastung wieder neue blutbildende Zellen im Knochenmark hergestellt werden. Die Ergebnisse wurden Ende Juni im renommierten Magazin Nature Medicine online veröffentlicht (doi: 10.1038/nm.2813).

Blutbildende Zellen sind besonders empfindlich gegenüber Strahlung. Bei schwerer Strahlenbelastung, sei es durch eine Krebstherapie oder durch Unfälle mit atomarer Strahlung, gehen sie als erstes zu Grunde. „Wir haben das Genom von Mäusen auf Gene abgetastet, die die blutbildenden Zellen vor Strahlung schützen können. Das Thbd-aPC-Regulationsnetzwerk lieferte uns Hinweise darauf, dass es Mäuse vor dem Strahlentod retten kann. Wir konnten sehen, dass nach Gabe einer der Substanzen noch genügend blutbildende Zellen vorhanden waren, die die Tiere retten konnten“, erklärt Prof. Dr. Hartmut Geiger, Stammzellforscher an der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Universität Ulm.

Bisher war der Protein-Komplex Thbd-aPC für seine Funktion bekannt, Blutgerinnsel zu verhindern und Infektionen zu bekämpfen. Die Wissenschaftler haben nun eine neue, bisher unbekannte Funktion des Protein-Komplexes entdeckt. „Es besteht eine theoretische Möglichkeit, Menschen, die einer Überdosis an Strahlung ausgesetzt waren, nachträglich zu helfen“, sagt Geiger. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg: Zunächst muss herausgefunden werden, ob sich die Ergebnisse von Mäusen auf den Menschen übertragen lassen. Ein großer Vorteil dabei ist, dass die Substanzen bereits zahlreiche klinische Tests an Patienten durchlaufen haben, wenn auch in anderem Zusammenhang. Thbd wurde bereits für Behandlung von Thrombosen getestet, ebenfalls gibt es Untersuchungen zur Wirksamkeit von aPC bei der Behandlung von Infektionen.

Der Forschungserfolg war laut Geiger nur deshalb möglich, weil dabei auf die Expertise anderer Forschergruppen an verschiedenen Standorten zurückgegriffen werden konnte. Dort hatte bereits Forschung zu Thbd und aPC stattgefunden. „Wir haben uns auf die Wirkung von aPC konzentriert und konnten zeigen, dass die Substanz die blutbildenden Zellen im Knochenmark schützt, sogar noch 24 Stunden nach der Verstrahlung. Die Publikation ist das Ergebnis einer gelungenen Forschungskooperation“, zeigt sich Erstautor Geiger überzeugt. Neben den Ulmer Wissenschaftlern waren unter anderem Forschergruppen des Cincinnati Children’s Hospital Medical Center, der University of Arkansas in Little Rock, des Blood Research Institute in Milwaukee/Wisconsin, des Desert Research Institute in Las Vegas/Nevada, des Scripps Research Institute in La Jolla/Kalifornien, der Firma Paion in Aachen sowie der Medizinischen Hochschule Hannover an der Publikation beteiligt.

Petra Schultze
Universitätsklinikum Ulm
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Einstein-Allee 29
D - 89081 Ulm
Tel.: +49 - (0)731 – 500 43025
Fax: +49 - (0)731 – 500 43026
Mail: petra.schultze@uniklinik-ulm.de

Petra Schultze | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-ulm.de
http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/full/nm.2813.html
http://www.alternsforschung-kfo142.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schwere Infektionen bei Kindern auch in der Schweiz verbreitet
26.07.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie