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Pseudokrupp - der Schreckenshusten in der Nacht

06.02.2012
Stiftung Kindergesundheit: Die typische Krankheit kleiner Kinder tritt vorwiegend in den Wintermonaten auf und bedroht Kinder zwischen sechs Monaten und sechs Jahren, besonders im zweiten Lebensjahr.
Der Pseudokrupp ist zwar grundsätzlich gutartig, aber auch unberechenbar: Manche Kinder steigern sich in kurzer Zeit in eine schwere Atemnot hinein. Die Stiftung Kindergesundheit hat deshalb die wichtigsten Fakten über die Krankheit zusammengestellt, die so vielen Eltern schlaflose Nächte bereitet.

Der quälende nächtliche Hustenanfall gehört zu den häufigsten Erkrankungen im Kleinkindalter. Es ist ein tiefer Husten mit harten, rauen und bellenden Tönen, die an das Bellen von Seehunden oder an das Blöken von Schafen erinnern - daher auch die volkstümliche Bezeichnung ‚Schafshusten’. Das Kind ringt hörbar nach Luft und gibt beim Einatmen ein ziehendes, manchmal juchzendes, manchmal brummendes Geräusch von sich. Die Stimme wirkt heiser oder gepresst. Das Kind weint und ist völlig verängstigt.

Was ist Pseudokrupp eigentlich?
Der Name der Krankheit ist veraltet. Als "echter" Krupp wurde früher die Kehlkopfdiphtherie bezeichnet (sie wird durch die Impfung verhindert und ist daher in Westeuropa so gut wie ausgerottet). Die gleichen Symptome, aber ohne eine Diphtherieinfektion nannte man Pseudokrupp, medizinisch subglottische Laryngitis. Weitere gebräuchliche Namen sind Kruppsyndrom, Krupphusten, viraler Krupp, Infektkrupp oder Kehlkopf-Katarrh. Gemeint ist aber immer eine Einengung der Luftwege, die zur Atemnot führt.

Was passiert beim Pseudokrupp?
Der Husten tritt fast ausschließlich nachts auf. In der Regel geht eine leichte Erkältung mit Halsweh und Schnupfen voraus, deren Ursache eine Virusinfektion oder eine allergische Reaktion ist.

Die Angst erregenden Symptome der Krankheit entstehen dadurch, dass die Stimmbänder und die Schleimhäute an den darunter liegenden Abschnitten des Kehlkopfes und an der Luftröhre des Kindes entzündet und angeschwollen sind. Die Ursache ist meist eine Infektion mit den unzähligen Viren, die kleinen Kindern in der kalten Jahreszeit ohnehin schon das Leben schwermachen. Während diese Viren bei den meisten Kindern zu einer „normalen“ Erkältung führen, lösen sie bei den dafür besonders Anfälligen den typischen Krupp-Anfall aus.

Welche Kinder sind gefährdet?
Der Pseudokrupp ist eine Krankheit des Kleinkind- und Vorschulalters und tritt am häufigsten bei Kindern zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr auf. Der Grund: In diesem Alter sind die anatomischen Verhältnisse im Kehlkopfbereich sehr eng, gleichzeitig reagieren die Schleimhäute der Kinder jetzt besonders heftig auf Infektionen und Reizungen. Nach den aktuellsten Daten der großen Gesundheitsuntersuchung KiGGS des Robert-Koch-Instituts erkranken Jungen mit 8,4 Prozent zweimal häufiger an Pseudokrupp als Mädchen (4,6 Prozent). Starke Luftverschmutzung bei bestimmten Wetterlagen steigert offenbar das Risiko. Das gilt übrigens auch für den Zigarettenrauch in der Wohnung.

Wie gefährlich ist die Krankheit?
Trotz der bedrohlichen und Angst erregenden Hustengeräusche verläuft der Krupp-Anfall normalerweise gutartig. Am nächsten Morgen kann alles vorbei sein. Manche Kinder können sich allerdings in einen lebensbedrohlichen Zustand hineinsteigern: Sie ziehen nur mühsam die Luft ein, sind unruhig, ihr Herz jagt, die Haut läuft blau an. Manchmal entsteht sogar der falsche Eindruck einer Besserung, wenn das Kind infolge der Atemnot völlig erschöpft ist. Auch das Bewusstsein kann in diesem Stadium getrübt sein.

„Soweit darf es nicht kommen!“, warnt Professor Koletzko mit Nachdruck: „Wenn sich der Lufthunger bedrohlich verschlimmert und Lippen, Hände oder Nasenspitze blau werden, muss das Kind sofort in die nächste Klinik. Es wäre falsch und gefährlich, in solchen Fällen auf den Arzt oder einen ärztlichen Notdienst zu warten. Jede Minute kann kostbar sein“. Beim ersten Auftreten eines Pseudokrupp-Anfalls wird das Kind in aller Regel in eine Klinik eingewiesen und sicherheitshalber bis zum nächsten Morgen beobachtet.

Was können die Eltern bei einem Krupp-Anfall tun?
In den meisten Fällen können aber die Eltern ihrem Kind mit einigen Sofortmaßnahmen über den Anfall hinweghelfen. Das Wichtigste ist: Ruhe bewahren und das verstörte, aufgeregte und verkrampfte Kind auf den Arm nehmen und beruhigen, unterstreicht die Stiftung Kindergesundheit. Beim Schreien schwillt nämlich die Schleimhaut weiter an. Hektik steigert nur die Angst des Kindes und damit auch seine Atemnot. In der aufrechten Position auf dem Arm kann das Kind auch besser atmen als im Liegen.

Weitere Maßnahmen:

O Für feuchtkalte Luft sorgen. Wenn nicht gerade Nebel oder Smog herrscht, das Fenster öffnen: Die Nachtluft erleichtert die Atmung.

O Gleiche Bedingungen erreicht man mit einer "feuchten Kammer": Das Kind ins Badezimmer tragen, mit der Handbrause heißes Wasser in die Wanne laufen lassen. Das Kind soll die feuchte Luft am besten in aufrechter Haltung einatmen.
O Ebenfalls hilfreich: Die Kühlschranktür öffnen, damit das Kind die ausströmende kalte Luft einatmen kann. Nach dem Anfall braucht das Kind etwas Kaltes zu trinken, am besten kalten Himbeersaft oder Tee.

Wie kann der Kinder- und Jugendarzt helfen?
Eine Immunität nach Krupp-Husten gibt es leider nicht, eher im Gegenteil: Da viele Viren als Ursache infrage kommen, muss man vor allem in der kalten Jahreszeit mit häufigen neuen Krankheitsschüben rechnen. Eltern, die einen Pseudokrupp-Anfall bereits erlebt haben, werden schon die ersten Anzeichen im Wiederholungsfall schnell erkennen.
Sobald die Krankheit einmal aufgetreten ist, kann der Kinder- und Jugendarzt für mögliche neue Krupp-Anfälle ein spezielles "Notfall-Zäpfchen" (oder einen Saft) mit Kortison verschreiben, das die Schleimhäute abschwellen lässt. Das Zäpfchen muss im Kühlschrank aufbewahrt werden und sollte nur ein- oder zweimal pro Krankheitsfall gegeben werden. Antibiotika sind dagegen unnötig und unnütz, weil beim Pseudokrupp fast ausschließlich Viren im Spiel sind, betont die Stiftung Kindergesundheit.

Wie lange besteht Krupp-Gefahr?
Ein Trost für die betroffenen Eltern: Nach dem dritten Geburtstag des Kindes werden die Krupp-Anfälle meistens leichter, nach dem sechsten hören sie in fast allen Fällen auf. Durch das Wachstum verändern sich nämlich die anatomischen Größenverhältnisse des Kehlkopfes und es kommt nicht mehr so leicht zu einer Verengung.

Kehlkopfentzündung – die lebensbedrohende Atemnot
Es gibt eine Krankheit, die dem Pseudokrupp ähnelt, dabei jedoch weit gefährlicher ist, aber zum Glück wesentlich seltener vorkommt: die akute Kehlkopfentzündung, die so genannte Epiglottitis.
Da sie für das Kind lebensgefährlich werden kann, sollten Eltern die Unterschiede kennen:

O Beim Pseudokrupp ist die Stimme des Kindes rau, heiser bis tonlos. Das Schlucken ist nicht behindert, die Temperatur nur leicht erhöht (um 38 Grad).

O Bei der Epiglottitis verschlimmert sich das Befinden des Kindes geradezu stürmisch schnell. Die Stimme klingt nicht heiser, sondern hell, leise und kloßig, wie mit einer heißen Kartoffel im Mund. Das Kind fiebert und will nichts trinken, weil ihm das Schlucken wehtut. Speichel läuft aus dem Mund. Ohne schnelle Behandlung kann die Krankheit tödlich verlaufen, deshalb Notruf!

Wegen ihres bösartigen Verlaufs muss eine Epiglottitis in jedem Fall in einer Klinik behandelt werden, unterstreicht die Stiftung Kindergesundheit. Sie weiß aber auch Positives zu vermelden: Verglichen zu früheren Zeiten sind die Erkrankungszahlen seit Einführung der Hib-Impfung gegen Haemophilus influenzae Typ B, den wichtigsten Krankheitserreger der Epiglottitis, drastisch zurückgegangen.

Vorbeugen ist besser als heilen.
Deshalb setzt sich die 1998 gegründete Stiftung Kindergesundheit für eine verbesserte Gesundheitsvorbeugung ein, fördert die hierzu notwendige Forschung und die Verbreitung wissenschaftlich gesicherter Informationen für Ärzte und Familien mit Kindern. Unser Engagement gilt nicht nur Kindern mit besonderen gesundheitlichen Problemen. Die gewonnenen Erkenntnisse kommen allen Kindern und ihren Familien zugute.

Hildegard Debertin | idw
Weitere Informationen:
http://www.kindergesundheit.de/

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