Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Psychologin entwickelt Patienten-Test weiter – Genauere Ergebnisse bei Störung der rechten Hirnhälfte

22.02.2013
Schlaganfallpatienten kämpfen oft noch lange mit den Folgen ihrer Krankheit. Eine mögliche Konsequenz des rechtsseitigen Schlaganfalls ist zum Beispiel der so genannte visuell-räumliche Neglect.
Patienten vernachlässigen dabei alles, was sich in ihrer linken Sicht- oder Körperhälfte abspielt: Sie schauen nicht nach links, wenn sie eine Straße überqueren, stoßen mit der linken Körperhälfte gegen Türrahmen oder pflegen nur die rechte Gesichtshälfte. Die Psychologin Eva Leonhardt hat in ihrer Masterarbeit nun einen einfachen klinischen Test entwickelt, der die Störung zuverlässiger erfasst als der bisher gängige Test.

In der klinischen Praxis wird die Schwere eines Neglects beispielsweise mit dem so genannten Bells-Test auf einfache Art und Weise überprüft. Dabei verteilen sich gleichmäßig auf einem DIN-A-4-Blatt kleine, schwarze Glocken (vom englischen „Bells“ leitet sich der Name ab), Sägen, Autos, Häuser und viele weitere Dinge. Die Patienten sollen nun alle Glocken durchstreichen.

Leiden sie an einem Neglect, übersehen die Patienten auf der linken Blattseite viele Glocken. So können die Psychologen herausfinden, wie schwer bei einem Patienten die Vernachlässigung der linken Raumseite ausgeprägt ist. Aber gerade in der Einfachheit dieser Durchstreichtest liegt auch eine Schwäche: „Wenn Durchstreichtests wiederholt werden, wissen viele Patienten bald, wie sie funktionieren und konzentrieren sich besonders auf die linke Hälfte. Das verfälscht das Ergebnis, und wir können keine sichere Aussage mehr über die Schwere des Rest-Neglects im Alltag treffen“, erklärt Psychologe Stefan Reinhart von der Arbeitseinheit Klinische Neuropsychologie der Saar-Uni, der die Masterarbeit von Eva Leonhardt betreut.

Alternativ zum Bells-Test wird ein Fragebogen zu den Auswirkungen des Neglects im Alltag eingesetzt, den sowohl die Patienten selbst als auch deren Angehörige beantworten können. Hier bewerten die Angehörigen den Neglect oft deutlich stärker als die Patienten selbst, die beispielsweise gar nicht richtig bemerken, dass sie nicht nach links schauen, wenn sie die Straße überqueren.

Eva Leonhardt hatte nun die Idee, einen neuen, schwierigeren Durchstreichtest zu entwickeln: Sie verteilte geometrische Symbole auf einem DIN-A-4-Blatt, die sehr viel schwerer auseinanderzuhalten sind als Glocken und Autos. Dadurch fällt es den Patienten schwer, die gesteigerte Aufmerksamkeit auf die linke Seite aufrecht zu erhalten. Die bisherigen Messungen zeigen, dass im neuen Test auch Patienten linksseitige Symbole auslassen, die im Bells-Test nicht mehr auffällig sind. Darüber hinaus stimmen die Ergebnisse des Tests besser mit den Angaben der Angehörigen im Fragebogen zu den Alltagsproblemen der Betroffenen überein. „Wir können also treffendere Aussagen über den Rest-Neglect machen und besser einschätzen, ob ein Patient eine Neglect-Therapie benötigt“, erklärt Eva Leonhardt.

Bis der Test in der klinischen Praxis eingesetzt werden kann, wird es noch einige Monate dauern. Die Psychologen an der Saar-Uni müssen die Testreihe noch weiterführen, um der Methode den letzten Schliff zu geben. „Der Test trägt auch zu einer verbesserten Neglect-Therapie bei, wie sie in unserer Hochschulambulanz standardmäßig durchgeführt wird“, erklärt Professor Georg Kerkhoff, Leiter der Arbeitseinheit Klinische Neuropsychologie und der Neuropsychologischen Hochschulambulanz.

Eva Leonhardt hat für ihre Masterarbeit den mit 1.000 Euro dotierten Stipendienpreis der Studienstiftung Saar für anwendungsorientierte Abschlussarbeiten im Jahr 2012 gewonnen.

Kontakt:
Dipl. Psych. Stefan Reinhart
E-Mail: s.reinhart@mx.uni-saarland.de
Tel.: 0681 302-57383
Redaktion
Thorsten Mohr
Tel. 0681 302-2648
presse.mohr@uni-saarland.de
Presse und Kommunikation
Campus, Gebäude A2 3
66123 Saarbrücken
Tel. 0681 302-2601
Fax 0681 302-2609

Thorsten Mohr | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schwere Infektionen bei Kindern auch in der Schweiz verbreitet
26.07.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ruckartige Bewegung schärft Röntgenpulse

Spektral breite Röntgenpulse lassen sich rein mechanisch „zuspitzen“. Das klingt überraschend, aber ein Team aus theoretischen und Experimentalphysikern hat dafür eine Methode entwickelt und realisiert. Sie verwendet präzise mit den Pulsen synchronisierte schnelle Bewegungen einer mit dem Röntgenlicht wechselwirkenden Probe. Dadurch gelingt es, Photonen innerhalb des Röntgenpulses so zu verschieben, dass sich diese im gewünschten Bereich konzentrieren.

Wie macht man aus einem flachen Hügel einen steilen und hohen Berg? Man gräbt an den Seiten Material ab und schüttet es oben auf. So etwa kann man sich die...

Im Focus: Abrupt motion sharpens x-ray pulses

Spectrally narrow x-ray pulses may be “sharpened” by purely mechanical means. This sounds surprisingly, but a team of theoretical and experimental physicists developed and realized such a method. It is based on fast motions, precisely synchronized with the pulses, of a target interacting with the x-ray light. Thereby, photons are redistributed within the x-ray pulse to the desired spectral region.

A team of theoretical physicists from the MPI for Nuclear Physics (MPIK) in Heidelberg has developed a novel method to intensify the spectrally broad x-ray...

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Ferienkurs mit rund 600 Teilnehmern aus aller Welt

28.07.2017 | Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Assistenzsysteme für die Blechumformung

28.07.2017 | Maschinenbau

Ruckartige Bewegung schärft Röntgenpulse

28.07.2017 | Physik Astronomie

Satellitendaten für die Landwirtschaft

28.07.2017 | Informationstechnologie