Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RABBIT-Risikoscores zur Vorhersage des Infektionsrisikos bei rheumatoider Arthritis geeignet

08.06.2012
Eine Forschergruppe um Professor Angela Zink, Dr. Joachim Listing und Dr. Anja Strangfeld vom Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin, einem Leibniz-Institut, hat an Patienten des deutschen Biologika-Registers RABBIT einen Score entwickelt, der es Rheumatologen ermöglicht, das Infektionsrisiko eines Patienten bei unterschiedlichen Behandlungsalternativen zu bestimmen.
Dieser Score wurde nun an einer neuen Stichprobe von Patienten überprüft und zeigte eine sehr hohe Vorhersagegenauigkeit. Die Ergebnisse der Studie wurden heute auf dem europäischen Rheumatologenkongress (EULAR) in Berlin präsentiert.

RABBIT ist das deutsche Register zur Beobachtung neuer Therapien bei rheumatoider Arthritis. Der RABBIT-Risikoscore wurde an Patienten entwickelt, die zwischen 2001 und 2006 in das Register eingeschlossen wurden. Er errechnet das Risiko für eine schwerwiegende Infektion bei Patienten mit rheumatoider Arthritis, die entweder mit einem TNF-Inhibitor oder mit konventionellen krankheitsmodifizierenden antirheumatischen Medikamenten (DMARDs) behandelt werden. Die nun vorgestellte Studie stützt sich auf Daten von 2.603 Patienten, die zwischen 2009 und 2011 zu Beginn ihrer Behandlung mit anti-TNF (n = 1.327) oder konventionellen DMARDs (n = 1.276) in das RABBIT-Register aufgenommen wurden. Mithilfe des RABBIT-Risikoscores wurde für jeden Patienten die Wahrscheinlichkeit einer schwerwiegenden Infektion auf Basis des individuellen Risikoprofils berechnet.

„Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen den Score als ein nützliches Instrument zur Identifizierung von Patienten mit rheumatoider Arthritis, die ein hohes Risiko für eine schwerwiegende Infektion bei der Behandlung mit TNF-Inhibitoren oder DMARDs aufweisen“, so Professor Angela Zink.

Zwischen der beobachteten und der berechneten Anzahl schwerwiegender Infektionen gab es eine hohe Übereinstimmung. Für alle mit TNF-Inhibitoren behandelten Patienten betrug die erwartete Anzahl schwerwiegender Infektionen 3 je 100 Beobachtungsjahre, während die tatsächlich beobachtete Anzahl bei 3,2 lag. Für die mit konventionellen DMARDs behandelten Patienten betrug die erwartete Anzahl schwerwiegender Infektionen 1,5, während die tatsächlich beobachtete Anzahl bei 1,3 je 100 Beobachtungsjahre lag.

Bei Vorliegen eines oder mehrerer Risikofaktoren und gleichzeitiger Therapie mit Glukokortikoiden ≥ 7,5 mg/Tag war das errechnete Risiko unter TNF-Inhibitoren 10 Infektionen je 100 Beobachtungsjahre, tatsächlich waren es 9,4. Unter konventionellen DMARDs betrugen die erwarteten und beobachteten Werte 5,0 und 7,9.

„Dieser Score kann Rheumatologen bei der Entscheidung über Behandlungsalternativen unterstützen. Vor dem Hintergrund des Infektionsrisikos eines bestimmten Patienten, das sich aus Begleiterkrankungen, Alter, Therapiegeschichte, früheren Infektionen und aktueller Therapie ergibt, können Therapien in ihrem Risiko gegeneinander abgewogen werden. Beispielsweise kann eine Behandlung mit einem TNF-Inhibitor, die per se zu einer leichten Risikoerhöhung führt, günstiger sein als eine Behandlung mit einem konventionellen DMARD, wenn hierdurch weniger Glukokortikoide gegeben werden müssen. Ist die TNF- Inhibitor-Therapie hingegen nicht ausreichend wirksam und müssen höher dosierte Glukokortikoide hinzugegeben werden, dann kann ein sehr hohes Infektionsrisiko entstehen“, erläutert Professor Angela Zink.

Abstract Nummer: OP0144

Kontakt:
Für weitere Informationen zu dieser Studie oder Interviewanfragen mit dem Hauptautor der Studie wenden Sie sich bitte während des EULAR-Kongresses an die Pressestelle des EULAR-Kongresses in Halle 6 im zweiten Stock des Kongresszentrums oder an:
Candice Debleu, E-Mail: eularpressoffice@cohnwolfe.com, Tel.: +44 78 94 38 64 25
Ulrike Raap, E-Mail: uraap@hs-healthcare.de, Tel.: 040-31 78 64 23
Juliane Petzold, E-Mail: jpetzold@hs-healthcare.de, Tel.: 0170-765 63 80
Angela Zink, E-Mail:zink@drzf.de, Tel.:030-28460 621, www.drfz.de

Über EULAR:
Die European League Against Rheumatism (EULAR) repräsentiert als europäischer Dachverband wissenschaftliche Gesellschaften, Verbände von Gesundheitsdienstleistern sowie Selbsthilfegruppen aus ganz Europa.
Die EULAR wie auch die European Union of Medical Specialists (UEMS) schließen rheumatische Erkrankungen des Bindegewebes sowie des lokomotrischen und muskuloskeletalen Systems in ihre Arbeit mit ein.

Die EULAR fördert und unterstützt die Erforschung, Prävention, Behandlung und Rehabilitation von rheumatischen Erkrankungen. Mit 45 wissenschaftlichen Mitgliedsgesellschaften, 36 PARE Organisationen und 10 Verbänden für Gesundheitsdienstleister unterstreicht EULAR neben der medizinischen Bekämpfung rheumatischer Erkrankungen auch die Bedeutung einer breit angelegten Versorgung und eines profunden Verständnisses der sozialen und sonstigen Bedürfnisse für bzw. von Rheumapatienten.
Erkrankungen der Knochen und Gelenke wie zum Beispiel rheumatoide Arthritis und Osteoarthritis verursachen bei vier bis fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung eine Behinderung und werden aufgrund der steigenden Lebenserwartung noch weiter zunehmen.

Der EULAR-Kongress 2012 ist mit mehr als 15.000 Wissenschaftlern, Ärzten, angeschlossenen Gesundheitsdienstleistern und anderen interessierten Teilnehmern aus über 115 Ländern die größte Veranstaltung für rheumatische Erkrankungen in Europa. Im Rahmen des Kongresses gibt es mehr als 275 Vorträge und 1.400 Posterpräsentationen. In 190 Sitzungen werden 1.010 eingeladene Sprecher Vorträge halten.

Jacqueline Hirscher | idw
Weitere Informationen:
http://www.eular.org/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise