Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rauchen und Gene beeinflussen Netzhauterkrankung

13.01.2011
Rauchen schadet den Augen
Zigaretten und Gene führen zu Netzhauterkrankung AMD

In Deutschland leiden etwa 4,5 Millionen Menschen unter einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD). Diese Netzhauterkrankung stellt heute in den Industrienationen die häufigste Ursache für Erblindung in der älteren Bevölkerung dar. Größter Risikofaktor ist das Rauchen.

Auch genetische Anlagen, so zeigen aktuelle Studien, spielen eine erhebliche Rolle in Krankheitsentwicklung und -verlauf. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) weist darauf hin, wie wichtig es ist, Patienten frühzeitig zu helfen, um Blindheit und Hilflosigkeit zu vermeiden.

Die Gefahr, an einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD) zu erkranken, nimmt im Alter zu: Während 15 Prozent der 65- bis 74-Jährigen von einem Frühstadium betroffen sind, leiden bereits fast ein Drittel der über 85-Jährigen an der Netzhautkrankheit. „Es ist zu vermuten, dass in etwa zehn Jahren über eine Million Deutsche an einem Spätstadium von AMD erkranken werden“, prognostiziert DOG-Pressesprecher Professor Dr. med. Christian Ohrloff. „Diesen Patienten drohen massive Einschränkungen der Lebensqualität und der vollständige Verlust des Augenlichts“, so der Direktor der Universitäts-Augenklinik in Frankfurt am Main.

Der Krankheitsverlauf ist schleichend: Betroffene bemerken zunächst nichts von den gefährlichen Vorgängen im Auge. Weißlich-gelbe Ablagerungen in den Zellen, sogenannte Drusen, verändern Netz- und Aderhaut. Im besonders schweren Verlauf, der sogenannten „feuchten“ AMD, dringen Gewebsflüssigkeit und Blut in die Netzhaut ein. Der Patient erlebt eine drastische Minderung der Sicht, bis hin zur Erblindung.

Raucher sind besonders gefährdet: Diese Risikogruppe verfügt in der Regel über einen ungünstigen Vitamin- und Spurenelementhaushalt. Zigarettenkonsum setzt sie zudem vermehrt freien Sauerstoffradikalen aus, die langfristig das Gewebe angreifen. Die DOG empfiehlt Augenärzten daher, Patienten bei ersten Krankheitsanzeichen zu einem sofortigen „Rauchstopp“ zu ermutigen. Studienergebnisse zeigen, dass Vitamin A, C, E, Kupfer und Zink das Risiko, eine Spätform der Krankheit zu entwickeln, um 25 Prozent reduzieren können. Lutein und Zeaxanthin, die der Gruppe der Karotine angehören, wirken ebenfalls zellerhaltend. „Allerdings muss hier beachtet werden, dass eine unangemessene Dosierung dieser Mikronährstoffe das Krebsrisiko erhöhen kann – insbesondere bei Rauchern“, warnt DOG-Expertin Professor Dr. med. Gabriele Lang vom Universitätsklinikum Ulm. „Auch Zink sollten Patienten unbedingt in Absprache mit dem Arzt dosieren“.

Zahlreiche aktuelle Untersuchungen belegen den Zusammenhang zwischen einer Makuladegeneration und erblicher Veranlagung. Bestimmte Gene, die für Entzündungen verantwortlich sind, spielen dabei eine entscheidende Rolle. „Die Kenntnis genetischer Risikofaktoren könnte künftig dabei helfen, individuelle Krankheitsverläufe besser abzuschätzen und Risikogruppen zu identifizieren“, hofft die Augenärztin. Eine Wechselwirkung dieser genetischen Faktoren mit dem Rauchen führt zu einem deutlichen Anstieg des Erkrankungsrisikos.

„Da der demografische Wandel die Zahl der Betroffenen steigen lässt, wächst sowohl in der Forschung, als auch aus Sicht der Gesundheits¬ökonomie das Interesse an Maßnahmen, die das Auftreten der Makulardegeneration verzögern oder sogar verhindern“, erläutert Ohrloff. Künftige Studien müssten Erkenntnisse hinsichtlich spezifischer umweltbedingter und genetischer Risiken und deren Wechselwirkungen erbringen.

Quelle: M.Dietzel, A. Farwick, H.-W. Hense: Genetik und Risikofaktoren der exsudativen AMD. In: Der Ophtalmologe, 2010, Vol. 107: 1103-1108

Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 5.900 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, untersuchen und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

Kontakt für Journalisten:

Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG)
Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931 552
Telefax: 0711 8931 167
voormann@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dog.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte