Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Auto-Neurostimulation" bei Chronischem Schmerz - Neuer "Schmerzschrittmacher" passt sich selbstständig der

19.04.2010
Mit der Methode der Neurostimulation ist es möglich, Chronische Schmerzen zu behandeln, die in die Beine ausstrahlen. Hierbei werden Nerven über Elektroden stimuliert, um so den Schmerz zu lindern.

Das Problem bisher: verändert der Patient seine Körperhaltung (Liegen, Stehen, Sitzen) muss er den elektrischen Impuls jeweils selbst anpassen. Ein neuer Neuromodulator erkennt nun die Körperhaltung des Patienten und passt die Stimulation automatisch an. Dieser neue "Schmerzschrittmacher" wird erstmals an der Uniklinik Köln eingesetzt. Schmerz ist eine Folge elektrischer Reizübertragung im Körper. Von der Schmerzquelle wird der Reiz über die Rückenmarksnerven an das Gehirn geleitet, wo er als Schmerz wahrgenommen wird.

Von Chronischem Schmerz spricht man, wenn dieser über sechs Monate ständig oder immer wiederkehrend auftritt. Verschiedene Verletzungen und Krankheiten können ihn auslösen, zum Beispiel Nervenverletzungen oder Krebs. Häufig sind Rücken und Beine betroffen. Bleibt der Chronische Schmerz unbehandelt, kann er sich zu einer eigenständigen Krankheit entwickeln, unabhängig davon, ob die eigentliche Ursache noch besteht oder nicht. Betroffene Patienten sind dadurch physisch und emotional stark beeinträchtigt.

Die Neurostimulation reduziert Chronische Schmerzen durch elektrische Impulse in der Nähe des Rückenmarks - ähnlich der Technik der Tiefen Hirnstimulation. Die elektrische Stimulation überlagert den Schmerz, der im Rückenmark entsteht und ins Bein ausstrahlt. "Hier setzen wir mit der Neurostimulation an", erläutert Dr. Thorsten Riethmann, Stellvertretender Fachbereichsleiter Funktionelle Neurochirurgie. "Durch die Elektroden wird die Weiterleidung des Schmerzes in das Gehirn des Patienten gehemmt. Der Patient empfindet ein angenehmes Kribbeln dort, wo er zuvor den Schmerz gespürt hat."

Eine Umfrage bei Patienten mit implantiertem Neurostimulationssystem ergab, dass 71 Prozent der Patienten bei Änderungen der Körperhaltung eine unangenehme oder verminderte Stimulation verspüren. Darauf müssen die Patienten bisher mit einer Änderung der Stimulationseinstellungen auf ihrem Programmiergerät reagieren. Mehr als 60 Prozent passen die Stimulation mindestens einmal am Tag an.

Der "RestoreSensor" ist der erste Neurostimulator, der die Änderung der Körperhaltung des Patienten erkennen und aktiv darauf reagieren kann. Ein Bewegungssensor erkennt automatisch, in welcher Position sich der Patient befindet. Ändert der Patient seine Körperhaltung, stellt er die für ihn angenehme Stimulationsstärke einmalig ein. Das System "lernt", welche Einstellungen der Patient für die jeweilige Position bevorzugt und wählt bei der nächsten Änderung der Körperhaltung automatisch die passenden Einstellungen aus.

"Die Patienten können sich so freier bewegen als vorher. Der Alltag mit der Neurostimulation wird unkomplizierter", sagt Riethmann. Diese neue Form des "Schmerzschrittmachers" eignet sich vor allem für neuropatischen Schmerz. Beispiele sind Schmerzausstrahlungen ins Bein nach Rückenoperationen, Schmerzen nach Herpes Zoster oder bei CRPS (Morbus Sudeck). "Außerdem können wir den neuen Neurostimulator bei anhaltenden Rückenschmerzen verwenden oder nach bereits erfolgten Rückenoperationen - zum Beispiel einem Bandscheibenvorfall - wenn alle anderen Therapien bereits versagt haben", erklärt Dr. Athanasios Koulousakis, Fachbereichsleiter Funktionelle Neurochirurgie.

Nach vorheriger Anmeldung bei der Pressestelle der Uniklinik Köln kann eine begrenzte Anzahl von Journalisten an der Implantation des neuen Neurostimulators am Dienstag den 20.04.2010 teilnehmen. Anmeldung unter: 0221 478-88757

Für Rückfragen:

Dr. Athanasios Koulousakis
Fachbereichsleiter Funktionelle Neurochirurgie
Klinik für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie
Telefon: 0221 478-4483
E-Mail: athanasios.koulousakis@uk-koeln.de
Dr. Thorsten Riethmann
Stellvertretender Fachbereichsleiter Funktionelle Neurochirurgie
Klinik für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie
Telefon: 0221 478-97256
E-Mail: thorsten.riethmann@uk-koeln.de
Christoph Wanko
Pressesprecher Uniklinik Köln
Stabsabteilung Kommunikation
Telefon: 0221 478-5548
E-Mail:pressestelle@uk-koeln.de

Christoph Wanko | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-koeln.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise