Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Proteinuntersuchungen geben neue Einblicke in Lebensmittelallergien durch Speisefische

11.12.2013
Nahrungsmittelallergien sind offenbar deutlich spezifischer als bisher angenommen. Genauere Tests könnten den Betroffenen in Zukunft mehr Freiräume bei der Essensauswahl bieten.

Zu diesem Ergebnis kommen Untersuchungen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), der Universität Leipzig und der Haukeland-Universitätsklinik Bergen. Die Forscher hatten Patienten mit Fischallergien gegen Viktoriabarsch untersucht. Eine Allergie auf Viktoriabarsche bedeutet dabei nicht, auch auf Kabeljau allergisch zu sein.


Eine Allergie auf Viktoriabarsche bedeutet dabei nicht, auch auf Kabeljau allergisch zu sein. Leipziger Forscher konnten artspezifische Allergene identifizieren.

Foto: Marcus Karsten/Uniklinik Leipzig

Weiterhin konnten artspezifische Allergene identifiziert werden, die helfen können, Vermeidungsstrategien gegen solche Lebensmittelallergien zu verbessern und zu spezifizieren, schreiben die Wissenschaftler im Fachjournal Journal of Investigational Allergology and Clinical Immunology (JIACI).

Fisch zählt zu den wichtigsten Lebensmitteln weltweit. Er gilt als gesund, ist überall verfügbar und wird daher zunehmend verzehrt. In den Industriestaaten werden inzwischen pro Kopf und Jahr rund 28 Kilogramm Fisch gegessen. Tendenz steigend. Mit der Zunahme von Angebot und Nachfrage nach Meeresfrüchten ist aber auch ein gestiegenes Risiko an Fischallergien verbunden. Das häufigste Allergen in Fischen und Krebsen ist Parvalbumin, ein kalziumbindendes Protein.

Allerdings stehen auch andere Stoffe im Verdacht, Allergien auszulösen wie zum Beispiel eine Gruppe von Proteinen aus dem Zellstoffwechsel namens Aldehyd-Dehydrogenasen. Einige dieser Eiweise könnten im Schatten des häufigen Parvalbumin übersehen und daher bisher unterschätzt worden sein.

Der direkteste Weg, um neue Allergene zu identifizieren, führt über die Analyse des Serums betroffener Patienten und der Proteine der Allergiequelle. Binden die IgE-Antikörper im Serum der Patienten an die Proteine des allergieauslösenden Lebensmittels, dann ist dies ein deutliches Signal. Die gefundenen Allergene können zunächst für individuelle Diagnosen und später für epidemiologische Studien genutzt werden, um die Relevanz einzelner Allergien herauszufinden. In ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler zwei Patienten der Universitätsklinik Leipzig und zehn der Haukeland-Universitätsklinik im norwegischen Bergen.

Unter den Probanden befand sich auch ein 24jähriger Leipziger Koch, der eine Allergie auf Nilbarsch (Lates niloticus) entwickelt hatte, nachdem er mit dem rohen Fleisch dieses Fisches in Berührung gekommen war und vorher Lachs (Salmo salar) gegessen hatte. Solche Kreuzallergien sind bekannt. Außergewöhnlich war aber, dass der Patient andere Fischarten vertrug. In den Tests zeigten sich Anzeichen von Allergien auf Nilbarsch und Lachs, aber nicht auf Kabeljau (Gadus morhua). „Die momentan eingesetzten Tests sind sehr unspezifisch. Ein Teil der Fischallergiker könnte daher hoffen, in Zukunft vielleicht doch noch eine verträgliche Fischsorte zu finden, wenn es gelingen würde, entsprechende Tests massentauglich zu machen und in der Allergiediagnostik einzusetzen“, schlussfolgert Dr. Janina Tomm vom UFZ, die sich auf die Untersuchung von Proteinen spezialisiert hat.

Über einen vergleichbaren Fall berichten die Forscher in einer zweiten Veröffentlichung. Dabei wurden Proteine der Kuruma-Garnele (Marsupenaeus japonicus) untersucht und mit Pyruvatkinase und Phosphopyruvat hydratase zwei neue Enzyme gefunden, die Ursache für Lebensmittelallergien gegen Krustentiere sein können. Theoretisch hätten beide nur ein geringes Allergiepotenzial. „Das zeigt: Auch wenn die Vorhersagbarkeit von Allergien deutlich besser geworden ist, können Computeralgorithmen biochemische Experimente momentan nicht ersetzen“, unterstreicht Universitätsprofessor Jan-Christoph Simon. Auch hier könnte detaillierteres Wissen über bisher unterschätze Allergene helfen, bei Allergien gegen Krustentiere künftig eine korrekte Diagnosen zu stellen.

Die Allergieuntersuchungen sind Teil des Leipziger Forschungszentrums für Zivilisationserkrankungen (LIFE), einem Großforschungsprojekt der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig im Rahmen der Landesexzellenzinitiative des Freistaates Sachsen in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kooperationspartnern wie dem UFZ. Dank der LIFE-Unterstützung konnte an der Klinik für Dermatologie und Allergologie bei Prof. Simon eine Nachwuchsgruppe für die Erkennung neuartiger Allergien eingerichtet werden.

Tilo Arnhold

Publikationen:
JM Tomm, T van Do, C Jende, JC Simon, R Treudler, M von Bergen, M Averbeck (2013): Identification of New Potential Allergens From Nile Perch (Lates niloticus) and Cod (Gadus morhua). J Investig Allergol Clin Immunol 2013; Vol. 23(3): 159-167.
http://www.jiaci.org/issues/vol23issue3/4.pdf
JM Tomm, C Krause, JC Simon, R Treudler, M von Bergen, M Averbeck (2013): Pyruvate Kinase and Phosphopyruvate Hydratase as Novel IgE Reactive Proteins in Prawn. J Investig Allergol Clin Immunol 2013; Vol. 23(6): 000-000

Beide Untersuchungen wurden vom "Leipziger Forschungszentrum für Zivilisationserkrankungen" (LIFE) unterstützt sowie von der Europäischen Union, dem Europäischen Sozialfond und dem Freistaat Sachsen gefördert.

Weitere Informationen:
Dr. Janina Tomm/
Prof. Dr. Martin von Bergen
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341- 235-1819, -1211
http://www.ufz.de/index.php?de=17566
http://www.ufz.de/index.php?de=17634
und
Prof. Dr. med. Jan-Christoph Simon
Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum Leipzig
Telefon 0341-97-18600
http://www.uni-leipzig.de/~trr67/joomla/index.php?option=com_content&view=article&id=126&Itemid=112&lang=de
oder über
Tilo Arnhold, Susanne Hufe (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635, -1630
http://www.ufz.de/index.php?de=640
Weiterführende Links:
Identifizierung von Allergenen
http://www.ufz.de/index.php?de=14865
Schimmelpilzen auf der Spur
http://www.ufz.de/index.php?de=15915
http://www.ufz.de/index.php?de=15904
Leipziger Forschungszentrum für Zivilisationserkrankungen (LIFE)
http://life.uni-leipzig.de/de/die_gesundheitsstudie.html
Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg mehr als 1.100 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

http://www.ufz.de/

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 35.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,8 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

http://www.helmholtz.de/

Tilo Arnhold | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=32262

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit Urzeitalgen zu gesundem Wasser: Wirtschaftliches Verfahren zur Beseitigung von EDC im Abwasser

27.04.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Kaltwasserkorallen: Versauerung schadet, Wärme hilft

27.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitsmarkt bleibt im Aufwind

27.04.2017 | Wirtschaft Finanzen